Dreiste Suchmaschinen:
Verleger schlagen gnadenlos zurück und gründen Arbeitsgruppe
Nächste Folge im Fortsetzungsdrama “Zeitungsverleger gegen Suchmaschinen”: Die World Association of Newspapers (WAN), ein grosser Dachverband der Zeitungsverlage, holt jetzt die schweren Geschütze raus. Da man sich weiterhin darüber ärgert, dass Suchmaschinen wie Google und Yahoo so hohe Gewinne machen, soll jetzt eine Arbeitsgruppe prüfen, was man dagegen tun kann.
Gavin O’Reilly, WAN-Präsident und Leiter dieser Arbeitsgruppe, meint dazu:
“The search engines are increasingly aiming their strategic efforts at traditional content originators and aggregators like newspaper publishers. The irony is that these search engines exist, largely, because of the traditional news and content aggregators and profit at their expense.”
Aha. Klar, gesundes Selbstvertrauen ist natürlich wichtig. Vielleicht würde es aber zu einer realistischen Einschätzung der Lage beitragen, wenn Herr O’Reilly eine dieser Suchmaschinen mal selber ausprobieren würde. Dann würde er vielleicht entdecken, dass es sehr, sehr viel Content im Internet gibt, der nicht von Zeitungsverlagen kommt (die, nebenbei erwähnt, jederzeit problemlos Suchmaschinen aussperren können, wenn ihnen das alles nicht passt).
Machen wir mal die Probe aufs Exempel und suchen auf Google aus gegebenem Anlass nach dem Stichwort “China censorship”. Unter den ersten 50 Treffern stammen genau 13 von klassischen Medien, davon 5 von Print-Medien. Der Rest sind Blogs, akademische Institutionen, Wikipedia und so weiter. Auf Deutsch sieht es nicht fundamental anders aus: Immerhin 21 der ersten 50 Treffer stammen von professionellen Medien, 12 davon von Zeitungen. Eine totale Abhängigkeit der Suchmaschinen von Medienhäusern lässt sich daraus schwerlich ableiten.
Vor allem haben die Medienhäuser offensichtlich das Businessmodell von Google und anderen Suchmaschinen nach wie vor nicht begriffen: Zu solchen typischen politischen Zeitungsthemen wird nämlich kein einziger Werbelink eingeblendet, Google verdient also auch nichts daran. Wenn man hingegen nach einem kommerziell relevanten Begriff wie “Digitalkamera” sucht, stammen gerade noch 2 der Top-50 Treffer von klassischen Medien. Oder anders gesagt: Googles Umsatzquellen haben mit Zeitungsinhalt herzlich wenig zu tun.
Als erste Aktivität will die WAN-Arbeitsgruppe übrigens das Gespräch mit der EU-Kommission suchen. Ich bin sicher, dass Google bereits zittert. Die EU hat ja auch schon kompromisslos das monopolistische Vorgehen von Microsoft gestoppt. Oder so ähnlich.
Einmal mehr sei es gesagt: Mit politischem Lobbying, das auch noch auf leeren Behauptungen aufbaut, werden die Zeitungsverleger gar nichts erreichen. Der Wettlauf um die neue digitale Medienwelt entscheidet sich am Kundenmarkt und nirgendwo sonst. Und dort ist im Moment leider sehr wenig zu sehen von den Aktivitäten klassischer Medienhäuser.
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