Googles Ausflug in die Printmedien bleibt bisher erfolglos

Die Aufregung in der Medienbranche war gross, als Google vor einigen Monaten ankündigte, demnächst auch Werbung in Printmedien verkaufen zu wollen. Der Suchmaschinen-Gigant hatte vor, das Auktionsprinzip, das im Online-Bereich so erfolgreich ist, auch auf gedruckte Werbung anzuwenden. Darum kaufte Google gleich im Dutzend Anzeigenseiten in einigen Magazinen und Zeitungen auf, um diese den höchstbietenden Kunden anzubieten.

Inzwischen sickern die ersten Resultate dieser Pilotversuche durch, und offensichtlich hat Google da für einmal ordentlich danebengegriffen. BusinessWeek berichtet, dass einige Kunden Anzeigenseiten zu Spottpreisen erwerben konnten. So soll der Softwarehersteller CoffeeCup in “Martha Stewart Living” (komische Lokation für Software-Werbung…) eine halbseitige Anzeige für gerade mal $4000 statt dem Listenpreis von $59’000 von Google ersteigert haben. Schlussfolgerung: Google hat für dieses Experiment ordentlich draufgelegt.

Es wäre nun auch etwas erstaunlich gewesen, wenn Google die Funktionsweisen der traditionsbewussten Print-Branche einfach mal so im Handstreich hätte umkrempeln können. Anders als die hyperflexible Online-Suchbegriff-Werbung, die Google nach Belieben dominiert, ist Print-Werbung teuer, relativ schlecht messbar und vergleichweise schwerfällig. Ein Auktionsprinzip im Google-Adword-Stil bringt da den Werbekunden nur wenig Zusatznutzen. Es fehlt die unmittelbare Erfolgkontrolle und die rein leistungsbasierte Bezahlung, die das “Pay per Click”-Prinzip im Online-Bereich so erfolgreich macht.

Vermutlich sollte man aber Googles Versuche, in den klassischen Medien zu landen, noch nicht abschreiben. Schliesslich hat diese Firma, ähnlich wie Microsoft, schon immer viel Geduld mit Experimenten bewiesen, die schlussendlich zum Erfolg führen können. Aber Manager aus der Printwerbe-Branche werden nach diesen ersten Misserfolgen wohl wieder etwas ruhiger schlafen. Wenig Grund zur Freude sind aber für alle Beteiligten die offenbar recht schlechten Verkaufserfolge, die die durch Google vermittelte Printwerbung einbrachte: Einige der Werbekunden bemängelten sehr spärlichen Rücklauf angesichts der immer noch satten Kosten für die Print-Anzeigen. Das dürfte weniger mit Googles Leistung, aber sehr viel mit den Eigenschaften des Mediums für diese Art von Werbung zu tun haben.

Endlich aufgedeckt:
Blogger schuld am Irak-Krieg

Die Meinungsschlacht zwischen Bloggern und Old-Media-Journalisten über die Zukunft der Medien tobt ja bekanntlich schon länger. Neben fundierten Äusserungen von beiden Seiten gibt es zwischendrin auch mal Beiträge, über die man wirklich nur noch den Kopf schütteln kann.

So schreibt die Zeitungskolumnistin und Auslandskorrespondentin Georgie Anne Geyer in ihrem Beitrag “Without Newspapers, Americans can’t understand the world“, dass die amerikanischen Bürger nur dank dem Zeitungsjournalismus überhaupt eine einigermassen konsistente Ahnung haben (bzw. hatten), was in der Welt vorgeht und wie das zu bewerten ist. Eine besonders wichtige Rolle für das Überleben der Demokratie kommt also — wer hätte das gedacht ? — den Zeitungskolumnistinnen und -kolumnisten zu.

Gut, Frau Geyer hat offenbar ein ausgeprägtes Selbstwertgeführt für ihren Berufststand. Dagegen ist ja nichts zu sagen, aber etwas merkwürdig ist, dass sie die Wurzel allen Übels ausschliesslich in den anderen Medien, also Nicht-Zeitungen, zu erkennen glaubt:

“My theory is that we Americans have so picked and chosen our news that we have lost that comprehensive view of the world that only a newspaper gives. You may only read a few stories thoroughly, but you are inexorably exposed to ones you don’t choose — labor news in Detroit, deaths in Darfur, economic successes in Finland, a zoning excess in your own community.”

Und noch schöner ist, dass sie ganz zweifelsfrei rausgefunden hat, wer an der Verdummung der Amerikaner und dem daraus direkt folgenden Irak-Krieg schuld ist: Die bösen Blogger nämlich, die alle einfach so unkontrolliert ihre Meinung verbreiten und damit Aufmerksamkeit abziehen von dem, was uns Zeitungskolumnistinnen zu sagen haben.

“Think a little further. If more Americans had had a comprehensive view of the world — the kind that is irrevocably blurred by the 80,000 new blogging sites launched every week — it would have been barely possible for the 30 people who in essence started the Iraq war to have acted without the accord of the American people.”

Komisch, dunkel glaube ich mich erinnen zu können, dass strukturell ähnliche Dinge schon in Zeiten vorgefallen sind, als es noch kein Fernsehen und schon gar keine Blogs gab — sondern nur Zeitungen, denen die Leute blind geglaubt haben, die aber leider die eigenen Interessen ihrer Eigentümer verfolgt haben.

Vielleicht wäre Frau Geyer und andere, die so denken, etwas überrascht darüber, dass ich ihren kritischen Beitrag in einem RSS-Reader via ein Blog auf Yahoo News gefunden habe — und nicht in der Zeitung.

(Ach, übrigens sind es nicht 80’000 neue Blogs pro Woche, sondern derzeit 70’000 neue pro Tag. Aber Recherche ist Glückssache, wenn man nicht wissen will, was “Technorati” ist.)

Google Finance:
Google geht unter die Content-Anbieter

Bisher hat Google ja immer stark darauf geachtet, “nur” Aggregator von Web-Inhalten zu sein und möglichst keine redaktionell aufbereiteten eigenen Inhalte anzubieten. “Algorithmen statt Redakteure” war offenbar die Devise.

Das ändert sich jetzt wohl ein wenig: Heute ging die neue Börsensite Google Finance ans Netz. Geboten wird ein ähnlicher Funktionsumfang, wie man ihn von anderen Finanzsites kennt, allerdings google-typisch mit minimalistischem Design und hipper Benutzeroberfläche (AJAX…) ausgestattet. Verglichen mit Wettbewerbern wie Yahoo Finance kommt die neue Google-Site erheblich übersichtlicher daher.

Und natürlich bringt Google seine Such-Intelligenz auch in dieses neue Produkt ein: Wo man bei anderen Börsensites mühsam nach Ticker-Symbolen suchen muss, reicht es hier, im Suchfeld Firmenname, Branche oder ähnliche Angaben einzugeben.

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Die intellektuelle Hackordnung im Internet ist mehrstufig

Irgendwie lustig: Ich habe mich in letzter Zeit einige Male etwas an Kommentaren von traditionellen Intellektuellen wie Andrew Keen oder auch Nicholas Carr gestört, die von ihrer hohen Warte im Elfenbeinturm gern mal ihre Verachtung für “normale” Blogger äussern. Blogger können nicht schreiben, argumentieren inkonsistent und sollten darum ihre Meinung lieber für sich behalten, meinen die Herren.

So prügelte Andrew Keen beispielsweise neulich verbal auf einen armen Durchschnittsblogger ein:

“Reynolds writes like a typical blogger. Which is to say that he uses — or rather abuses — the English language shamelessly. » weiterlesen

Pay-per-Click-Werbung:
Das Ende des seriösen Journalismus?

Der immer gern konträre Nicholas Carr wirft ein interessantes Argument gegen Pay-per-Click-Werbung (PPC) auf: Diese vor allem von Google dominierte Form der Online-Werbung könnte die Qualität von Journalismus ernsthaft gefährden, weil sie die Anreize für den Online-Verleger falsch setzt.

PPC-Programme wie Google AdSense funktionieren auf eine raffinierte Weise: Die Suchmaschine analysiert eine Webpage und platziert dann Anzeigen, die zum Thema passen. Die Werbeauftraggeber müssen nur zahlen, wenn auch wirklich jemand auf die Anzeige klickt. Das ist eigentlich für alle fair und sinnvoll: Der Leser bekommt nur Anzeigen zu sehen, die etwas mit dem Thema zu tun haben, das ihn gerade interessiert, und der Auftraggeber zahlt nur für Erfolg. » weiterlesen

Bloggen an der CeBIT

Wie hier kürzlich schon gemeldet, haben Peter Hogenkamp und ich pünktlich zur gestern zu Ende gegangenen CeBIT das neue Gadget-Blog neuerdings.com eröffnet. So eine Messe bloggend zu begleiten, hat viel Spass gemacht, und wir werden neuerdings.com auch nach der CeBIT weiterführen und weiterentwickeln.

Und noch in einer anderen Hinsicht war das eine interessante Erfahrung: Wir haben an der Messe (durchaus zu unserer Überraschung) sogar eine Presse-Akkreditierung gekriegt und durften uns quasi als “richtige Journalisten” fühlen. Das hat durchaus seine Privilegien: Beispielsweise ist das Pressezentrum der einzige Ort auf der Messe mit kostenlosem WLAN-Zugang, während auf dem Rest der Messe exorbitante Preise verlangt wurden.

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Murdoch:
Alte Medien-Elite verliert ihre Macht

Medienzar Rupert Murdoch, gerade 75 Jahre alt geworden, fällt in der Medienbranche wieder mal unangenehm auf. In einer Rede diese Woche sagte er zum Beispiel:

“Power is moving away from the old elite in our industry — the editors, the chief executives and, let’s face it, the proprietors.”

Das werden diejenigen unter den Medien-Granden, die sich immer noch die guten alten Zeiten zurück wünschen und das Internet am liebsten verbieten würden, nicht gerne hören.

Murdoch weiter:

“So, media becomes like fast food — people will consume it on the go, watching news, sport and film clips as they travel to and from work, on mobiles or handheld wireless devices like Sony’s PSP, or others already in test by our satellite companies.”

Hmm. Offensichtlich denkt man bei Murdoch’s News Corp heftig über die Zukunft nach, aber ist (wie alle anderen auch) noch nicht auf eine konsistente Weltsicht gestossen. Ob der Vergleich mit Fast Food so besonders zutreffend und intelligent ist, kann man sich wirklich fragen. Was waren denn dann die bisherigen Medienkanäle? Gourmet-Essen?

Meine Interpretation der Essens-Metapher wäre etwas anders: Bisher haben wir in eine Kantine alter Schule gegessen. Es gibt genau ein Menu, und wenn einem das nicht passt, hat man halt Pech gehabt. Die neuen Medien ähneln eher einer modernen Free-Flow-Selbstbedienungsrestaurant: Man kann sich sein Essen aus einer Vielzahl von Töpfen selbst zusammenstellen, ganz nach Lust und Laune. Dass dabei aber eine einigermassen geschmackvolle Kombination rauskommt und man sich ausgewogen ernährt, dafür ist man ganz allein selbst verantwortlich.

Konsolidierung im amerikanischen Zeitungsmarkt:
Knight-Ridder von McClatchy übernommen

So etwas war früher oder später zu erwarten, aber dieser grosse Deal kommt doch ziemlich früh: Die Knight-Ridder-Gruppe, einer der grössten amerikanischen Zeitungsverleger, wird durch die deutlich kleinere McClatchy übernommen. McClatchy wird 12 der 32 Knight-Ridder-Titel verkaufen, und das fusionierte Unternehmen wird dann 30 Tageszeitungen und 50 andere Titel herausgeben.

Für die traditionsreiche Knight-Ridder-Gruppe ist das ein unschöner Verlust ihrer Selbständigkeit. Zwar ist Knight-Ridder immer noch ein profitables Unternehmen, aber die Probleme vor allem bei den grösseren Tageszeitungen waren offenbar so gross, dass man sein strategisches Heil nun in einem Merger sucht. » weiterlesen

Und noch ein Web-2.0-Exit:
Google kauft Writely

Heute auf neuerdings.com:
Ein reichhaltiger erster CeBIT-Tag

Der erste CeBIT-Tag ist vorbei und lieferte reichlich Material für unser neues Gadget-Blog neuerdings.com. Das Highlight (oder grösste Enttäuschung, je nach Perspektive) war die Enthüllung des Origami- bzw. Ultra-Mobile-PC-Konzepts von Microsoft und Intel. Aber auch anderswo gab es interessante Dinge zu sehen, beispielsweise das erste Handy mit 10-Megapixel-Kamera oder die neusten Navigationssysteme.

Hier ein Überblick über die Themen von heute:

Origami/UMPC: Offizielle Ankündigung, Bemerkungen zum Namen, » weiterlesen