Telecoms in den USA:
Willkommen in Absurdistan

Andreas Göldi, 31. Mai 2006 um 15.26 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Mein derzeitiger längerer USA-Aufenthalt bringt es mit sich, dass ich mich hier natürlich auch telekommunikativ angemessen ausstatten muss. Als naiver Europäer denkt man ja immer, dass die USA so unglaublich weit sind mit Telekommunikation, und dass insbesondere der Level an Service unendlich viel höher liegen muss als im immer noch von ehemaligen Staatskonzernen dominierten “Old Europe”.

Weit gefehlt.

Erster Schritt: Infrastruktur für zu Hause bestellen. Da es hier schon lange die totale Wahlfreiheit des Telco-Anbieters gibt, ist beim Einzug in eine neue Wohnung zunächst mal gar nix installiert. Welchen Anbieter man auch immer auswählt: erstmal muss der die Verkabelung mehr oder weniger frisch legen, was natürlich dauert. Darum muss man einen Installations-Termin vereinbaren, und natürlich ist dann der frühestmögliche Termin in bestenfalls eineinhalb oder zwei Wochen.

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Kurz was in eigener Sache

Andreas Göldi, 31. Mai 2006 um 15.26 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Da ich in letzter Zeit immer wieder gefragt werde, was ich denn jetzt genau mache und wo ich mich befinde (worüber ich ehrlich gesagt auch gelegentlich den Überblick verliere), hier eine Zusammenfassung für die Interessierten:

Seit Dezember 2005 befinde ich mich in einem Sabbatical. 10 Jahre hektische Internet-Branche am Stück sind genug, habe ich mir gesagt, und da ist es mal Zeit für eine Kreativpause. Die letzten Monate habe ich darum mit Reisen, viel Bloggen und einigen anderen Projekten verbracht. Jetzt wird es aber wieder Zeit für eine etwas konzentriertere Tätigkeit.

Nächste Woche werde ich darum am MIT in Boston (bzw. Cambridge, MA) ein einjähriges Studienprogramm beginnen, das “Sloan Fellows Program in Innovation and Global Leadership” (» weiterlesen

Bloggen auf hoher See

Andreas Göldi, 18. Mai 2006 um 12.51 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

In meiner Versuchsreihe “Orte, an denen Bloggen wirklich mühsam ist” gehe ich nun einen Schritt weiter über Bahnhöfe, Flughäfen und internetmässig unterversorgte Hotels zu einem für Blogging tatsächlich eher ungewöhnlichen Aufenthaltsort: Ich befinde mich gerade auf der Queen Mary 2 auf einer Atlantik-Überfahrt zwischen Southampton und New York. Aktuelle Position ist ca. 150 Seemeilen südwestlich von Grossbritannien. Das Wetter ist ziemlich abwechslungsreich, die Wellen werden zunehmend höher (im Moment etwa 5 Meter), Windgeschwindigkeit ca. 50 Knoten, also nicht gerade gemütlich für Planschen im Bordpool.

Und: Die Internet-Connectivity ist prima. Worüber ich ziemlich froh bin, denn das Unterhaltungsprogramm hier ist mehrheitlich dem Durchschnittsalter der Passagiere (deutlich im Pensionierungsalter) angepasst. Und irgendwas muss man die sieben Tage lang, die die Überfahrt dauert, ja machen.

Die Connectivity wird geliefert von der Firma MTN (Maritime Telecommunications Network), die auf satellitenbasierte Kommunikation in solchen eher ungewöhnlichen Lokationen spezialisiert ist. An Bord stehen ein paar Dutzend internetfähige PCs zur Verfügung sowie WLANs auf verschiedenen Decks, mit denen man ebenfalls auf die Schiffs-Internetanbindung zugreifen kann.

Billig ist der Spass natürlich nicht: Für ein Package mit 120 Minuten Connectivity wird man US-$ 50 los. Andererseits: Das ist nicht mal sooo viel teurer als die typischen WLAN-Angebote an Bahnhöfen oder im Starbucks. Und hier scheint mir die infrastrukturelle Challenge doch etwas grösser zu sein. Zum Beispiel braucht man eine wetterfeste, automatisch stabilisierte Satellitenantenne. Schick!

Die genauen Leistungsdaten der Satellitenverbindung konnte ich noch nicht rausfinden, aber die subjektive Geschwindigkeit ist ziemlich beeindruckend. MTN bietet auch tatsächlich Anbindungen bis 18 Mb/s Downlink an, was für den Hausgebrauch nun auch wirklich reicht. Ein Traceroute zeigte freilich, dass die Latency satellitentypisch ziemlich gross ist, mit Skype und ähnlichen Diensten kommt man also nicht allzu weit. Aber zum Surfen und gelegentlichen Bloggen reicht’s allemal.

WSJ:
Die News-Site der Zukunft

Andreas Göldi, 12. Mai 2006 um 8.38 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Das Wall Street Journal Online, vermutlich die erfolgreichste Abo-Site der Welt, feiert sein zehnjähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass hat das WSJ seine Leser befragt, was sie sich denn von einer News-Site wünschen und wovon sie hoffen, dass es in weiteren zehn Jahren realisiert sein wird.

Die resultierende Liste ist nicht extrem überraschend, aber doch noch interessant:

  • Gefilterte News: Die Leser wollen bestimmen können, welche Themen sie interessieren, und dann nur dazu Informationen in einem vernünftigen Umang erhalten.
  • Mobilität: Die WSJ-Leser möchten auf die News-Inhalte gern unterwegs zugreifen können, und zwar mit Geräten, die grössere Bildschirme bieten als die heutigen PDAs
  • Weniger Werbung: Die businessorientierten Leser des WSJ würden offenbar lieber mehr für kostenpflichtige Abos zahlen, als ständig Werbeeinblendungen ertragen zu müssen.
  • User-Beteiligung: “Editors will be a thing of the past”, meint ein Leser. Stattdessen sollen die User darüber abstimmen, welche Meldungen wichtig sind, und die Themengewichtung soll ganz allgemein mehr durch die Leser bestimmt werden als durch die Redaktion.
  • Mehr Details: Bei interessanten Stories wollen die Leser auf mehr Details zugreifen können, als in der üblichen News-Meldung enthalten sind.
  • Multimedia: Video- und Audio-Content sollte in zehn Jahren selbstverständlicher Teil der Berichterstattung sein, finden die WSJ-Leser.

Erstaunlich an dieser Liste ist, dass die meisten Punkte faktisch heute schon möglich sind, wenn man einen RSS-Reader, ein paar gute Social-Software-Dienste, einen zeitgemässen Mini-PC und etwas mobile Datenkommunikation verwendet. Für den normalen Zeitungsleser dürften die meisten Punkte noch nach Science-Fiction klingen, aber wenn ich mir mal meinen eigenen Medienkonsum anschaue, ist der strukturell nicht mehr weit von dieser Zukunftsvision entfernt. Ist zwar alles noch etwas umständlich, aber eigentlich machbar. Da gilt wieder mal William Gibsons alter Spruch: “The future is already here, it’s just not very evenly distributed”.

Windows und die Wunder der mobilen Datenkommunikation

Andreas Göldi, 9. Mai 2006 um 20.49 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Wie kürzlich schon beschrieben, bin ich derzeit viel unterwegs und meistens nicht im Besitz einer festen Breitband-Infrastruktur. Zumindest innerhalb der Schweiz müsste einen das eigentlich nicht mehr gross stören, da Swisscom Mobile und auch in ähnlicher Form die anderen Mobilfunkprovider Sunrise und Orange inzwischen Gerätschaften und Preismodelle anbieten, mit denen man fast unbegrenzt mobil (Daten-)kommunizieren kann.

Bei Swisscom gibt es beispielsweise das Angebot “Mobile Unlimited”, das so heisst, obwohl es eigentlich gar nicht unlimitiert ist. Damit kann man mit irgendeinem der mobilen Swisscom-Datennetze (GPRS, EDGE, UMTS, Public WLAN) Daten übertragen, und zwar für 80 CHF bis zu 1 GB pro Monat. Das sind also durchschnittlich 34 MB pro Tag, ausreichend für die üblichen Kommunikationsanwendungen, aber nicht gerade viel, wenn man z.

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Web 2.0 und die Ökonomie der Aufmerksamkeit

Andreas Göldi, 8. Mai 2006 um 12.35 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Die Internet-Koryphäen Esther Dyson und Vint Cerf diskutieren im Wall Street Journal die Zukunft des Internets und dabei besonders das Thema “Ökonomie der Aufmerksamkeit”, und einige Top-Blogger reagieren fleissig darauf (Carr, Keen, Karp). Das Thema wird schon seit einiger Zeit zunehmend heisser: Einige Startups versuchen sogar schon, Aufmerksamkeit als handelbare Ware zu verpacken.

Neu ist die Idee der Aufmerksamkeits-Ökonomie beileibe nicht. Der Pionier dieses Konzeptes, zumindest in seiner Anwendung auf das Internet, ist vermutlich Michael Goldhaber, der schon 1997 darüber publizierte und Grundlagenarbeiten dazu schon in den achtziger Jahren machte. Ich persönlich interessiere mich auch schon länger für das Thema und hatte unter anderem vor einigen Jahren das Vergnügen, an einem bekannten Management-Symposium darüber zu referieren. Die an den Vortrag anschliessende Diskussion war etwas frustierend: In Ermangelung konkreter Beispiele (und vor allem solcher ausserhalb des IT-Bereichs) fiel es mir recht schwer, das Besondere dieser Idee herauszuarbeiten. Bei vielen Teilnehmern blieb wohl der Eindruck zurück, dass “Aufmerksamkeits-Ökonomie” nur ein anderer Name für Werbung ist.

Nichts könnte falscher sein, auch wenn die thematische Nähe zur Werbung natürlich gegeben ist. Immer dann, wenn darüber geredet wird, wie man Aufmerksamkeit “monetizen” kann, landet man natürlich bei diversen Werbeformen, nicht zuletzt bei neuartigen wie Google Adwords. Google ist sicher auch das kommerziell erfolgreichste Beispiel dafür, wie man Aufmerksamkeit in (viel) Geld umwandeln kann.

Aber der entscheidende Punkt an der Aufmerksamkeits-Ökonomie ist eben genau, dass Aufmerksamkeit ein ökonomischer Wert jenseits der monetären Umsetzung sein kann und bereits ist. Mit anderen Worten: Menschen tun Dinge, weil sie Aufmerksamkeit von anderen Menschen erhalten wollen und das als Wert für sich sehen — nicht, weil sie damit Geld verdienen wollen. Für einen betriebswirtschaftlich gebildeten Menschen klingt das zunächst merkwürdig und etwas naiv. Aber dank Web 2.0 gibt es plötzlich sehr viele Beispiele dafür, dass solches Verhalten tatsächlich massenweise existiert.

Blogging ist vermutlich das schönste Beispiel: Die allermeisten Blogger werden nie Geld mit ihrem Blog verdienen und auch sonst keinen direkt messbaren wirtschaftlichen Vorteil erlangen. Die meisten Blogs haben nicht mal viele Leser: Die durchschnittliche Leserzahl auf der Blogging-Plattform Livejournal beträgt beispielsweise sieben. Aber die gelegentliche Aufmerksamkeit von durchschnittlich sieben Personen ist für Millionen Menschen offenbar wertvoll genug, um den Aufwand für das Schreiben eines eigenen Blogs zu betreiben. Ganz ähnlich verhält es sich mit Social-Networking-Plattformen à la meinbild.ch, mypace.com, oder — im Business-Bereich — OpenBC.

Ist das nun alles digitaler Narzissmus, der so schnell wieder verschwinden wird, wie er aufgetaucht ist? Wohl kaum. Man muss nur mal wieder die gute alte Maslow’sche Bedürfnispyramide ausgraben, um zu sehen, was der psychologische Hintergrund ist: Menschen wollen, wenn ihre materiellen Bedürfnisse gesichert sind, vor allem soziale Anerkennung erreichen und sich selbst verwirklichen (was mit Feedback von anderen ebenfalls mehr Spass macht). In einer wohlhabenden Gesellschaft wie der westlichen werden solche Bedürfnisse also relativ gesehen immer wichtiger. Und genau diesem Trend kommt Web 2.0 sehr entgegen.

Beispiele ausserhalb des Internets gibt es auch genug: Warum lassen sich Leute vor laufenden Kameras in einen Container einsperren? Weil sie wahrgenommen werden wollen. Warum wollen Top-Manager immer noch mehr verdienen? Sicher nicht, damit sie sich endlich ihre vierte Jacht kaufen können, sondern weil sie ihre soziale Stellung auf diesem Weg zum Ausdruck bringen können. Die aktuelle kritische Diskussion über Managerlöhne ist für die Betroffenen vermutlich (heimlich) das Schönste, was ihnen passieren kann: Endlich sehen alle, wie toll sie sind und dass sie sich nehmen können, was sie wollen.

Aber zurück von diesen Extrembeispielen zum Web: Ganz offensichtlich ist das Internet ein wesentliches Vehikel zur Förderung der Aufmerksamkeitsökonomie, weil es den Austausch von Aufmerksamkeit sehr effizient macht (genau so, wie das Banksystem den Austausch von Finanzen ermöglicht).

Die Frage bleibt natürlich, was die Mechanismen der Aufmerksamkeits-Ökonomie für die Zukunft des Internet bedeuten und was ihr Verhältnis zur althergebrachten Finanzökonomie sein wird. Dazu gibt es nun schon verschiedenste Prognosen, nicht zuletzt auch viele pessimistische.

Ich würde mal folgende Dinge vermuten:

  • Internet-basierte Aufmerksamkeit wird für viele Leute (nicht notwendigerweise die Mehrheit) zunehmend stärker zu einem eigenständigen ökonomischen Wert in Ergänzung zu monetären Werten. Leute, denen es materiell schon gut geht, können ihr Wohlbefinden durch Aufmerksamkeit anderer weiter steigern und tun das z.B. mit Blogging, Social Networking usw.
  • Die Bedeutung ist allerdings stark von der Entwicklung der Finanzwirtschaft abhängig: Wenn es den Leuten gut geht, ist Aufmerksamkeit besonders gesucht; bei wirtschaftlichen Engpässen relativiert sich das aber schnell. Darum ist Aufmerksamkeit ein Gut von sehr volatilem Wert.
  • Die Aufmerksamkeitsökonomie ist eine Ergänzung zur Finanzokönomie, tritt aber zu dieser auch stellenweise in Konkurrenz. Dies sowohl auf der Ebene des Individuums (schreibe ich jetzt noch einen Blog-Eintrag, oder arbeite ich lieber noch eine Stunde?) wie auch auf der Ebene von Unternehmen, die sich die Frage nach der wirtschaftlichen Nutzbarkeit dieser Tendenzen stellen werden.
  • Genau diese “Monetization” wird zu einem wesentlichen Problem für die Medienbranche werden, denn bisher waren Medien gut darin, mit interessanten Inhalten Aufmerksamkeit zu kanalisieren und daran zu verdienen (mit Werbung). Wenn nun durch das Internet plötzlich Aufmerksamkeit ohne Mittler effizient fliessen kann und sich die Konsumenten dadurch auch über den Wert ihrer Aufmerksamkeit bewusster werden, wird eine Kommerzialisierung erheblich schwieriger.Konsumenten produzieren nämlich immer mehr Inhalt selbst, weil sie damit eben Aufmerksamkeit erhalten wollen, und diese Inhalte treten in sehr direkte Konkurrenz zu den “professionell” produzierten Inhalten der Medienkonzerne. Dass der Amateur-Content in vielen Fällen “schlechter” ist als der Profi-Content, ist hierbei komplett irrelevant, denn er wird nicht aus den gleichen Motiven produziert und konsumiert. Entscheidend für die Kommerzialisierung ist nur, wie die Leute ihr Zeitbudget für Medien verwenden, und das tun sie eben zusehends für nicht professionell produzierte Inhalte. Es findet ein Austausch von Aufmerksamkeit zwischen Gleichgestellten statt: Die fleissigsten Blog-Leser sind meistens selber Blogger.
  • Die Toleranz dafür, die dazu nötigen technischen Plattformen werberisch zu nutzen (wie das Myspace und andere gern tun wollen), wird ziemlich gering sein. Die User benutzen Social-Networking-Plattformen ja gerade deshalb, weil sie sozusagen Aufmerksamkeit “handeln” bzw. austauschen wollen. Eine platte Werbeeinblendung ist in diesem Umfeld sozusagen ein Aufmerksamkeitsdieb, weil sie der Transaktion keinen Nutzen beisteuert, und Diebe werden auf Marktplätzen meistens nicht lang geduldet. Darum achtet z.B. Google auch so sehr darauf, seine Adword-Einblendungen nach Relevanz statt nur finanziellen Kriterien zu selektieren.

Oder zusammengefasst: Ich glaube, dass Rupert Murdoch seinen Kaufpreis von $560 Mio. für Myspace.com noch bereuen wird. Es wird sehr, sehr schwer sein, einen solchen “Aufmerksamkeitsmarkt” so zu kommerzialisieren, dass sich eine solche Bewertung rechtfertigen lässt.

Tresor-Humor

Andreas Göldi, 8. Mai 2006 um 9.34 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Heute an der Bahnhofstrasse in Zürich: Ich möchte bei einer bekannten Schweizer Bank ein paar Wertsachen im Tresor einschliessen lassen, in Hinblick auf einen bevorstehenden Auslandsaufenthalt.

Kurze Wartezeit. Aus dem Lautsprecher plätschert typische Fahrstuhl-Musik Da plötzlich wechselt die Musik zu einem neuen Titel mit einer sehr bekannten Melodie.

Ist das nicht…?!…genau: Die Titelmusik aus dem Mafia-Film “Der Pate”. Don Corleone und seine Söhne; abgeschnittene Pferdeköpfe; Angebote, die man nicht ablehnen kann. Und das als Soundtrack im Hauptsitz einer Schweizer Bank?

Man fragt sich, wie es dazu wohl gekommen ist. Versteckte Kundenwerbung kann es ja wohl nicht sein. Entweder hatte da jemand wirklich Humor, oder man hat einfach (was wahrscheinlicher ist) irgendein fertiges Tape eingekauft, ohne sich gross um den Inhalt zu kümmern.

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Live von der Baustelle der neuen Schweizer Abendzeitung

Andreas Göldi, 6. Mai 2006 um 16.22 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Hoppla, der Ringier-Verlag gibt ja ordentlich Gas, was Bloggen angeht: Nachdem schon der Blick mit der ziemlich cleveren Initiative “Blogstetten” positiv auffiel und der Wirtschaftstitel Cash eine ganze Reihe guter Blogs produziert, kann man jetzt den Gründungsprozess der neuen Gratis-Abendzeitung “Heute” live im Chefredakteurs-Blog von Bernhard Weissberg verfolgen. Charmant geschrieben und interessant gestaltet. So sollte es sein, das Bloggen von Journalisten.

Dabei kommen auch Tatsachen rüber, die wohl kaum ihren Weg in eine offizielle Pressemitteilung finden würden: Beispielsweise, dass die Redaktion gerade mal 13 Tage vor der Blatt-Premiere erstmals ihre Redaktionsräume bezogen hat.

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Zeitungen als Informationsfilter:
Ist weniger wirklich mehr?

Andreas Göldi, 6. Mai 2006 um 15.42 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Man könnte langsam den Eindruck kriegen, dass sich das “Magazin” des Tagesanzeigers als Ludditen-Fachblatt positionieren will. Kürzlich gab es schon den vieldiskutierten Internet-Artikel von Guido Mingels, und in der neusten Ausgabe jubelt Edgar Schuler: “Die Zeitung lebt” (Da online natürlich nicht erhältlich: Scan beim namics Blog).

Die Internet-Gurus kapieren nämlich gar nichts, schreibt Schuler. Wenn Vinton Cerf der gedruckten Zeitung ihren “systembedingt” beschränkten Platz für Informationen vorwirft, verkennt er genau die grösste Leistung der Zeitung, so Schuler: Ein kompaktes, überschaubares Informationspaket anzubieten, eine Insel im Ozean der Informationsüberflutung. Nach ein bisschen Journalisten-Selbsttröstung schreibt Schuler dann schliesslich noch was über “blökende Blogger”, und das war’s dann wieder mit einem weiteren etwas polemischen Beitrag zum Streit Old vs. New Media.

Wie immer bei weltanschaulichen Differenzen wird diese Diskussion natürlich von beiden Seiten nicht unbedingt besonders rational geführt. Sehr interessant finde ich in diesem Zusammenhang übrigens den Vorschlag von Andrew Keen, den alten politischen Streit zwischen Links und Rechts durch “Digital vs. Analog” zu ersetzen. Aber das nur am Rande.

Bemühen wir statt Polemik doch zur Abwechslung mal die Wissenschaft: Beide Seiten (Zeitungsleute und Internet-Gurus bzw. Blogger) behaupten, ihren jeweiligen Lesern Information auf optiomale Weise anzubieten. Die einen setzen auf kompetente Filterung durch Journalisten und damit Reduktion auf das Wesentliche, die anderen auf praktisch unbegrenzte Auswahl und eigenverantwortliche Selektion durch den Leser.

Wenden wir darauf doch mal die ganz klassische Informationstheorie von Shannon an (die man dafür zugegebenermassen etwas strapazieren muss): Dieser zufolge ist eine Information dann am nützlichsten, wenn sie den richtigen Neuigkeitsgehalt aufweist. Wenn ich z.B. eine Vorlesung über fortgeschrittene Quantenphysik auf Suaheli höre, ist das zwar inhaltlich und formell alles neue Information für mich, aber ich kann damit nichts anfangen, weil ich nirgends anknüpfen kann. Umgekehrt ist eine mir schon völlig bekannte Information (wenn mir jemand z.B. einen meiner eigenen Blogbeiträge vorliest) ebenso unnütz. Es kommt also darauf an, so viel Neuigkeitsgehalt in einer Information vorzufinden, dass ich daraus neue Erkenntnisse ableiten kann, aber auch so viel Bekanntes, dass ich die neue Information sinnvoll in mein gesamtes Wissen einbetten kann. Das ist auch intuitiv einleuchtend.

Nun könnte man aus der Perspektive der Zeitungsjournalisten argumentieren: Genau diese Leistung vollbringt eine gute Zeitungsredaktion. Sie wählt aus der Menge der täglich eintreffenden Meldungen diejenigen aus, die für die Leser relevant sind und stellt sie in einen Kontext, der das Verständnis erleichtert.

Dieses Argument ist zweifelsfrei richtig, hat aber nichts mit dem eigentlichen Verbreitungsmedium zu tun, sondern nur mit der redaktionellen Leistung, die genauso in anderen Medien stattfinden kann. Man kann daraus noch lange nicht ableiten, dass der begrenzte Platz einer Zeitung ein Vorteil ist.

Im Gegenteil: Ebenso einleuchtend vor dem gerade genannten theoretischen Hintergrund ist, dass die Relevanz einer Information hochgradig subjektiv ist. Jedes Individuum misst einer bestimmten Meldung eine andere Signifikanz zu. Das wiederum bestimmt, wie viel man über ein bestimmtes Thema im Detail wissen will. Mich interessiert in der Zeitung beispielsweise der Wirtschaftsteil und die (gelegentlich stattfindende) Technologieecke am meisten, während mir der Sportteil meistens herzlich egal ist. Darum hätte ich gern mehr Wirtschaftsteil und weniger Sport. Bei anderen mag es genau umgekehrt sein. Der begrenzte Platz einer Zeitung und die gewählte Themenmischung ist darum ein Kompromiss, der für niemanden wirklich optimal ist.

Und genau da spielt das Internet auf zwei Ebenen seinen Vorteil als Informationsmedium aus: Erstens habe ich die Gelegenheit, zu fast jedem mich interessierenden Thema weitere, vertiefende Information zu finden (per Link oder per Suchmaschine). Zweitens kann ich mir aus einem riesigen Angebot an Quellen zu sehr geringen Kosten diejenigen “Publikationen” aussuchen, die ich regelmässig verfolgen will. Das Instrument der Stunde hierfür ist natürlich der RSS-Reader.

Das Internet als quasi unbegrenztes Informationsmedium hat also den Vorteil, potentiell eine viel grössere Relevanz für das Individuum erreichen zu können als ein “begrenztes” Medium wie die Zeitung (und erst recht das Fernsehen). Nur, und das ist der Knackpunkt: Damit sind auch Kosten verbunden — meistens nicht im finanziellen Sinn, sondern in Form von Zeit, die der User aufwenden muss, und von Know-How, das man sich zur sinnvollen Nutzung dieses komplexeren Mediums zuerst erwerben muss.

Oder um es etwas zugespitzt zu formulieren: Die Zeitung ist das begrenztere, “einfachere”, dafür auch (im Sinn von Leser-Aufwand) “billigere” Medium. Das Internet ist reichhaltiger, potentiell relevanter, aber erfordert im Umgang auch mehr Aufwand und Medienkompetenz.

Das erklärt auch problemlos die von Schuler angeführten Erfolgsbeispiele aus dem Print-Bereich: Natürlich ist eine Pendlerzeitung wie “20 Minuten” erfolgreich, weil sie eine zeitliche Lücke im Tagesablauf der meisten Pendler ausfüllt, in der den meisten Leuten nicht der Sinn nach tiefschürfender Hintergrundinformation und aktiver Informationssuche steht. Das Internet kann diese Lücke schon aus rein praktischen Gründen — z.B. begrenzte mobile Connectivity, ungeeignete Endgeräte — (noch) nicht füllen.

Klar ist also, dass auch weiterhin Zeitung und Internet koexistieren werden. Nur wird leider der Bereich, der von der Zeitung erfolgreich abgedeckt wird, zunehmend kleiner. Und das hat die unschöne Konsequenz (worauf auch Jürg Stuker hinweist), dass die Businessmodelle zunehmend in Schieflage geraten.

Das Internet entwickelt sich nämlich immer mehr zum Superset anderer Medienformen, das viele der Funktionen anderer Medien abdecken kann. News statt in der Zeitung online zu lesen war der erste Schritt, im Moment erleben wir gerade die grosse Online-Video-Welle, und die Blog-Revolution hat erst gerade richtig angefangen. Das alles wird dazu führen, dass wir den Umgang mit dem Medium Internet auf absehbare Zeit immer wieder neu erlernen müssen.

Für die einen mag das lohnend sein, andere mögen sich dem verweigern und nur noch Zeitung lesen, weil da alles so schön vorgefiltert ist. Hauptsache aber ist: Wir als Konsumenten haben die Wahl. Und das schmeckt auf der Seite der Medienschaffenden nicht jedem.

Feldforschung:
Internet-Zugang auf Reisen

Andreas Göldi, 6. Mai 2006 um 13.55 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

In der letzten Zeit bin ich ziemlich intensiv herumgereist und hatte das Vergnügen, in den letzten drei Monaten in knapp drei Dutzend Hotels in Indien, USA, Marokko, Italien, Deutschland und der Schweiz unterzukommen. Logischerweise verspürte ich auch auf Reisen das Bedürfnis, mich regelmässig mit dem Internet zu verbinden. Am liebsten natürlich breitbandig.

Man denkt ja, dass Internet-Zugang inzwischen etwas beinahe Selbstverständliches sein sollte, gerade auch in etwas netteren (und nicht billigen) Hotels. Die Realität sieht freilich anders aus. Man braucht auch heute noch einiges an Leidensbereitschaft und Kreativität, um sich unterwegs vernünftig connecten zu können.

Mit der Zeit entdeckt man gewisse Muster. Ich konnte bisher folgende Hoteltypen hinsichtlich Internet-Verfügbarkeit identifizieren:

1) Die Technophoben: Es gibt immer noch Betriebe (vor allem auf dem Land), für die Internet-Zugang im Hotel ein ziemlich exotischer Gedanke ist.

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