Lieber Frank A. Meyer

So beginnt eine heute im Blick erscheinende ganzseitige Anzeige der Weltwoche auf Seite 10. In weisser Schrift auf blauem Grund ist folgendes zu lesen:

Lieber Frank A. Meyer,

lesen Sie den Vorabdruck der Memoiren Ihres Freundes Gerhard Schröder morgen exklusiv in der Weltwoche.

Hintergrund des Inserats ist das mangelnde Interesse des Blicks an den Memoiren von Gerhard Schröder, deren teilweise Vorveröffentlichung man aufgrund der Nähe des Ex-Bundeskanzlers zur Ringier-Gruppe am ehesten in einer ihrer Publikationen vermutet hätte.

Den Verzicht des Blicks halte ich aus mehreren Gründen für geschickt:

1. Die Kosten für den Vorabdruck wurden eingespart.

2. Es wurde eine ganzseitige Anzeige verkauft und das erst noch an einen Konkurrenz-Verlag.

3. Hätte der Blick die Memoiren vorabgedruckt, dann wäre er die darauffolgende Woche in vielen Kolumnen am Pranger gestanden. Die Rollen von Schröder und Meyer im Riniger-Konzern wären diskutiert worden, Spekulationen über den Kaufpreis wären aufgekommen und das Wort “Filz” wäre gefallen. Das wurde nun erfolgreich verhindert.

4. Das Langweilen der Leser mit Memoiren wurde umgangen und der Weltwoche überlassen. Doch warten wir den morgigen Tag ab. Die Currywurst ist noch nicht gegessen.

Update am 26.10.2006, 08:40 Uhr: CHAI-YO! hat die Anzeige gescannt und präsentiert sie in seinem Blog.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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