Werber fühlen sich schon wieder stärker als Google, üben aber noch an der Umsetzung

Andreas Göldi, 2. März 2006 10:03 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Schon interessant, wie offenbar der Respekt vor Google mit dem Börsenkurs fluktuiert: Noch vor einigen Wochen (als Googles Kurs stramm auf die $500 zumarschierte), herrschte allgemeines Wehklagen über die böse imperalistische Suchmaschine. Aber kaum ist der Kurs etwas abgestürzt, fühlen sich Werber schon wieder zu solchen Aussagen hingerissen:

“I think Google has overextended, like Napoleon opening up a Russian front. I think they are a very amazing company that will take over nothing.”

Das sagte laut NYT der Leiter der neuen Tochterfirma Denuo von Werberiese Publicis, Rishad Tobaccowala (interessanter Name für einen Werber). Denuo ist eine neue Beratungsseinheit, die den Publicis-Kunden den Weg in die digitale Zukunft aufzeigen soll.

Vielleicht wäre ein erster Kompetenzbeweis ja, sich die Domain denuo.com zu sichern. Oder eine Website zu haben, die nicht aus dämlichen Flash-Animationen und nichtssagenden Texten besteht. Nicht mal ein Feedback-Formular gibt es. Bei der Muttergesellschaft Publicis teilt mir derweilen die Homepage mit, dass ich leider kein aktuelles Flash-Plugin habe. Vermutlich kennt man dort Firefox noch nicht. Die Fehlermeldung hat wohl der EDV-Lehrling aus dem Französischen übersetzt:

“Publicis Groupe website contains Flash animations. You have not the

plug-in Flash necessary for see the home-page and the animations.”

Ja, Online-Kommunikation ist eben wirklich schwierig.

Tobaccowala weiter:

“A lot of companies and clients are confused about tomorrow. They didn’t look like they were getting the answers they needed.”

Stimmt. Und irgendwie kann ich mich daran erinnern, dass Publicis und andere Werbekonzerne schon seit Jahren behaupten, ihre Klienten in Bezug auf die neuen Medien umfassend beraten zu können. Aber offenbar bisher mit wenig Erfolg.

Na ja, immerhin ist das Signal ja schon mal positiv, dass die Werberiesen jetzt nach nur zehn Jahren offenbar definitiv gemerkt haben, dass dieses komische Phänomen namens Internet nicht einfach verschwinden wird. Aber daran, dieses neue Medium auch wirklich sinnvoll zu beherrschen, üben sie offenbar noch. Und ob es da hilft, schlecht über Google, Blogs und andere Internet-Eckpfeiler zu reden, sei mal dahingestellt.

(via New York Times; Registrierung erforderlich)

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