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Live von der CES:
Gadget-Minderwertigkeitskomplexe
Über Nacht scheint das typische Las-Vegas-Publikum (Familie aus dem ländlichen Amerika, vierköpfig, alle stark übergewichtig) durch den typischen CES-Besucher (männlich, ca 35-45, nur leicht übergewichtig) ausgetauscht worden zu sein.
Und alle schleppen tonnenweise Gadgets mit sich herum. Ich falle da schon wieder mal negativ auf mit meiner absoluten Minimalausstattung (nur Phone-PDA und Digitalkamera).
Ein richtiger CES-Profi trägt eine riesige Tasche mit mindestens folgendem Inhalt mit sich herum: Ein Notebook neuster Generation, zwei bis drei Mobiltelefone oder PDAs, Blackberry, Bluetooth-Headset (immer am Ohr natürlich), MP3-Player, Digitalkamera. Fakultativ, aber imagesteigernd sind Zusätze wie Videdokamera (harddisk-basiert, wenn möglich), mobiler Videoplayer, Skype-Phone usw.
Live von der CES:
Die Bill-Gates-Keynote
Leider wurde es dann doch nichts mehr mit dem Saalticket. Zusammen mit hunderten anderer CES-Besucher musste ich mir also die Keynote-Rede von Bill Gates per Videoübertragung ansehen. Selbst der Videosaal war zum Bersten voll.
Zur Überbrückung der Wartezeit (der Saal war schon eine Stunde vor Beginn bis auf den letzten Platz besetzt) wurde Football gezeigt — es lief der Rosebowl. Nicht wenige Zuschauer waren einigermassen ungehalten, als schliesslich dann doch noch vom spannenden Spiel auf den Microsoft-Kanal umgeschaltet wurde. Daselbst liefen zunächst mal tränendrüsendrückende Intros mit netten jungen Menschen, die ihr Leben verbessern und/oder den Benachteiligten der Welt helfen und/oder ihre Behinderung überwinden dank “Windows-based technology”.
Schliesslich wurde die Session aber dann doch richtig eröffnet, und zwar vom Präsidenten der CES. Der bezeichnete zunächst mal ganz bescheiden seine Messe als “Epicenter of the digital universe”, um dann unterwürfigst Bill Gates vorzustellen.
Bill erwähnte zum Start, dass er ziemlich “thrilled” war, zusammen mit Gattin Melinda und Bono zur “Person of the Year” gewählt worden zu sein. Besonders toll fand er offenbar, dass auch schon der PC mal Mann des Jahres war, und zwar 1982. Und seither, meinte Herr Gates, hätte sich doch so manches erheblich verbessert.
Um zu zeigen, wie er sich die nächsten Jahre vorstellt, zeigte er eine Demo, die den Stand der (PC-)Dinge im Jahr 2010 illustrieren sollte. Da gab es riesige Touchscreens für zu Hause, einen Desktop-PC mit einem semitransparenten 69-Zoll-Monitor (oder so ähnlich) fürs Büro und natürlich ganz viele Mobilgeräte. Der Tablet-PC kam auch vor, wenn auch nur als verlängerter Arm des Büro-PCs. Denn, so Bill, auf Reisen wird man dereinst nur noch sein (Windows-)Telefon mitnehmen. Es wird dann nämlich in Airports und anderen Zwischenstationen interaktive Terminal-Tische geben, auf die man nur sein Telefon drauflegen muss, um gleich mit einem vollausgebauten Multimedia-Interface mit seinen Daten interagieren zu können. “Nothing too complicated”, meinte Bill. Tja, viel Spass beim Konfigurieren dann…
Eins machte Gates deutlich: Vollintegrierte Software soll den modernen digitalen Lebensstil ermöglichen und kann das nur dann, wenn sie auf einer gemeinsamen Plattform basiert, die alle möglichen Devices miteinander verbindet. Und welche Plattform das nach Microsofts Meinung sein wird, dürfte auch klar sein.
Als nächstes gab es einen Block über Windows Vista. Wer auf eine konkrete Terminankündigung gehofft hatte, wurde enttäuscht. “So gegen Ende Jahr” könne man mit der neuen Windows-Generation rechnen, und heute solle nur gezeigt werden, was der Stand der Dinge ist.
Im Vordergrund stand das tatsächlich hübsche neue User-Interface von Vista. Besondere Mühe hat man sich offenbar mit neuen Methoden gegeben, zwischen laufenden Programmen umzuschalten. Echter Overkill ist dabei die “Flip 3D”-Methode, die die offenen Programmfenster halbtransparent im 3D-Raum schweben lässt, damit sich der User das richtige Window greifen kann. Klar, irgendwie muss man ja die Prozessorleistung verbraten. Hinsichtlich der weiteren Bedienungselemente hat man sich ganz offensichtlich kräftig bei Apples OS X bedient, aber das hat ja auch Tradition. Gezeigt wurde sogar — gasp — Tabbed Browsing im Internet Explorer, wobei Microsoft sich noch einen zusätzlichen Übersichtsscreen ausgedacht hat, mit dem man alle offenen Sites auf einen Blick sieht. Nett, aber nicht gerade ein Durchbruch in der Browsertechnologie.
Ansonsten hat man (endlich) etwas an der Bilderverwaltung gearbeitet. Es gibt deutlich bessere Such- und Sortierfunktionen, und man wird in Vista sogar einfache Bildbearbeitung direkt im Betriebssystem machen können. Das wurde aber auch wirklich Zeit.
Es folgte die wohl relevanteste Ankündigung des Abends: Der neue Musikdienst “Urge”. Eingeladen war dazu MTV-Chef Van Toffler. Im wesentlichen werden Microsoft und MTV einen verdächtig nach iTunes aussehenden gemeinsamen Musikdienst herausbringen, der von Beginn weg 2 Millionen Titel anbieten wird. Dazu wird es etwas MTV-Content, Recommendations und diverse Community-Elemente geben. Im allgemeinen Marketinggeschwurbel wurde leider nicht ganz klar, welche Features man wirklich konkret erwarten kann, aber ganz offensichtlich will man mit “Urge” zu Apple aufschliessen.
Als Überraschungsgast kam dann noch kurz Teenie-Star Justin Timberlake auf die Bühne, sagte brav nette Sachen über Microsoft und MTV und darüber, dass er so moderne Sachen ganz toll findet, und das ganze mit einem konstanten Kann-ich-jetzt-bitte-meinen-Scheck-haben-Gesichtsausdruck. Grosse Unterhaltung!
Ansonsten wurde noch erwähnt, dass Microsoft fest entschlossen ist, den Tablet PC jetzt endlich zum Mainstream zu machen und dass Windows Mobile ganz besonders erfolgreich ist. Gut zu wissen.
Der nächste grosse Block war Windows Media Center gewidmet. Nach ersten Schwierigkeiten scheint sich selbiges jetzt doch ganz vernünftig zu verkaufen. Diverse neue Content-Partnerschaften wurden angekündigt, die meisten davon aber nur für die USA relevant. Immerhin macht Microsoft aber auch einen Deal mit BSkyB, man hat also doch noch nicht vergessen, dass es noch einen Rest der Welt gibt.
Wohl eher in die Kategorie “Originell und zum Scheitern verurteilt” gehört das neuste alternative User-Interface zum Media Center: Man kann sich nämlich in MSN Messenger bald einen Intelligent Agent als Buddy einkoppeln, mit dem man Dialoge übers Fernsehprogramm führen kann. Das Ding empfiehlt einem dann, was man sich anschauen soll, und man kann es beauftragen, doch bitte gleich das heimische Media Center entsprechend zu programmieren. Gut, es soll ja Jugendliche geben, die fast nur Instant Messaging bedienen können, die können dann endlich auch ihren Videorekorder programmieren.
Mit der kompromisslosen Unterstützung des neuen Formats HD-DVD scheint es Microsoft weiterhin ernst zu sein. Konkurrent BluRay wurde kein einziges Mal auch nur erwähnt, dafür wurden die Vorteile von HD-DVD ausführlich gelobt.
Xbox 360 war schliesslich der dritte und letzte grosse Block. Microsoft scheint das Ding weiterhin gut zu verkaufen, jedenfalls wurde angekündigt, dass gerade ein dritter Hardware-Hersteller unter Vertrag genommen wurde, um die Nachfrage zu decken. Zur Xbox 360 soll es bald auch ein externes HD-DVD-Laufwerk geben, womit das Gerät dann wirklich zum universell einsetzbaren Mediencenter wird.
Unterhaltungstechnischer Höhepunkt des Abends war dann die Demo von EA’s neuem Boxspiel “Fight Night 3″. Die Grafik ist wirklich bemerkenswert. In Zeitlupenwiederholungen kann man sich schön detailliert und dreidimensional ansehen, wie des Gegners Kieferkochen bricht, und das natürlich in HD-Qualität.
Die Besonderheit der Demo waren die Kontrahenten: In der rechten Ecke Bill Gates als Muhammed Ali, in der linken Ecke Steve Ballmer als Joe Frasier. Ballmer meinte noch, auf diese Gelegenheit hätte er dreissig Jahre gewartet, musste dann aber ordentlich einstecken. Boxen kann er, der Bill, wenn auch nur virtuell.
Der grosse Knaller blieb in dieser Keynote aus. Irgendwie wurde man bei allen Ankündigungen den Eindruck nicht los, dass Microsoft weiterhin sein bewährtes Erfolgsrezept verfolgt: Ideen von anderen übernehmen und gut umsetzen in die eigenen Produktlinie. Es wurde aber auch deutlich, wie unglaublich breit Microsoft heute aufgestellt ist. Hier ging es ja nur konsumentenorientierte Produkte, und schon da gibt es wohl keine Firma, die auch nur annähernd eine vergleichbare Palette bieten kann.
Live von der CES:
Wallfahrt zu Bill
Der erste Höhepunkt der CES rückt näher: Die Keynote-Rede von Bill Gates. Die Erwartungen sind durchaus gross, schliesslich hat Bill an früheren CES-Sessions diverse neue Produkte erstmals angekündigt, zum Beispiel die Xbox oder den Tablet-PC.
Die Zuteilung der Tickets für diese Events erfolgt nach einem etwas eigenartigen System: Der Vorverkauf war nur kurz und sehr begrenzt. Im erster Priorität werden Medienvertreter zugelassen, und die übrigen Plätze werden erst heute vergeben.
Das gewöhnliche Fussvolk muss eine Art Verlosung über sich ergehen lassen. Hierbei bekommt man eine Wartelistennummer zugeteilt (ich habe die 273) und muss in einem grossen Saal (siehe Bild) abwarten, ob die entsprechende Nummer ein Ticket zugeteilt bekommt. Einige stehen hier schon seit Stunden an in der Hoffnung, IHN persönlich sehen zu können.
Live von der CES:
iPod aus dem Automaten
Man lernt nie aus: bisher dachte ich immer, dass man elektronische Geräte entweder im Laden kauft oder online bestellt.
Nicht so an der CES: Hier gibt es tatsächlich Verkaufsautomaten, aus denen man rund um die Uhr einen iPod oder eine Sony PSP beziehen kann. Sozusagen für den kleinen Gadget-Hunger zwischendurch.
So langsam trudeln die Messeteilnehmer ein und holen sich den wichtigsten Besitz jedes CES-Besuchers: den offiziellen Badge. Selbiger identifiziert den Träger und ist farbcodiert, damit gleich jeder sehen kann, welcher Kaste die Person angehört. Am beliebtesten sind natürlich die grün markierten “Buyers”, denen die roten “Exhibitors” und violetten “Manufacturers” gerne etwas verkaufen würden. Ganz exklusiv sind die weissen “Engineer”-Badges, die den Besitzer als Know-How-Träger ausweisen.
Live von der CES:
Logistik und andere Katastrophen
Las Vegas mag ja eine lustige Stadt sein, aber die Transportlogistik ist eine Frechheit. Zu Messezeiten scheint es eigentlich kein Verkehrsmittel zu geben, mit dem man vernünftig vorwärtskommt.
Wer Autofahren will, muss sehr viel Geduld mitbringen, denn leider bewegt man sich auf dem berühmten Las Vegas Strip meistens nur im Schritttempo vorwärts. Auf Taxis wartet man nicht selten deutlich mehr als eine Stunde. Und dann gibt es noch eine Superduper-Hightech-Monorail, die aber skandalös teuer ist und äusserst merkwürdig verteilte Haltestellen hat.
Hinzu kommt, dass man hier ganz unabhängig davon, wo man hin will, durch mindestens zwei Casinos laufen muss, denn alle Wege führen ins Casino. Und wir reden hier von gewaltigen Spieltempeln mit einer Fläche, die in Europa schon bequem für eine mittlere Gemeinde reichen würde.
Live von der CES:
Gadgets gucken in Las Vegas
Die Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas gilt nicht zu Unrecht als Mutter aller Unterhaltungselektronik- und IT-Messen. Keine andere ist grösser, prominenter besetzt und kann mit mehr echten Neuankündigungen glänzen als diese Fachveranstaltung im Zocker-Paradies.
Das wollte ich mir dieses Jahr nicht entgehen lassen und sitze darum jetzt hier in der Wüste von Nevada, wo morgen Horden von Fachhändlern, Business Developern und Journalisten einfallen werden. Ach ja, und ein paar Branchen-Promis gibt es natürlich auch zu sehen: Die Keynotes werden gehalten von Bill (Gates), Larry (Page) und Terry (Semel), um nur einige zu nennen. Da kann die » weiterlesen
Corporate Blogging:
Nur für Erfolglose?
“Long Tail”-Erfinder Chris Anderson schreibt über eine neue Liste (in Wiki-Form) von Corporate Blogs. Dieser zufolge verfügen derzeit nur gerade 4% der Fortune-500-Unternehmen über ein eigenes Blog.
Hintergrund der Idee, diese Liste zu schaffen, war offenbar eine interessante Feststellung: Tendenziell bloggen bisher eher diejenigen grossen Firmen, die ein Image-Problem haben, nicht selten durch schlechten Geschäftsgang bedingt. Hingegen scheuen sich erfolgreiche Firmen offenbar, ihre positive öffentliche Wahrnehmung durch schwer kontrollierbares Blogging zu “gefährden”.
Ein paar Beispiele: GM bloggt, Toyota nicht. Microsoft bloggt, Apple nicht.

neuerdings.com
medienlese.com
imgriff.com
fokussiert.com
netzwertig.com



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