Links als Kommunikationsmöglichkeit
Etwas überrascht war ich schon, als ich heute morgen bemerkte, dass die Washington Post auf medienlese aufmerksam geworden ist und offenbar einen Text zu uns verfasst hat. Sekunden später war dann klar: Die Washington Post hat die gesetzten Backlinks als zusätzlichen Service im Artikel (im betreffenden Fall im Text von Anna Politkowskaja, in der wir als eines von 14 auf den Text verweisenden Blogs vermerkt sind).
Tolle Sache, denk ich mir, da sieht man auf einen Blick, welche anderen Medien Links zu einem Artikel gesetzt haben. Da kann man ohne lange zu suchen mehr lesen. Da werden wichtige Informationen um einen Text gebündelt. Und: Warum gibt es das nicht bei deutschsprachigen Newsportalen?
Der Dissident vermisst die Trackback-Funktion ebenfalls und hat bereits Ideen, wie das umgesetzt werden könnte. Seine Idee, nur Blogs zu listen, die einen “seriösen” Technorati-Rang aufweisen, wird sich im deutschsprachigen Raum wohl vorerst als bedeutungslos erweisen, weil a) die Zahl der Blogger noch klein ist und b) davon nur ein Bruchteil überhaupt auf spezifische Links verweist.
Für die Medien gibt es dafür und dagegen sprechende Argumente, Backlinks zu erwähnen. Da ist einerseits die Befürchtung, damit Leser an Blogs weiterzureichen und somit zu verlieren, was sicher nicht ganz unbegründet ist. Dabei darf man man aber nicht aus den Augen verlieren, dass der ursprüngliche Artikel im Zentrum ist und bleibt. Nicht nur das, er wird gratis mit “User Generated Content” bereichert.
Eine Aufschaltung von Backlinks wäre zudem ein echter Schritt in Richtung Leserbindung, anders als die unsinnigen Sternchen (oe24.at, Flop 20) und Plus/Minus-Ratings (zdf.de, Top 10), die unter den Texten auftauchen und mit denen Lesern vorgegaukelt wird, sie seien sowas wie eine kritische Masse, deren Meinung in Zukunft verwertet wird. Solche Methoden geben eher Aufschluss über die Lieblingsthemen der User als über die Inhalte der Artikel. Es stehen da unsichere Informationen auf der einen Seite gegenüber sinnloser Betätigung auf der anderen. Persönlich kann ich mich nicht erinnern, je ernsthaft eine dieser auch Karmapunkte genannten Bewertungen abgegeben zu haben.
Es gibt aber auch aussichtsreiches: Einzelne Medien setzen bereits jetzt Hyperlinks in ihre Texte, darunter natürlich viele Weblogs, aber auch Telepolis oder Spiegel Online. Einige setzen Links zu ihren Texten, auf die man klicken kann (werbewoche.ch), andere setzen Links zu ihren Texten, auf die man nicht klicken kann (persoenlich.com). Erstaunlich, dass das “Online-Portal der Schweizer Kommunikationswirtschaft” möglichst keine kommunikativen Hinweise auf andere Sites machen will. Auch der Kleinreport-Newsletter bringt es fertig, nur ab und zu mal was zu verlinken. Trotzdem ragen diese Sites heraus aus dem grossen Haufen von Online-Texten ohne Links.
Es kann an purem Unwissen oder Anwenderproblemen, an fehlendem Bewusstsein oder an Angst vor Bedeutungsverlust liegen. Medien, die online keine Links setzen, haben den Vernetzungsgedanken des Internets jedenfalls nicht intus. Es sind alte Medien, die neue Medien mit den Mitteln der alten Medien machen. Und dabei ganz viele Möglichkeiten verpassen. Wer auch immer aus dieser Gruppe vorprescht jetzt und recht gut linkt, kann eigentlich nur gewinnen.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.





















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Schade ist, dass die WP site offensichtlich Probleme hat, Umlaute korrekt anzuzeigen – siehe hier die Zitate : http://washingtonpost.com…0805_Technorati.html
Tatsaechlich, das wimmelt ja nur so von Fragezeichen. Muessen wir deshalb nach Moeglichkeit ohne, aeh, Umlaute, schreiben? :-)
“Medien, die online keine Links setzen, haben den Vernetzungsgedanken des Internets jedenfalls nicht intus.”
Ronnie, du bist ein Globi. Schreibst hier über die Bedeutung von Links und den Vernetzungsgedanken und hast selber keinen einigen Blog in deiner Liste, der nicht von Blogwerk stammt.
Wir haben zwar keine Blogroll, aber wir verlinken täglich andere Beiträge. Kennst du die Rubrik 6 vor 9?
Ich hab das im Blogruf auch schon ein paar mal angesprochen, auch mit dem Verweis darauf, dass zB die englische Version von SpiegelOnline (spiegel.de/international) sehr wohl die Technoratilinks am Ende anzeigt. Technische Probleme scheinen es also nicht zu sein. Was fehlt, ist der Wille.
Eine echte XMLRPC-Implementation für “wirkliche” Trackbacks zu den Artikel hat sich bislang noch kein Angebot in .de getraut und auch international ist mir keines bekannt.
Danke für den Hinweis. Vielleicht will man wegen nur zwei oder drei bisher existierenden deutschsprachigen Blogs noch nicht zuviel investieren und lieber etwas abwarten.