NZZ geht unter die Podcaster

Andreas Göldi, 3. März 2006 09:09 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Die altehrwürdige Neue Zürcher Zeitung scheint ja in letzter Zeit richtig den Web-2.0-Turbo eingeschaltet zu haben: Kürzlich wurden (endlich) RSS-Feeds aufgeschaltet, und heute wird angekündigt, dass man ab dem 6. März die tägliche Zusammenfassungsseite “NZZ Kompakt” als Podcast anbieten will. Der Podcast soll schon nachts um 2 Uhr aufgeschaltet werden, wäre also rechtzeitig zum morgendlichen Pendeln verfügbar.

Gute Idee, aber eigentlich wäre es schöner gewesen, wenn man sich den Podcast mit der heutigen Bekanntgabe schon anhören könnte.

Aber bis Montag kann man sich nun nach 226 Jahren ohne NZZ-Podcast wohl auch noch gedulden.

Die etwas dürre Kurzmitteilung bleibt aber in einer Hinsicht rätselhaft: Warum will man das nur eine Woche lang machen, nämlich bis zum 11. März? Handelt es sich nur um ein Experiment? Das wäre schade, denn eine einzige Woche wäre wohl eine viel zu kurze Phase, um die User-Reaktion wirklich sinnvoll messen zu können. Bis sich ein Podcast mal genügend Stammhörer geholt hat, dauert es schon einiges länger. Aber trotzdem: Man darf gespannt sein.

Nach der “Weltwoche” ist die NZZ damit erst das zweite Schweizer Print-Medium (und das erste tagesaktuelle), das sich in die neue Welt der Podcasts vorwagt. Die hiesige Podcast-Hitliste wird ja derzeit stark von Ablegern von Radio und Fernsehen dominiert, da macht es nur Sinn, wenn auch Verleger mit ihren Inhalten selbstbewusst auftreten. Das ist besser als Jammern und Verklagen. Und ein Brand wie die NZZ hat sogar das Potential, neue Zielgruppen für Podcasts zu erschliessen.

Umsetzungspartner für das Projekt ist übrigens laut der Mitteilung niemand anders als Videoblogging-Guru Stefan M. Seydel von rebell.tv. Ich wünsche ihm (auch in meinem eigenen Interesse als NZZ-Leser) viel Erfolg mit diesem Podcast-Pilotversuch!

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