Fröhliches Experimentieren beim Holtzbrinck-Verlag

Andreas Göldi, 1. Juli 2006 um 20.06 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Die meisten Zeitungsverlage stehen dem Phänomen Internet weiterhin etwas ratlos oder gar ausgesprochen abwehrend gegenüber. Dass eine Zeitung eine vernünftige Website mit aktuellen Inhalten haben sollte, hat sich inzwischen mehrheitlich rumgesprochen, aber ansonsten herrscht vielerorts ins Digitale umgesetzte Tote-Bäume-Nostalgie in der Form erfolgloser e-Paper-Ausgaben vor.

Erwähnenswerte Ausnahmen gibt es gerade im deutschsprachigen Europa nur wenige. In der Schweiz hat es der Ringier-Verlag geschafft, sich mit ein paar teilweise gar preisgekrönten Blogging-Initiativen und ersten Anfängen von Bürgerjournalismus zu profilieren. Tamedia ist vor allem bei den Kleinanzeigenplattformen recht gut unterwegs, macht aber bei den journalistischen Produkten wenig Innovatives.

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Auch bei Google ist nicht alles rosig

Andreas Göldi, 1. Juli 2006 um 17.29 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Da wir’s hier gerade von Microsofts aktuellen Problemen hatten: Auch beim scheinbar unschlagbaren Such-König Google ist gelegentlich mal Sand im Getriebe.

Wie BusinessWeek richtigerweise schreibt, ist Google bisher kommerziell gesehen eigentlich ein One-Hit-Wonder. Natürlich ist die Suchmaschine extrem dominant, und natürlich ist das darauf aufbauende AdWords-Programm kommerziell sensationell erfolgreich. Aber was ist da sonst noch?

Googles neue Produkte kriegen immer sehr viel Aufmerksamkeit, weil es in Insider- und Pressekreisen als schick gilt, Google gut zu finden. Neustes Beispiel ist der Launch des Zahlungssystems Google Checkout, das von einigen Kommentaroren schon zum (wahlweise) PayPal-/E-Bay-/Amazon-/Yahoo-Shopping-Killer hochstilisiert wurde.

Dass der Innovationsgehalt vieler neuer Google-Produkte hoch ist, ist gar keine Frage (auch wenn es ein paar erstaunlich üble Ausnahmen gibt). Offensichtlich tut sich die Firma aber schwer, aus interessanten Beta-Produkten kommerziell wirklich erfolgreiche Angebote zu entwickeln. Die Liste der Produkte, die Google zwar anbietet, aber in denen es weit weg von einer Marktführerschaft ist, ist äusserst lang:

  • Social Networking: Orkut spielt so gut wie keine Rolle
  • Photo Sharing: Konkurrent Flickr hat das Rennen gegen Picasa klar gewonnen
  • Shopping: Von Froogle spricht kaum noch jemand.
  • Karten: Google Maps liegt immer noch hinter MapQuest zurück
  • Blog-Suche: Kein Vergleich zu Technorati
  • Instant Messaing: Google Talk liegt weit abgeschlagen hinter Skype, MSN Messenger, Yahoo, AIM, …
  • Finanzinformationen: Google Finance hat bisher weder Yahoo noch sonst jemandem spürbar User abgenommen
  • Do-it-yourself-Homepages: Google Page Creator ist zu wenig, zu spät
  • Web-Mail: Gmail ist natürlich klar der Favorit der Internet-Elite, aber die Masse macht E-Mail bei Yahoo oder Hotmail
  • RSS: Google Reader bleibt ein Nischenprodukt
  • Classifieds: Google Base ist eine prima Idee, hat aber bisher im Markt nicht wirklich was bewegt
  • Blog-Hosting: Blogger.com war mal führend, wird aber von anderen Konkurrenten immer mehr abgehängt
  • Video: Das Rennen gegen YouTube hat Google Video zumindest für den Moment verloren

…und die Liste liesse sich noch verlängern.

Man könnte den Eindruck kriegen, dass es bei Google die Mentalität “Von Insidern, für Insider” gibt. Man macht Produkte für eine innovationsfreudige Elite und ignoriert den Massenmarkt weitgehend. Diese Denkweise ist auch beispielsweise gewissen Computer-Herstellern nicht ganz fremd, und da sprechen die Marktanteile auch für sich.

Nun sind elitäre Produkte ja nichts Schlechtes. Die ganze Luxusgüterindustrie baut z.B. darauf auf, gerade eben nicht den Massenmarkt anzusprechen. Aber das funktioniert nur dann, wenn man von den wenigen Käufern sehr viel höhere Preise kassieren kann.

Und genau da zeigt sich das potentiell riesige Problem für Google: Man verdient bisher das Geld mit Werbung, und praktisch nur mit Werbung. Auch wenn AdWords raffinierter funktionieren als klassische Werberormen, basiert der Erfolg jeder Form von Werbung darauf, dass man eine grosse, weit gefächerte Zielgruppe ansprechen kann. Das ist mit solchen Nischenprodukten offensichtlich nicht möglich. Gebühren kann Google von seinen Benutzern kaum verlangen, denn erstens haben sich selbige jetzt schon daran gewöhnt, dass alles gratis ist, und zweitens verlangt auch die Konkurrenz meistens kein Geld.

So völlig anders als bei Microsoft präsentiert sich also die Situation bei Google nicht: Auch hier ist eine Firma, die ein extrem profitables Marktsegment nach Belieben dominiert, aber es bisher nicht schafft, auch in anderen Feldern ein profitables Geschäft zu entwickeln. Kurzfristig ist das nicht tragisch, aber langfristig kann das sehr gefährlich werden.

Muss Google sich möglicherweise irgendwann doch noch in die Niederungen des Massenmarktes hinunterbegeben, wo “Beta” kein aufregendes Label für Innovation ist, sondern ein Grund für Verunsicherung? Muss Google irgendwann die legendär leere Homepage mit ein paar Hinweisen auf andere Google-Produkte vollkleistern, wie Yahoo das schon lange mit Erfolg tut? Oder muss Google gar dereinst damit anfangen, neue Kunden mit — gasp — klassischer Werbung für sich zu gewinnen?

 
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