Die Presse und das Unternehmertum:
Ein schwieriges Verhältnis

Die “Sonntagszeitung” hat knallhart recherchiert und prangert nun an: Unternehmen aufbauen ist schwierig! Der Beweis ist der Fall von Blog-Unternehmer Peter Hogenkamp, der sich laut Sonntagszeitung das “alles etwas einfacher vorgestellt hat”.

Hintergrund und Disclaimer: Ich bin Mitinhaber der Firma Blogwerk AG, deren Haupteigentümer und Geschäftsführer Peter Hogenkamp ist. Wir haben Blogwerk gegründet, weil wir glauben, dass die neuen Web-Medien (Blogs, Podcasts, Videoblogs etc.) eine Grundlage für ein interessantes Geschäftsmodell sein können, oder — journalistenkompatibel ausgedrückt — dass man mit Blogs Geld verdienen kann. Der Beweis steht offensichtlich noch aus. Und, nein, wir haben uns das nicht einfacher vorgestellt.

Es ist natürlich schön, dass die Sonntagszeitung über unser gerade mal 81 Tage altes Startup-Unternehmen schon eine Dreiviertel Seite berichtet. Dass der Unterton eher kritisch sein würde, hatten wir erwartet, denn im Verlag von Martin “Kostenschere” Kall scheint die Internet-kritische Fraktion ziemlich in der Mehrheit zu sein, und Blogs sind für JournalistInnen sowieso immer noch ein Reizthema.

Irritiert haben mich allerdings zwei Dinge: Erstens waren die Recherchemethoden der Journalistin ehrlich gesagt etwas merkwürdig.

Es ging ja nicht gerade um das Aufdecken eines grösseren Wirtschaftsskandals, sondern um eine vergleichsweise belanglose Story über ein harmloses kleines Startup. Da mutet der investigative Stil der Recherche (inquisitorische E-Mails an Mitarbeiter, die direkt nach ihrem Lohn gefragt wurden) schon etwas übertrieben an. Zudem: Einige der Aussagen im Artikel (andere Blogunternehmen haben auch dürftige Umsätze) sind vermutlich schlichtweg frei erfunden. Mir wäre keine Quelle bekannt, aus der man zuverlässige Aussagen hierzu bekommen könnte. Mehr dazu kann man in Peters ausführlicher, sehr lesenswerter Replik lesen

Der zweite Aspekt ist etwas grundsätzlicher: Ich wundere mich ehrlich gesagt sehr darüber, dass deutschsprachige Zeitungen über Unternehmertum immer mit einem extrem negativen Unterton berichten. Und dieser Eindruck bezieht sich nicht auf diesen einen Artikel, sondern auf meine inzwischen etwa zwölfjährige Erfahrung mit Presse-Berichterstattung.

Im konkreten Fall: Wir versuchen mit Blogwerk, in einem noch unerprobten Markt etwas aufzubauen. Wir wissen noch nicht, ob und wie das funktionieren wird. Darum heisst es “unternehmerisches Risiko”. Journalisten scheinen mit dieser Unsicherheit ein Problem zu haben. In meinem Archiv habe ich haufenweise Zeitungsartikel aus den Jahren 1995 und 1996, wo drinsteht, dass dieser ganze neumodische Internet-Kram sowieso nie was werden wird, weil noch niemand rausgefunden hat, wie man damit Geld verdienen kann. Der Artikel aus der Sonntagszeitung von heute über Blogwerk erinnert mich stark daran.

Es ist ausserdem häufig so, dass man im Lauf der Zeit sein Geschäftsmodell ändert und zum Teil ganz über den Haufen wirft. Das ist nicht zielloses Basteln, wie das im Artikel rüberkommt, sondern ein normaler Teil des unternehmerischen Prozesses. Peter und ich haben beide erfolgreiche Internet-Unternehmen mit aufgebaut, und beide Firmen verdienen heute ihr Geld mit anderen Dingen, als man sich das am Anfang mal vorgestellt hat.

Und: Man fängt als Unternehmer klein an, und man arbeitet viel. Dass die Journalistin hämisch darüber berichtet, dass “Hogenkamp jetzt selbst Hand anlegen muss, und nicht zu knapp” ist da ein bisschen überraschend. Mir wäre nicht bekannt, dass wir Blogwerk in der Absicht gegründet haben, einen ruhigen Lebensabend damit zu verbringen.

Auch lustig fand ich die latent kapitalismuskritische Headline “Die Vorbilder sind wie immer in den USA zu finden”. Da ich gerade in den USA weile, und zwar in einem der zwei Zentren des High-Tech-Unternehmertums, kann ich nur sagen: Es wäre gut, wenn sich mehr Leute in Europa an US-Vorbildern orientieren würden. Hier ist Unternehmertum nichts Elitäres, das (offensichtlich) von der Presse kontrolliert und gegeisselt werden muss, sondern etwas sehr Alltägliches. Da erzählt einem der Möbelpacker, dass er gerade einen Internet-Buchladen aufbaut, und der Kellner im Restaurant ist eigentlich Biologie-Doktorand und denkt gerade über ein Gentech-Startup nach. Dass man als junger Mensch mal für wenig oder gar kein Geld in einem Startup mitarbeitet (was die Sonntagszeitung offensichtlich extrem verwerflich findet), ist für viele völlig normaler und gesuchter Teil der beruflichen Karriere. Und dass man als erfolgreicher Unternehmer auch möglicherweise viel Geld verdienen kann, wird nicht als unanständig (“Grosse Kasse machen”) empfunden, sondern als vorbildlich.

Aber eigentlich auch egal. Hauptsache, man ist in der Zeitung. Das ist eben die Macht der klassischen Medien: Ich werde heute noch immer wieder auf mehrere Jahre alte Zeitungsartikel angesprochen, in denen ich mal irgendwie erschienen bin. Und interessanterweise erinnern sich die Leute meistens nur ans Foto.

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