Emerging Technologies Conference am MIT:
Amazon mutiert zur Infrastrukturfirma

Andreas Göldi, 1. Oktober 2006 15:08 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Diese Woche fand hier am MIT in Boston die Emerging Technologies Conference der MIT-Hauszeitschrift Technology Review statt. Die Sprecherliste war durchaus illuster: Amazon-Chef Chef Bezos, AOL-CEO Jonathan Miller und diverse weitere Prominente aus der Online-Szene und anderen Technologiebereichen waren da. Die meisten Beiträge sind übrigens beim Technology Review online als MP3 oder Vlog abrufbar.

Jeff Bezos kennt man ja normalerweise als quirligen Verkäufer, diesmal wirkte er aber dem Umfeld entsprechend ziemlich nüchtern und “nerdig”. Er sprach nicht darüber, wie man am besten Bücher online verkauft, sondern über Amazons neue Webservices, die bisher ausschliesslich für Entwickler offen stehen.

Schon länger bietet Amazon ja offene Web-APIs zum Produktkatalog und zu seinen E-Commerce-Funktionalitäten an. Neu sind aber Dienste, die sehr generische Funktionalitäten abdecken und Amazons massive Server-Infrastruktur nutzen (nach eigenen Angaben hat Amazon bisher mehr als $2 Mia. in Technologie investiert):

S3 (Simple Storage Service) ist im Prinzip eine effiziente Datenablage im Netz. Die User dieses Dienstes können per API beliebige Datenobjekte auf Amazons Serverfarmen abspeichern und zahlen dafür ein paar Cents an Gebühren. Der Fotoservice Smugmug ist einer der ersten User. Noch interessanter ist EC2 (Elastic Compute Cloud): Hier kann man sich einen virtuellen Linux-Server mieten und zahlt lediglich 10 cents pro CPU-Stunde, keine Einrichtungskosten und keine monatlichen Gebühren. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig: Vom einfachen Webhosting bis zu virtuellen Testumgebungen für massiv parallele Serveranwendungen ist alles denkbar (und laut Bezos auch schon ausprobiert worden).

“We build muck so you don’t have to” fasste Bezos die Motivation für diese Dienste zusammen. Web-Startups verbringen seiner Erfahrung nach etwa 70% ihres Geldes und ihrer Zeit darauf, grundlegende Infrastruktur zu bauen. Das sollte nicht so sein findet Bezos. Stattdessen sollte auch “the kid in the college dorm room” in der Lage sein, eine Web-Anwendung mit massiver Serverinfrastruktur zu fahren, und zwar sofort und für wenig Geld.

Für Amazon stellt das keine grosse interne Änderung dar, sagte Bezos, weil man die ganze Infrastruktur sowieso betreiben muss. Aber das bleibt natürlich abzuwarten, denn falls diese Dienste wirklich sehr erfolgreich werden, verändert sich für Amazon das Geschäft potentiell schon recht stark.

Aber Amamzon bleibt nicht hier stehen, sondern arbeitet bereits an neuen Diensten: Als nächstes will man seine Versandlogistik mit dem Dienst “Fulfillment by Amazon” öffnen. Kleine Händler (die Amazon schon seit langem als virtuellen Marktplatz nutzen) können ihre Waren ans Amazon-Lagerhaus schicken, und dort wird dann der Versand an einzelne Kunden organisiert. Und natürlich verdient Amazon an jedem Vorgang ein paar Cents.

Im Interview sagte Jeff Bezos, dass auch in der Zukunft der weit überwiegende Teil der Verkäufe über physische Läden stattfinden wird. Diese natürliche Begrenzung des e-Commerce-Geschäfts will Amazon offenbar dadurch umgehen, jetzt frühzeitig eine breite Palette an anderen Leistungen aufzubauen.

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1 Kommentar

  1. mds
    schrieb am 28. Dezember 2007 um 04:59 Uhr (#)

    Amazon S3 ist toll, auch für die eigenen Backups … schade finde ich allerdings, dass Europäer dafür höhere Preise bezahlen müssen. Amazon S3-Anwendungen, die sich in den USA lohnen, sind damit in Europa teilweise zu teuer … :(

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