Was möchte der Medienkonsument (II)

FDP-Präsident Fulvio Pelli möchte nicht mehr über angebliche Provokationen des SVP-Bundesrats Christoph Blocher informiert werden. Stattdessen möchte er lieber erfahren, was entschieden wird:

Das Schweizer Fernsehen hat als Service-public-Sender den Auftrag, über Anträge und Entscheide der Politik zu berichten, nicht über politische Spiele. Dieser Provokation ein derart grosses Gewicht zu geben, war ein unwürdiger Kriechgang des Service public.

Mit Provokation meint er das von einigen Schweizer Medien als “Bückling” eingestufte Verhalten des Justizministers, dessen PR-Abteilung die Bedürfnisse der Schweizer Medien nach Stories offensichtlich am Besten befriedigt und dadurch mit Omnipräsenz belohnt wird.

Der Titel der SonntagsZeitung, der Pelli ein Interview gewährt, heisst “Pelli: Schweizer Fernsehen kriecht vor Blocher“. Doch auf Seite 3 schon heisst es im Titel “Die Verzweiflungstat eines Parteichefs”, im Lead “Fulvio Pelli wird für seine ‘Arena’-Schelte rundum kritisiert” und in der Bildunterschrift “Seine Medienkritik war ein Schuss ins eigene Bein.” Da muss man den Artikel ja fast nicht mehr lesen.

Dabei lohnt es sich, die Anliegen von Fulvio Pelli wahrzunehmen. Er sagt deutlich, seine Kritik richte sich nur gegen das gebührenfinanzierte Programm, das vom Staat bezahlt wird, ausgewogen zu berichten. Privat finanzierte Medienangebote kritisiert er nicht:

Die Medien allgemein können berichten, was sie wollen.

Konkret stört ihn die Arena, eine Politsendung des Schweizer Fernsehens, in der in einer grossen Runde aktuelle politische Themen debattiert werden, was oft lautstark, emotional und unter Szenenapplaus geschieht. Als Sieger geht vom Platz, wer die beste Bildschirmpräsenz hat, ähnlich den Duellen von Kontrahenten um das Amt des Präsidenten in der USA oder anderen Ländern. Kurz: Ein guter Vortrag gewinnt gegen schlecht präsentierte oder unattraktive Kleinarbeit. Die FDP Schweiz sieht darin unter anderem einen Grund für ihren Niedergang in den letzten Jahren auf Kosten der polarisierenden SP und SVP.

Was Pelli bei seiner Kritik übersehen hat, ist, dass Medien, ob privat- oder gebührenfinanziert, immer machen, was sie wollen. Vor allem lieben sie es ganz und gar nicht, wenn jemand kommt und ihnen vorschreiben möchte, über was sie zu berichten haben. Darum wird auf die “Medienschelte” auch gar nicht weiter eingegangen – und als Dummheit eines Verzweifelten abgetan.

Dem angeblich im Mittelpunkt stehenden Medienkonsumenten in Form von Fulvio Pelli bleibt nichts anderes übrig, als zu merken, wie er wahrgenommen wird: als Betriebsstörung, als Futter für die Titelseite, als Angriff auf die Freiheit der Medien. Dabei hat er nur, etwas ungeschickt verpackt vielleicht, Anstoss genommen an der Art, wie das von ihm bezahlte Fernsehen (seine) politische Arbeit vermittelt.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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