Die NZZ podcastet schon ganz gut. Aber sind das die richtigen Inhalte?

Andreas Göldi, 6. März 2006 12:24 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Wie schon letzte Woche angekündigt, ging heute der erste Podcast der NZZ für eine einwöchige Versuchsphase an den Start. Vielleicht ist es nach der ersten Runde noch etwas früh für eine Würdigung bzw. Kritik, aber Podcasts sind schliesslich ein schnelles Medium und haben nicht viel Zeit, ihr Publikum zu überzeugen.

Zuerst zu den Basics: Der Podcast ist professionell produziert, die Stimme des Sprechers klingt sehr angenehm und ruhig, passend zum Stil der NZZ. Das Abonnieren des Feeds klappte per iTunes problemlos, auch wenn es natürlich noch schöner wäre, wenn man die NZZ gleich im iTunes-Podcast-Verzeichnis finden könnte.

Inhaltlich gibt der Podcast einen guten Überblick über das, was heute in der NZZ steht.

Die Titelgeschichte wird zudem etwas ausführlicher zusammengefasst, was durchaus sinnvoll ist. Ziemlich unnötig finde ich hingegen die jeweils angegebenen Seitenzahlen der ausführlichen Artikel (”Mehr dazu finden Sie auf Seite 15″), denn schon nach der nächsten Meldung hat man garantiert vergessen, wo man denn nun mehr über die Vogelgrippe lesen kann. Wenn mich eine Story besonders interessiert, werde ich sie wohl noch selbst in der Zeitung finden.

So weit, so gut. Nach dem Podcast blieb ich allerdings etwas ratlos zurück: Was hatte ich denn jetzt wirklich gehört? Da hat mir also gerade jemand vorgelesen, was heute alles in der Zeitung steht. Das ist ja ganz in Ordnung, aber ist es wirklich 12 Minuten meiner Zeit wert? Ein schnelles Durchblättern der Zeitung kostet mich keine fünf Minuten, und auf NZZ Online weiss ich nach (handgestoppten) 90 Sekunden, was heute die wichtigsten Meldungen sind (ohne die alle zu lesen natürlich). Podcasts sind für Inhaltsverzeichnisse und Übersichten halt ein reichlich ineffizientes Medium.

Sinnvoller wären 12 Podcast-Minuten meiner Meinung nach dafür eingesetzt, auf vielleicht nur drei oder vier Themen mit etwas längeren Sequenzen einzugehen. Und das sollten dann auch nicht die 08/15-Headlines sein, die man am Abend vorher eh schon im Fernsehen oder auf dem Internet gesehen hat, sondern vielleicht lieber überraschende Hintergrundthemen. Denn Hintergrundberichterstattung ist ja gerade die Stärke einer Zeitung und insbesondere der NZZ. Die etwas ungewöhnlicheren Themen jenseits der Headlines finden dann sehr gern einen Platz auf meinem iPod und motivieren mich, mehr darüber in der Zeitung nachzulesen. Bei einem vorgelesenen Inhaltsverzeichnis bin ich mir da hingegen nicht so sicher.

Fairerweise muss man aber natürlich sagen, dass die traditionell eher dünne Montagsausgabe der NZZ auch nicht gerade viel brauchbares Quellmaterial für einen spannenden Podcast hergibt. Warten wir mal die nächsten Tage ab.

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