Da wir’s gerade von Apple hatten: Am Freitag (13.1.06) ereignete sich an der NASDAQ etwas Bemerkenswertes: Der Börsenwert von Apple überholte denjenigen von Dell (via Nicholas Carr).
Dell: $71,970,702,760
Apple: $72,132,428,843
Klar, der Vorsprung ist nicht gross, und schon ein einziger Handelstag kann die Situation wieder umkehren. Aber man kann Apple, einer Firma, die vor einigen Jahren (und dazwischen immer wieder) praktisch totgesagt wurde, natürlich nur gratulieren.
Ich denke, dass dieser bemerkenswerte Überholvorgang eine grössere Signifikanz hat. Vergleichen wir mal schnell die wichtigsten Eigenschaften dieser beiden Firmen:
Dell: B2B
Apple: B2C
Dell: Nicht Innovator, sondern (Slow) Follower
Apple: Innovation um jeden Preis
Dell: Brave, langweilige Büro-Hardware.
Apple: Unterhaltungselektronik und Kreativ-Tools
Dell: Beige. Oder bestenfalls anthrazit.
Apple: Silbrig glänzend, glitzernd weiss, cool schwarz. Oder auch bunt.
Dell: Niedrigster Preis
Apple: Obszön hohe Preise
Dell: Direktverkauf
Apple: Teure, schicke Läden an bester Lage (aber auch gutes Online-Marketing)
Dell: User Interface wird von Microsoft kontrolliert
Apple: kontrolliert jedes Details des User Interface selber
Dell: Effizienz
Apple: Coolness
Und so weiter…
Warum soll das nun so relevant sein? Nun, es gibt derzeit einige Meta-Trends in der Wirtschaft, die eine Firma wie Apple begünstigen:
1. Die einzige Chance der westlichen Wirtschaft ist Kreativität und Innovation. Effizient sein können Indien und China besser.
2. Der Markt für Büro-PCs und Enterprise-Lösungen stagniert oder serbelt. Das nächste Spielfeld der Informationstechnologie ist das Wohnzimmer.
3. In einer Zeit der Commodity-Produkte können sich Hersteller nur noch mit exzellentem Design wirklich abheben (das ist übrigens auch ein grosses Thema am kommenden WEF in Davos).
Apple verkörpert diese Trends wie keine andere Firma. Ein anderes schönes Beispiel ist Samsung: Der koreanische Riese ist im Elektronikmarkt erst wirklich gross geworden, nachdem er das Billig-Image durch kompromisslose Innovation ersetzt hat. Und dass Google im Börsenwert längst SAP und Oracle weit überholt hat, passt auch ins Bild.