Yahoo präsentiert Rekordergebnis und stürzt ab

Andreas Göldi, 18. Januar 2006 09:27 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Yahoo gab gestern seine Quartalsergebnisse bekannt: 39% mehr Umsatz und sogar 83% Gewinnsteigerung. Sensationell, oder? Da muss die Börse doch reagieren?

Tat sie auch. Und zwar mit 13% Kursverlust. Denn einige Analysten (zur Erinnerung: Das sind diese äussert kompetenten Finanzexperten, laut deren Vorhersagen der Dow Jones inzwischen bei etwa 36′000 Punkten stehen müsste) hatten noch höhere Steigerungsraten erwartet.

Hallo?! Auf welchem Planeten leben diese Leute eigentlich?

Ich hätte bezüglich Analysten einen kleinen Verbesserungsvorschlag: Die Banken sollten diese Typen doch bitte fesseln, knebeln und im Keller einsperren. Hinten links neben den Goldbarren ist sicher noch Platz.

Mit Schaudern erinnere ich mich an die letzte Bubble Anno 2000 zurück, als mir irgendwelche 26jährigen Analysten erklärten, wie toll doch Softwarefirma X und Internet-Startup Y seien. Wenn man die Herren Analysten damals fragte, ob sie denn wüssten, was die Firmen X und Y genau machten, erntete man nur verständnislos-arrogante Blicke. Mit solchen Details beschäftigt sich ein Finanzgott nicht! Die “Anlagestory” muss stimmen. Firmen X und Y gingen kurz darauf Pleite, was auch jeder halbwegs sachverständige Brancheninsider hätte voraussagen können.

Die absurden Börsenkurse, die die grossen Internet-Firmen aufgrund der Analysten-Vorhersagen jetzt bereits wieder erreichen, nützen wirklich niemandem was (ausser vielleicht kurzfristig ein paar Spekulanten). Dass es inzwischen schon wieder Analysten gibt, die beispielsweise einen Kurs von $2000 für Google vorhersagen, ist nur ganz genau eines: destruktiv. Denn solche utopischen Erwartungen kann kein Unternehmen erfüllen, und darum folgt unweigerlich Enttäuschung, wie jetzt eben bei Yahoo gesehen.

Natürlich gibt es inzwischen schon wieder Kommentatoren, die diesen komplett realitätsfernen Kursausrutscher bereits als Beginn des grossen Web-2.0-Crashs interpretieren. Kann sein, dass sich die Kurse wieder auf ein realistisches Niveau normalisieren. Sinnvoll wäre es ja. Und ich wünsche den Managementteams von Google, Yahoo und Konsorten, dass sie unbeeindruckt davon ihre realweltlichen Strategien weiterverfolgen. Denn dort entsteht Wertschöpfung, nicht bei den Börsenzockern.

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