Windows und die Wunder der mobilen Datenkommunikation
Wie kürzlich schon beschrieben, bin ich derzeit viel unterwegs und meistens nicht im Besitz einer festen Breitband-Infrastruktur. Zumindest innerhalb der Schweiz müsste einen das eigentlich nicht mehr gross stören, da Swisscom Mobile und auch in ähnlicher Form die anderen Mobilfunkprovider Sunrise und Orange inzwischen Gerätschaften und Preismodelle anbieten, mit denen man fast unbegrenzt mobil (Daten-)kommunizieren kann.
Bei Swisscom gibt es beispielsweise das Angebot “Mobile Unlimited”, das so heisst, obwohl es eigentlich gar nicht unlimitiert ist. Damit kann man mit irgendeinem der mobilen Swisscom-Datennetze (GPRS, EDGE, UMTS, Public WLAN) Daten übertragen, und zwar für 80 CHF bis zu 1 GB pro Monat. Das sind also durchschnittlich 34 MB pro Tag, ausreichend für die üblichen Kommunikationsanwendungen, aber nicht gerade viel, wenn man z.
B. Internet-Videos sehen will oder Podcasts abonniert hat. Über 1 GB hinaus kostet jedes weiter MB 50 Rappen, was immer noch leicht günstiger ist als der sonstige Tarif von CHF 10 pro MB…
Diese Tarifoption kann man übrigens zu mehr oder weniger jedem Swisscom-Abo hinzuschalten lassen, man braucht sich nicht die entsprechende Datenkarte zu kaufen (ist noch nicht überall bei Swisscom bekannt, im Swisscom-Shop wusste erst die vierte gefragte Person Bescheid). Ich benutze meistens eine EDGE-Verbindung via mein Qtek 9100. Die ist recht schnell und funktioniert im Gegensatz zu UMTS überall.
Durch die doch irgendwo begrenzte Datenmenge will man also auf seinem PC schon etwas aktiver als sonst managen, was denn da mengenmässig über die Leitung geht. Und erst da merkt man auf ärgerliche Weise so richtig, was so ein normaler Windows-PC die ganze Zeit im Hintergrund alles anstellt.
Windows kann nämlich bisher nicht unterscheiden (und die meisten Applikationen schon gar nicht), welcher Natur eine Datenverbindung ist. Ob man da an der unbegrenzten DSL-Leitung oder am Mobil-Modem mit teurem Datentarif hängt, ist Windows von Herzen egal. Fröhlich lädt es irgendwelche Betriebssystem-Updates runter, die nicht nur die knappe Bandbreite belasten, sondern unter Umständen am Schluss auch noch viel kosten. Dito der Virenkiller und inzwischen auch Firefox, das sich auch ungefragt aktualisiert. Toll, wenn man eine Standleitung hat, aber unmöglich unterwegs.
Und genauso verhalten sich viele weitere Applikationen, die im Hintergrund irgendwelchen Unfug anstellen: Google Talk, Skype, Windows Messenger, Google Desktop, Foldershare, die Java VM und und und. iTunes starte ich unterwegs schon gar nicht mehr, weil man es erstmal gewaltsam davon abhalten muss, gleich mal gigabyteweise Podcasts und Softwareupdates runterzuladen.
Besonders doof verhält sich Outlook, das bei häufig abbrechenden Verbindungen (was im Mobilbereich immer noch die Realität ist heutzutage) regelmässig in Panik verfällt, wenn es gerade mal einen IMAP-Server nicht mehr sieht und dann willkürlich irgendwas an sich selbst umkonfiguriert. Auch rekordverdächtig dämlich ist die Kalender-Synchronisiersoftware Trumba, die bei nicht vorhandener Netzverbindung immer meldet, dass das Passwort nicht stimmt. Da fragt man sich: bewegen sich die Erschaffer dieses Programms jemals ausserhalb ihres Büros?
Ja, ich weiss sehr wohl , dass man das alles im Prinzip wegkonfigurieren kann. Aber wenn man unter Umständen mehrfach pro Tag unterschiedliche Datenverbindungen (Broadband-Festleitung, WLAN, EDGE) wechselweise benutzt, ist das so gut wie unmöglich. Sinnvollerweise sollte sich jede Anwendung abhängig von der Art der gerade bestehenden Verbindung unterschiedlich verhalten, aber die meisten Anwendungen merken ja nicht mal den Unterschied zwischen “Netzwerk abgestürzt” und “User gerade mobil unterwegs”.
Ich hoffe nur, dass Microsoft in der nächsten Windows-Version auch dieses Thema mal in brauchbarer Form angeht und nicht nur 38 neue Varianten einbaut, wie man grafisch aufregend zwischen zwei Applikationen umschalten kann…
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