Was Web 2.0 mit japanischen Erfindungen zu tun hat
Als ich gestern mal wieder eine lange Liste neuer Web-2.0-Startups durchgegangen bin, musste ich spontan an ein Buch denken, das ich vor Jahren mal geschenkt gekriegt habe: “101 (Un)useless Japanese Inventions“. Darin werden so wunderbare japanische Erfindungen wie der Vollkörper-Regenschirm, Butter als Roll-On-Stick, die Pendler-Nickerchen-Kinnstütze oder die Augentropfen-Trichter-Brille gezeigt.
Alle diese schönen Dinge lösen tatsächlich richtige Alltagsprobleme.
Nur tun sie das in wenig praxistauglicher Weise: Man muss meistens ein zusätzliches Gerät mit sich herumtragen, das oft sperrig, kompliziert zu bedienen oder schlicht und ergreifend ziemlich lächerlich ist. Mit anderen Worten: Der Aufwand für den Einsatz dieser Erfindungen ist so gross, dass man lieber weiterhin mit dem Problem lebt.
Manche Web-2.0-Ideen kommen mir vor wie diese japanischen Erfindungen: Da gibt es Social-Network-Aggregatoren, OPML-Sharing-Dienste, spezialisierte Vertical Search Engines für jedes noch so kleine Thema oder einen Mobile-Service für semi-anonymes Dating.
Jawohl, alle diese Dienste lösen ein Problem und könnten irgendwie auch nützlich sein. Nur gibt es bei den meisten zwei grosse Schwierigkeiten: Erstens ist — in Relation zur begrenzten Nützlichkeit — der Aufwand für das Erlernen, Konfigurieren und regelmässige Einsetzen zu gross. Und zweitens funktioniert der Dienst nur dann gut, wenn ihn viele andere Leute auch einsetzen, und diese Hürde zu überwinden, ist sehr schwierig.
Es ist schön und richtig, dass es in den Zeiten von Web 2.0 ziemlich einfach geworden ist, ein Startup zu gründen und einen Online-Dienst auf den Markt zu bringen. Nur frage ich mich manchmal, ob die Gründer nicht besser daran täten, sich die Praxistauglichkeit ihrer Idee ein bisschen genauer zu überlegen, bevor sie viel Aufwand darin investieren. Denn vielleicht verpassen sie so eine noch viel bessere Idee, und das wäre schade.
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