Neue Umfrage:
Nutzung von Newsmedien in den USA
Das Pew Research Center gehört wohl zu den besten Quellen für Daten über Mediennutzung. Auch die neuste Umfrage des Centers über die Nutzung von Newsmedien in den USA enthält wieder ein paar interessante Aussagen.
Wenig überraschend ist, dass sich die Mediennutzung weiter ändert. Die grossen Verlierer bei den Nachrichtenkanälen sind hierbei die nationalen Fernsehnachrichten, deren Zuschauerschaft sich in den letzten 13 Jahren mehr als halbiert hat auf heute 28% regelmässige Nutzer. Auch die Zeitungen und das Radio sind ordentlich unter die Räder gekommen, wenn auch etwas weniger als das Fernsehen. Aber immerhin, nur noch 40% der Amerikaner lesen regelmässig eine Zeitung, 1994 waren es noch 58%.
Grosser Gewinner ist — wenig überraschend — das Internet, das 31% der Amerikaner mehr als dreimal die Woche für Newskonsum benutzen. Interessant sind hierbei die Nutzungsmuster: Das Web dient vor allem als Update-Kanal für ein schnelles Checken der aktuellen Schlagzeilen, nicht so sehr für Hintergrundsberichterstattung.
Schlechte Nachrichten sind das für die Zeitungswebsites, die sich gerade mit ausführlichen Berichten zu differenzieren versuchen. Die meisten User suchen lieber “schnelle” Newssites wie Yahoo, CNN oder MSNBC auf. Immerhin: Bei der jüngsten Zielgruppe (18-29) besuchen von den total (nur) 29%, die überhaupt ein Zeitungsprodukt online oder auf Papier konsultieren, immerhin ein Drittel die Website. Zeitungssites helfen also wenigstens ansatzweise, die jungen Zielgruppen zu erschliessen.
Das alte Vorurteil (das gerade in Verlegerkreisen gern mit etwas panischem Unterton häufig wiederholt wird), dass junge Leute das Internet benutzen und alte die Zeitung, stimmt allerdings nicht mehr. Die Altersgruppen im Online-Bereich gleichen sich immer mehr denjenigen in den anderen Newsmedien an: Fleissigste News-Konsumenten generell sind die 40-60jährigen, und auch im Web erfolgt das Wachstum primär in den mittleren Alterskategorien. Die jüngeren Konsumenten interessieren sich häufig nur wenig oder überhaupt nicht für aktuelle Berichterstattung, egal über welchen Kanal.
Einen deutlichen Vorsprung haben die jüngeren Leser/innen nur bei einem ganz neuen News-Medium: Dem Mobiltelefon. Immerhin 13% der 18-29jährigen konsumieren Nachrichten über ein Mobilgerät. In anderen Ländern dürfte diese Quote vermutlich noch ausgeprägter sein. Aus Japan weiss man beispielsweise, dass die jüngste Zielgruppe das Handy, die mittlere das Internet und die älteste die Zeitung für den Nachrichtenkonsum bevorzugt.
Klare Vorteile hat die Zeitung dem Internet gegenüber noch bei der eigentlichen Nutzungsform: 57% der Zeitungsleser beschreiben das Lesen eines Papier-Produktes als “relaxing”, während das beim Web nur 33% so empfinden. Die Hälfte der Zeitungsleser schätzt auch ganz generell die physischen Eigenschaften der gedruckten Zeitung, während beim Internet vor allem die Aktualität und Zugänglichkeit (im Büro vermutlich) gelobt wird.
Inhaltlich suchen die Leser in der Zeitung primär lokale News, während im Web die Wirtschaftsnachrichten und “Breaking News” im Vordergrund stehen. Das Fernsehen erhält die besten Noten für die politische Berichterstattung.
Auch wenn diese Umfrage natürlich nur ein Schnappschuss ist, zeigt sie doch einige interessante Trends auf: Ganz offensichtlich gleicht sich die Internet-Nutzung immer mehr dem demographischen Durchschnitt an. Das Web ist kein vollständiger Ersatz für ein anderes Medium, sondern wird von den Konsumenten für das geschätzt, was seine spezifischen Vorteile sind: Aktualität, ständige Verfügbarkeit und (schon deutlich weniger ausgeprägt) multimediale Features. Da aber die Nutzung von aktuellen Medien insgesamt nicht wesentlich gestiegen ist, nimmt das Internet den klassischen Medien trotzdem signifikant Marktanteile ab. Wenn man dieser Studie aber glauben darf, wird sich die Entwicklung in der nächsten Zeit weiter stabilisieren. Mit anderen Worten: Das Web hat seinen Platz in der Medienlandschaft gefunden, vorerst zumindest.











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