Die Werbestatistik und ihre Probleme mit der nationalen Perspektive

Andreas Göldi, 25. Januar 2006 08:53 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Alle Jahre wieder veröffentlicht die WEMF die Statistik der Werbeausgaben im Schweizer Markt. Die diesjährige Auswertung bringt wenig Überraschendes: Die elektronischen Medien haben leicht zugelegt, die Zeitungen haben einiges verloren. Der Gesamtmarkt ist immerhin mit 1.2% gewachsen, die Werbekrise scheint also weitgehen überstanden zu sein.

Die Zahl für die Online-Werbung fällt auf den ersten Blick nicht gross auf. 38.8 Mio. CHF wurden 2005 in der Schweiz offenbar in Online-Werbung investiert. Das stellt eine Steigerungsrate von über 30% gegenüber dem Vorjahr dar. Trotzdem hat das Internet nach diesen Zahlen weiterhin einen Marktanteil am Werbekuchen von nur 1.06%. Nichts Neues also?

Erst ein Blick auf die

ch/pdf/d/AIS_Werbetr%E4ger.pdf”>ausgewerteten Werbeträger macht stutzig: Erfasst werden die beiden grossen Werbevermittler Adlink und web2com (vormals Publimedia Webadvertisting) sowie die grossen nationalen Portale (Bluewin, search.ch usw.).

Aber fehlt da nicht was?

Allerdings fehlt da was. Die schweizerischen Werbeaktivitäten auf Google, Yahoo, MSN und diversen weiteren internationalen Portalen werden offenbar nicht erfasst (oder bestenfalls lückenhaft mit den Umsätzen, die über die nationalen Werbevermittler laufen). Es stellt sich zudem die Frage, ob beispielsweise eBay und Ricardo nicht auch was mit Online-Werbung zu tun haben. Auch die Rubrikenplattformen fehlen komplett. Wenn man bei den Zeitungen die Rubrikenanzeigen mitzählt, müsste man das hier eigentlich auch tun.

Mit anderen Worten: Mindestens fünf der Top 10 Websites im Schweizer Markt werden von der offiziellen Werbestatistik weitgehend ignoriert, und ganze Werbekategorien werden ganz ausgelassen. Nach Hinzuzählen dieser “vergessenen” Umsätze würde sich die WEMF-Zahl, sehr vorsichtig geschätzt, wohl mindestens verdoppeln, eher noch verdreifachen.

In der Schweizer Medienszene wird gern heftig darüber gestritten, ob und wie man denn mit dem Internet Geld verdienen kann. Ein erster Schritt zur Objektivierung der Diskussion wäre es vermutlich, erstmal die Statistiken richtig hinzukriegen. Internet ist halt nun mal kein Medium, das sich nur innerhalb Landesgrenzen und im Rahmen klassischer Businessmodelle messen lässt.

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    (22. Juli 2008 09:51)

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