Googles Ausflug in die Printmedien bleibt bisher erfolglos
Von Andreas Göldi am 24. März 2006 um 21:01 Uhr Kommentare (0)
Kategorien: Analysen
Die Aufregung in der Medienbranche war gross, als Google vor einigen Monaten ankündigte, demnächst auch Werbung in Printmedien verkaufen zu wollen. Der Suchmaschinen-Gigant hatte vor, das Auktionsprinzip, das im Online-Bereich so erfolgreich ist, auch auf gedruckte Werbung anzuwenden. Darum kaufte Google gleich im Dutzend Anzeigenseiten in einigen Magazinen und Zeitungen auf, um diese den höchstbietenden Kunden anzubieten.
Inzwischen sickern die ersten Resultate dieser Pilotversuche durch, und offensichtlich hat Google da für einmal ordentlich danebengegriffen. BusinessWeek berichtet, dass einige Kunden Anzeigenseiten zu Spottpreisen erwerben konnten. So soll der Softwarehersteller CoffeeCup in “Martha Stewart Living” (komische Lokation für Software-Werbung…) eine halbseitige Anzeige für gerade mal $4000 statt dem Listenpreis von $59′000 von Google ersteigert haben. Schlussfolgerung: Google hat für dieses Experiment ordentlich draufgelegt.
Es wäre nun auch etwas erstaunlich gewesen, wenn Google die Funktionsweisen der traditionsbewussten Print-Branche einfach mal so im Handstreich hätte umkrempeln können. Anders als die hyperflexible Online-Suchbegriff-Werbung, die Google nach Belieben dominiert, ist Print-Werbung teuer, relativ schlecht messbar und vergleichweise schwerfällig. Ein Auktionsprinzip im Google-Adword-Stil bringt da den Werbekunden nur wenig Zusatznutzen. Es fehlt die unmittelbare Erfolgkontrolle und die rein leistungsbasierte Bezahlung, die das “Pay per Click”-Prinzip im Online-Bereich so erfolgreich macht.
Vermutlich sollte man aber Googles Versuche, in den klassischen Medien zu landen, noch nicht abschreiben. Schliesslich hat diese Firma, ähnlich wie Microsoft, schon immer viel Geduld mit Experimenten bewiesen, die schlussendlich zum Erfolg führen können. Aber Manager aus der Printwerbe-Branche werden nach diesen ersten Misserfolgen wohl wieder etwas ruhiger schlafen. Wenig Grund zur Freude sind aber für alle Beteiligten die offenbar recht schlechten Verkaufserfolge, die die durch Google vermittelte Printwerbung einbrachte: Einige der Werbekunden bemängelten sehr spärlichen Rücklauf angesichts der immer noch satten Kosten für die Print-Anzeigen. Das dürfte weniger mit Googles Leistung, aber sehr viel mit den Eigenschaften des Mediums für diese Art von Werbung zu tun haben.
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