Werber, Journalisten und die freie Meinungsäusserung

Andreas Göldi, 21. Januar 2006 um 16.33 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Aufregung in der deutschen Bloggerszene: Starwerber Jean-Remy von Matt hat Blogs in einer internen e-Mail als “Klowände des Internets” bezeichnet. Warum? Nun, einige Blogger hatten die Kampagne “Du bist Deutschland” kritisiert, die von Matts Agentur Jung/von Matt massgeblich mitgestaltet hat. (via Gian-Franco Salvato)

Um eins vorauszuschicken: Ich halte Jung/von Matt für eine der besten Werbeagenturen der Welt. Ich habe sogar das Buch, das von Matt zusammen mit seinem Kompagnon Holger Jung geschrieben hat, gekauft, gelesen und als inspirierend empfunden.

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Yahoo präsentiert Rekordergebnis und stürzt ab

Andreas Göldi, 18. Januar 2006 um 9.27 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Yahoo gab gestern seine Quartalsergebnisse bekannt: 39% mehr Umsatz und sogar 83% Gewinnsteigerung. Sensationell, oder? Da muss die Börse doch reagieren?

Tat sie auch. Und zwar mit 13% Kursverlust. Denn einige Analysten (zur Erinnerung: Das sind diese äussert kompetenten Finanzexperten, laut deren Vorhersagen der Dow Jones inzwischen bei etwa 36′000 Punkten stehen müsste) hatten noch höhere Steigerungsraten erwartet.

Hallo?! Auf welchem Planeten leben diese Leute eigentlich?

Ich hätte bezüglich Analysten einen kleinen Verbesserungsvorschlag: Die Banken sollten diese Typen doch bitte fesseln, knebeln und im Keller einsperren. Hinten links neben den Goldbarren ist sicher noch Platz.

Mit Schaudern erinnere ich mich an die letzte Bubble Anno 2000 zurück, als mir irgendwelche 26jährigen Analysten erklärten, wie toll doch Softwarefirma X und Internet-Startup Y seien. Wenn man die Herren Analysten damals fragte, ob sie denn wüssten, was die Firmen X und Y genau machten, erntete man nur verständnislos-arrogante Blicke. Mit solchen Details beschäftigt sich ein Finanzgott nicht! Die “Anlagestory” muss stimmen. Firmen X und Y gingen kurz darauf Pleite, was auch jeder halbwegs sachverständige Brancheninsider hätte voraussagen können.

Die absurden Börsenkurse, die die grossen Internet-Firmen aufgrund der Analysten-Vorhersagen jetzt bereits wieder erreichen, nützen wirklich niemandem was (ausser vielleicht kurzfristig ein paar Spekulanten). Dass es inzwischen schon wieder Analysten gibt, die beispielsweise einen Kurs von $2000 für Google vorhersagen, ist nur ganz genau eines: destruktiv. Denn solche utopischen Erwartungen kann kein Unternehmen erfüllen, und darum folgt unweigerlich Enttäuschung, wie jetzt eben bei Yahoo gesehen.

Natürlich gibt es inzwischen schon wieder Kommentatoren, die diesen komplett realitätsfernen Kursausrutscher bereits als Beginn des grossen Web-2.0-Crashs interpretieren. Kann sein, dass sich die Kurse wieder auf ein realistisches Niveau normalisieren. Sinnvoll wäre es ja. Und ich wünsche den Managementteams von Google, Yahoo und Konsorten, dass sie unbeeindruckt davon ihre realweltlichen Strategien weiterverfolgen. Denn dort entsteht Wertschöpfung, nicht bei den Börsenzockern.

Google kauft Spezialfirma für Radiowerbung

Andreas Göldi, 17. Januar 2006 um 16.40 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Bisher war Google mit Firmenkäufen ja immer ziemlich zurückhaltend. Umso überraschender ist nun, dass heute bekanntgegeben wurde, dass der Suchmaschinengigant eine Akquisition macht, die nicht nur sehr gross ist, sondern auch noch das (vermeintliche) Kerngebiet klar verlässt.

Google wird die Firma dMarc Broadcasting für $102 Mio. Sofort-Cash und spätere Zahlungen von bis zu $1.14 Mia. übernehmen. dMarc ist vor allem in digitalen Automationssystemen für Radiostationen und in der Vermittlung von Radiowerbung zu Hause.

Das Interesse von Google hat bestimmt vor allem geweckt, dass dMarc Systeme für die vollautomatische Belegung von Werbeplätzen auf Radiostationen betreibt.

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Europäer werfen sich hinter den abgefahrenen Suchmaschinen-Zug

Andreas Göldi, 16. Januar 2006 um 18.15 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

“Quaero” heisst, wie jeder humanistisch gebildete (europäische) Mensch natürlich weiss, “ich suche” auf Latein. Und exakt so soll dereinst die neue französisch-deutsche Suchmaschine heissen, die die schurkigen Amerikaner von Google und Konsorten vom virtuellen europäischen Kontinent vertreiben soll.

Kein Geringerer als Präsident Chirac kündigte nämlich Anfang Jahr an, dass die beiden führenden (aus ihrer Perspektive) europäischen Nationen sich zusammentun werden, um eine Suchmaschine zu bauen, die den amerikanischen Internet-Kulturimperialismus beenden soll. Beide Länder werden hierfür das Beste aufbieten, was ihre High-Tech-Industrie zu bieten hat: Thomson und France Telecom werden die stolze französische Nation vertreten, die Deutsche Telekom und Bertelsmann die deutsche Seite.

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Apple überholt Dell an der Börse:
Zeichen der Zeit?

Andreas Göldi, 14. Januar 2006 um 18.15 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Da wir’s gerade von Apple hatten: Am Freitag (13.1.06) ereignete sich an der NASDAQ etwas Bemerkenswertes: Der Börsenwert von Apple überholte denjenigen von Dell (via Nicholas Carr).

Dell: $71,970,702,760

Apple: $72,132,428,843

Klar, der Vorsprung ist nicht gross, und schon ein einziger Handelstag kann die Situation wieder umkehren. Aber man kann Apple, einer Firma, die vor einigen Jahren (und dazwischen immer wieder) praktisch totgesagt wurde, natürlich nur gratulieren.

Ich denke, dass dieser bemerkenswerte Überholvorgang eine grössere Signifikanz hat. Vergleichen wir mal schnell die wichtigsten Eigenschaften dieser beiden Firmen:

Dell: B2B

Apple: B2C

Dell: Nicht Innovator, sondern (Slow) Follower

Apple: Innovation um jeden Preis

Dell: Brave, langweilige Büro-Hardware.

Apple: Unterhaltungselektronik und Kreativ-Tools

Dell: Beige. Oder bestenfalls anthrazit.

Apple: Silbrig glänzend, glitzernd weiss, cool schwarz. Oder auch bunt.

Dell: Niedrigster Preis

Apple: Obszön hohe Preise

Dell: Direktverkauf

Apple: Teure, schicke Läden an bester Lage (aber auch gutes Online-Marketing)

Dell: User Interface wird von Microsoft kontrolliert

Apple: kontrolliert jedes Details des User Interface selber

Dell: Effizienz

Apple: Coolness

Und so weiter…

Warum soll das nun so relevant sein? Nun, es gibt derzeit einige Meta-Trends in der Wirtschaft, die eine Firma wie Apple begünstigen:

1. Die einzige Chance der westlichen Wirtschaft ist Kreativität und Innovation. Effizient sein können Indien und China besser.

2. Der Markt für Büro-PCs und Enterprise-Lösungen stagniert oder serbelt. Das nächste Spielfeld der Informationstechnologie ist das Wohnzimmer.

3. In einer Zeit der Commodity-Produkte können sich Hersteller nur noch mit exzellentem Design wirklich abheben (das ist übrigens auch ein grosses Thema am kommenden WEF in Davos).

Apple verkörpert diese Trends wie keine andere Firma. Ein anderes schönes Beispiel ist Samsung: Der koreanische Riese ist im Elektronikmarkt erst wirklich gross geworden, nachdem er das Billig-Image durch kompromisslose Innovation ersetzt hat. Und dass Google im Börsenwert längst SAP und Oracle weit überholt hat, passt auch ins Bild.

Schweizer Verleger:
Klagen statt Innovation

Andreas Göldi, 13. Januar 2006 um 12.55 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Die Schweizer Zeitungsverleger regen sich weiterhin darüber auf, dass das “staatliche” Schweizer Fernsehen ihnen vormacht, wie man eine vernünftige Internet-News-Plattform baut. Diese Woche wurde an einer Verlegertagung nochmals betont, dass man jetzt definitiv Klage gegen das Fernsehen einreichen will.

Ich spar mir jetzt, mich darüber lustig zu machen, das haben Roland SchönholzerJürg Stuker und Bruno Giussani bereits getan. Ausserdem habe ich vor Wochen schon hier und hier über diesen immer absurder werdenden Fall geschrieben. Ich finde es weiterhin bemerkenswert, dass die Verleger offenbar lieber viel Geld für Anwaltshonorare ausgeben, statt ihre Online-Produkte endlich mal auf ein vernünftiges Niveau zu bringen. Und ich frage mich, was für ein Verständnis von Unternehmertum das ist.

Zum zunehmenden Unmut in der Verlegerwelt über das Internet passt eine bitterböse Kolumne von Michael Kinsley (Ex-New Republic, Ex-CNN, Ex-Slate), in der er sich über den eigentlich absurden Prozess wundert, Information weiterhin in der unpraktischen und teuren Papierform zu verbreiten.

The trouble even an established customer will take to obtain a newspaper continues to shrink, as well. Once, I would drive across town if necessary. Today, I open the front door and if the paper isn’t within about 10 feet I retreat to my computer and read it online. Only six months ago, that figure was 20 feet. Extrapolating, they will have to bring it to me in bed by the end of the year and read it to me out loud by the second quarter of 2007.

Aber vielleicht gibt es noch Hoffnung, meint er:

That doesn’t mean newspapers are toast. After all, they’ve got the brand names. You gotta trust something called the “Post-Intelligencer” more than something called “Yahoo” or “Google,” don’t you? No, seriously, don’t you? Okay, how old did you say you are?

Autsch. Gerade das Argument “Wir haben immer noch die vertrauenswürdigsten Marken” wird von Zeitungsverlegern gerne vorgebracht, wenn sie auf die Bedrohung durch das Internet angesprochen werden. Inzwischen könnte man sich aber zunehmend fragen, ob das wirklich noch der Fall ist (bei den über 65-jährigen garantiert, aber sonst?). Könnte es sein, dass das Informationsorakel Google oder ein täglich genutztes Portal inzwischen bei der jüngeren Zielgruppe glaubwürdiger geworden ist als die Zeitung der Eltern?

Apple:
Absturzgefährdet?

Andreas Göldi, 12. Januar 2006 um 8.38 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Die Freude in der Apple-Gemeinde ist gross: Viel früher als erwartet bringt Apple die neuen “MacBooks” auf Intel-Basis auf den Markt. Der iPod verkauft sich weiterhin sensationell. Alles prima also?

Nicht so schnell: Innovations-Guru Clayton Christensen, über dessen sehr relevantes Werk ich hier schon öfters geschrieben habe, hebt den Warnfinger.

Apple läuft Gefahr, bezüglich iTunes und iPod wieder den gleichen Fehler zu machen wie schon einmal in seiner Geschichte, so Christensen in der BusinessWeek. Schon einmal, in der Anfangszeit der PCs, hatte Apple eine starke Marktstellung, beharrte aber auf seiner proprietären Plattform und wurde darum rechts und links von der Konkurrenz überholt, die auf offene Standards setzte.

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Financial Reporting für Blogger

Andreas Göldi, 12. Januar 2006 um 8.03 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Bill Burnham ist nicht nur ein erfolgreicher Venture Capitalist und exzellenter Blogger, er hat auch noch Humor. Zumindest Venture-Capital-Style-Humor.

In seinem neusten Post berichtet er uns im Stil einer Firmenmitteilung über die finanziellen Ergebnisse seines Blogs. Im letzten Quartal 2005 hat er den Umsatz seines Blogs tatsächlich um 176% gesteigert! Und zwar von $61.08 auf $168.64. Dazu Burnham:

Commenting on the results, Bill Burnham, Chief Blogger of Burnham’s Beat explains «This quarter’s results continue to demonstrate that blogging is a complete waste time. While we did not achieve our previously forecasted results of 100 billion page views and ‘Google-style cash, Baby!’, we remain hopeful that people forgot about those projections.

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Google Video Marketplace gestartet, lange Gesichter

Andreas Göldi, 10. Januar 2006 um 18.10 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Vor ein paar Tagen an der Consumer Electronics Show in Las Vegas kündigte Google seinen neuen Video Marketplace mit kostenpflichtigem Content von CBS und anderen Anbeitern an. Schon da gab es etwas Verwunderung, dass dieser neue Dienst nicht sofort startete. Heute ist es aber endlich so weit.

Vor einigen Stunden ist Video Marketplace gestartet (auf video.google.com) und hat leider ein ziemlich enttäuschendes Debut hingelegt. Die Bloggerszene reagiert bereits äusserst kritisch (Techdirt hat eine gute Zusammenfassung).

Zu sehen gibt es tatsächlich nicht viel. Neben den üblichen Junk-Videos, die man vorher schon auf Google Video finden konnte, gibt es nun eine neue Kategorie mit dem kommerziellen Content.

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Old Media und die Probleme mit den Feinheiten von Online-Communities

Andreas Göldi, 9. Januar 2006 um 18.27 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

…oder: Wie man ein $580 Mio. Dollar-Investment in kürzester Zeit in Gefahr bringt.

The Indepentent berichtet über einen Boykott von MySpace-Usern aufgrund von Zensurversuchen. Die Community-Plattform MySpace.com wurde im letzten Juli von Rupert Murdochs News Corporation für den satten Betrag von $580 Mio. gekauft. Ziel der teuren Akquisition war es, sich in den extrem attraktiv scheinenden Bereich der Jugend-Community-Sites einzukaufen. Und Myspace.com ist dort klarer Marktführer.

Doch die Old-Media-Manager von News Corp. scheinen leider nicht ganz zu kapieren, wie dieses neue Medium funktioniert. Nach Aussage von MySpace-Usern wurden Messages, die auf die konkurrenzierenden Video-Site YouTube verwiesen, einfach gelöscht.

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