Swisscom wieder mit mehr Gewinn — da freuen wir uns aber!

Andreas Göldi, 8. März 2006 08:26 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Unser nationales Telecom-Unternehmen arbeitet wirklich hervorragend, wie heute bekannt gegeben wurde: 2005 wurde auf einen (etwas rückläufigen) Umsatz von nicht mehr ganz 10 Mia. CHF ein Reingewinn von über 2 Mia. CHF erzielt. Schön für den Mehrheitsaktionär, die schweizerische Eidgenossenschaft: Die Dividende dürfte weiter steigen, und zudem wird ein Aktienrückkauf durchgeführt, was für die Staatskasse natürlich gut ist.

Erheblich weniger toll finde ich das als Konsument: Da hat ein Staatsunternehmen also tatsächlich den Bürgerinnen und Bürgern 2 Mia. zu viel aus der Tasche gezogen, so gesehen. Ich habe wirklich nichts gegen Profitmaximierung oder dagegen, dass der Staat seine Beteiligungen zu guter Performance antreibt. Aber eine Reingewinnmarge von 20% des Immer-noch-fast-Monopolisten ist nichts anderes als eine versteckte Steuer.

Zum Vergleich: Die Deutsche Telekom hat im gerade abgeschlossenen Geschäftsjahr, das als exzellent gilt, eine Gewinnquote von 7.9% erzielt.

Oder mal anders gerechnet: Das Steueraufkommen des Bundes beträgt 47.5 Mia CHF. Der Bund hält an der Swisscom 62%, hat also so gesehen wirtschaftlichen Anspruch auf einen Anteil der Swisscom-Gewinne von 1.26 Mia. CHF. Das heisst, die heimliche “Telecom-Steuer” beträgt volle 2.6% des gesamten Steueraufkommens auf Bundesebene. Gibt es dafür ein Gesetz?

Was ist daran schlecht? Nun, zum Beispiel, dass wir hierzulande immer noch in vielen Bereichen besonders hohe Telecom-Gebühren zahlen, wie z.B. auch Bruno Giussani gerade gestern festgestellt hat. Oder dass die Swisscom-Konkurrenten dem Marktleader nicht allzu sehr an den Karren fahren, weil man in einem gemütlichen Oligopol natürlich zugunsten aller Anbieter prima die Preise oben halten kann. Wenn der Marktführer weiterhin auf viele politisch geschützte Vorteile wie das Monopol für die letzte Meile zählen kann, entsteht halt kein wirklicher Wettbewerb. Hoffen wir mal, dass die angestrebten politischen Lösungen auch wirklich zum Erfolg führen.

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