Technikfeindlich oder weise? Keine Laptops am MIT.

Mein Studienaufenthalt am MIT hat diese Woche begonnen. Eine der grössten Überraschungen — um nicht zu sagen Schocks — zu Beginn war die Mitteilung, dass die Benutzung von Laptops und jeglicher anderer elektronischer Geräte (inkl. PDAs, Blackberrys, elektronischen Wörterbüchern etc.) in den Vorlesungen strikt verboten ist.

“Wie bitte?!”, denkt man sich da erst. Das MIT ist sonst nicht gerade als ein Hort der Technikfeindlichkeit bekannt, um es mal vorsichtig zu sagen. Schliesslich wurden viele der Konzepte, die modernes Computing überhaupt möglich machen, hier erfunden. Schon in den frühen achtziger Jahren war das MIT mit

wikipedia.org/wiki/Project_Athena”>Project Athena wegweisend bei der Erfindung des modernen Network Computings, und auch heute besitzt die Uni eine der modernsten IT-Infrastrukturen der Welt, natürlich schön aufbauend auf offenen Standards. Die Forschungsinstitute hier gehören zu den weltweit führenden in Computer Science.

Und da wollen die im Ernst, dass ich meine Notizen auf Papier mache statt auf meinem prima Tablet-PC? Kein Liveblogging in der Vorlesung? Nicht mal ein bisschen Instant Messaging?

Ja, genau so ist es gemeint. Natürlich hat hier niemand etwas gegen Technologie, aber sehr wohl gegen ihren falschen Einsatz. Wenn man die Leute in Vorlesungen ihre PCs benutzen lässt, schaltet die Mehrheit in den Multitasking-Modus (was ich auch tatsächlich an anderen Unis ohne Laptop-Verbot beobachten konnte): Die einen lesen E-Mail, die anderen surfen, wieder andere chatten, und zumindest im Moment verfolgen wohl nicht wenige lieber online die Fussball-WM als das, was der Professor zu erzählen hat.

Offensichtlich ist man am MIT zum Schluss gekommen, dass man dem nur begegnen kann, wenn man all die ablenkenden Gadgets schlichtweg aus der Vorlesung verbannt. Die Regel ist einfach: Wer im Vorlesungssaal sitzt, soll bitte vollständig da sein, mit all seinen Hirnzellen. Nur dann kann man wirklich aufmerksam sein und unvermindert mitdenken. Wenn man wirklich andere Prioritäten hat, soll man bitte einfach gar nicht erst zur Vorlesung kommen.

Nach einigen Tagen Erfahrung mit diesem Arbeitsstil und etwas Nachdenken bin ich zum Schluss gekommen, dass dieses Prinzip vermutlich ziemlich schlau ist, auch wenn es in unserer heutigen kommunikationsüberladenen Welt schon fast rührend altmodisch wirkt. Es ist tatsächlich irgendwie befreiend, dass man mal zwei Stunden am Stück sich einfach nur auf ein Thema konzentrieren kann (muss), ohne ständig vom Informationsrauschen der Aussenwelt abgelenkt zu werden. Vielleicht wäre das auch in der Geschäftswelt gelegentlich mal angebracht.

Ein Problem bleibt aber ungelöst: Ich persönlich finde Papiernotizen weiterhin recht unpraktisch, nicht zum Anfertigen, sondern in der späteren Verwaltung. Eigentlich hätte ich das ganze Material lieber immer in elektronischer Form dabei — genau das ist der vermutlich grösste Vorteil von Tablet-PCs. Eine richtig gute Alternativlösung dafür scheint es bis jetzt aber nicht zu geben, all die elektronischen Stifte und dergleichen haben es bisher noch nicht über den Nutzwert von netten Spielzeugen hinaus geschafft.

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