e-Books:
Werden sie jetzt endlich zum Erfolg?
Wie neulich schon hier berichtet, wagen sich jetzt wieder einige Hersteller, allen voran Sony, mit neuen e-Book-Systemen auf den Markt. Sony will mit seinem neuen Sony Reader nichts Geringeres als den “iPod unter den e-Book-Readern” schaffen.
Diese Message scheint bisher anzukommen. So schreibt beispielsweise das Wall Street Journal:
So will it fly? I don’t know. Still, I’m certain that something like the Sony Reader will catch on, if not this year then in a short time. The phenomenal success of the iPod strongly suggests that many, perhaps most, consumers are ready to start buying digital books on the Web and storing and reading them electronically.
Der Erfolg von e-Books blieb trotz zahlreicher Versuche bisher weit hinter den Erwartungen zurück. Zwar gibt es nach wie vor verschiedene Systeme, die einige Nischenmärkte bedienen, aber der Durchbruch ist dem papierlosen Lesen bisher verwehrt geblieben. Ganz gefloppt sind die Versuche, spezielle Geräte für e-Books zu verkaufen, wie das beispielsweise zuletzt die Firma Gemstar versucht hat.
Die übriggebliebenen e-Book-Systeme sind rein softwarebasiert und bauen auf bestehender Standard-Hardware auf, insbesondere Tablet-PCs und PDAs. Die prominentesten Anbieter sind sicher Microsoft und Adobe, gut etabliert hat sich aber auch Mobipocket. Bedauerlicherweise sind alle diese Systeme natürlich untereinander komplett inkompatibel.
Ich gehöre zu den offenbar wenigen Leuten, die tatsächlich hin und wieder ein e-Book auf dem PDA oder Tablet-PC lesen. Es gibt zwei Faktoren, die mich dazu motivieren:
1) Man hat immer einen Grundstock an interessanter Literatur bei sich, mit der man Wartezeiten aller Art überbrücken kann. Darum lese ich tendenziell auch keine grossen Romane in elektronischer Form, sondern eher Bücher, bei denen man leicht ein- und wieder aussteigen kann — im Moment beispielsweise die Sammlung der Fortune-Kolumnen von Stanley Bing. Das ist idealer e-Book-Stoff, da man eine einzelne Kolumne in wenigen Minuten lesen kann, also etwa in einer In-der-Strassenbahn-nach-Hause-fahren-Länge.
2) Für Referenzwerke ist das e-Book-Format ideal. Wörterbücher und Restaurantführer sind nicht zufällig die meistverkauften e-Books.
Im Moment zumindest halte ich übrigens Mobipocket für das empfehlenswerteste System. Es ist auf der breitesten Palette von Hardware verfügbar und bietet eine ziemlich gute Auswahl an Titeln in Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. Bei den grossen Herstellern hingegen scheinen e-Books eher ein Nebenthema zu sein. Microsoft hat seinen Reader bisher noch nicht einmal auf den Windows-Mobile-Geräten der neusten Generation sauber zum Laufen gekriegt.
Wird das neue Sony-Gerät mit seinem neuartigen Bildschirm aus elektronischer Tinte nun den Durchbruch bringen? Ehrlich gesagt zweifle ich daran noch. Der Vergleich mit dem iPod hinkt stark, denn die Nutzungsgewohnheiten sind völlig anders. Ein Musikstück kauft man gern mal aus einem Impuls heraus und konsumiert es quasi nebenbei. Ein elektronisches Buch hingegen ist nicht nur deutlich teurer, sondern stellt auch ein ganz andersartiges zeitliches Commitment dar. Mit einem Buch verbringe ich konzentrierte Stunden, mit einem Musikstück nur beiläufige vier Minuten. Das ist ein wesentlicher Unterschied, weil die Hürde viel höher ist.
Hinzu kommt die Hardware. Der Sony Reader, den ich an der CES in Las Vegas gesehen habe, löst leider keinen iPod-ähnlichen “Muss ich haben”-Reflex aus. Der Screen ist sicher besser als alles, was man bisher gesehen hat, aber leider immer noch nicht richtig befriedigend. Da bleibe ich für den Moment gern bei meinem PDA. Und natürlich bei papierbasierten Büchern.
Denn auch die neuste Generation der e-Books gibt keine zufriedenstellende Antwort auf die “4-B”-Frage. Ein echter Ersatz für das papierene Buch muss nämlich problemlos und komfortabel funktionieren am “Beach”, im “Bathroom”, im Bett und im Bus.
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