Neues im Classifieds-Markt:
Edgeio und lustige Businessmodelle bei Tamedia
Im Classifieds-Sektor gab es heute gleich zwei interessante Meldungen:
Erstens startete heute der innovative Aggregationsdienst Edgeio offiziell seinen Betrieb. Edgeio sammelt Classified-Anzeigen von dezentralen Sites ein, insbesondere von Blogs. Alle als “listing” getaggedten Blog-Posts finden ihren Weg in die Edgeio-Datenbank und werden so zentral suchbar. Im Prinzip implementiert Edgeio also erstmals konsequent die Idee der völlig dezentralen Publikation von Anzeigen, wie sie sich in der Structured-Blogging-Initiative bereits angekündigt hat. Jürg Stuker und Berni Seefeld haben in der Testphase schon ausführlicher über Edgeio geschrieben.
Wird dieses Konzept die Online-Classifieds revolutionieren? Nun, bisher hat Edgeio wohl eher den Status eines gut gemachten “Proof of Concept”. Wie es mit der Skalierbarkeit und der Praxistauglichkeit (vor allem für Nicht-Geeks, die ihre RSS-Feeds nicht selber programmieren) steht, muss sich erst noch zeigen. Aber beobachten muss man das auf jeden Fall.
Währenddessen verfolgt der Zürcher Grossverlag Tamedia etwas konventionellere Konzepte: Heute wurde angekündigt, dass neu auch die Anzeigen der von diesem Haus verlegten Stellenbeilagen online auf der Jobplattform “Jobwinner” zur Verfügung stehen sollen. Gute Idee, eigentlich.
Beim genaueren Anschauen glaubte ich aber zunächst an einen Fasnachtsscherz: Die Print-Anzeigen werden nicht etwa in die normale Datenbank der Plattform integriert, sondern völlig getrennt als e-Paper im Zeitungslayout angeboten. Dieser Zugang enthält keinerlei Suchmechanismen, man muss also den Stellenbund manuell durchblättern.
Und jetzt kommt’s: Für diese –mit Verlaub– vorsintflutliche Lösung soll der Leser auch noch bezahlen, und zwar volle 20 Fr. für 3 Monate bzw. 70 Fr. für ein Jahr.
Gut, als Abonnent der Print-Produkte kriegt man das ganze gratis, muss aber immer noch mühsam ein Passwort “beantragen” (wie es im Beschreibungstext kundenfreundlich heisst). Das habe ich natürlich auch gleich gemacht, und musste hierfür erstmal meine Kundennummer eingeben, die sich praktischerweise auf der Abo-Rechnung befindet (die man natürlich immer zu Hand hat, klar). Kurz danach stand mir aber schon die ganze Herrlichkeit nicht volltextsuchbarer Print-Abbilder der aktuellen Stellenbeilagen zur Verfügung.
Bedauerlicherweise verkauft Tamedia ihren Stelleninserenten inzwischen aber auch fleissig “richtige” Online-Anzeigen, so dass die Redundanz zwischen der e-Paper-Ausgabe und der normalen Online-Datenbank beträchtlich ist. Von 10 zufällig ausgewählten Print-Anzeigen aus dem Kadermarkt “Alpha” fand ich acht auf der Online-Plattform wieder (natürlich nicht verlinkt, sondern mit manueller Suche). Aber um die Dublettenbereinigung soll sich doch gefälligst der Leser kümmern, denkt man sich wohl bei Tamedia. Stellensuchende haben ja Zeit.
Liebe Online-Leute von Tamedia: Bitte erklärt doch auch mal Eurer internen Print-Fraktion (von der diese Idee, vermute ich mal, stammen muss), dass e-Paper keine tolle, moderne Sache ist, sondern das umständlichste Medium seit der Marmortafel. Dafür, dass Eure Leser sich mit so etwas herumschlagen, müsstet Ihr ihnen eigentlich etwas bezahlen und nicht noch Geld abknöpfen.


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