Europäer werfen sich hinter den abgefahrenen Suchmaschinen-Zug
“Quaero” heisst, wie jeder humanistisch gebildete (europäische) Mensch natürlich weiss, “ich suche” auf Latein. Und exakt so soll dereinst die neue französisch-deutsche Suchmaschine heissen, die die schurkigen Amerikaner von Google und Konsorten vom virtuellen europäischen Kontinent vertreiben soll.
Kein Geringerer als Präsident Chirac kündigte nämlich Anfang Jahr an, dass die beiden führenden (aus ihrer Perspektive) europäischen Nationen sich zusammentun werden, um eine Suchmaschine zu bauen, die den amerikanischen Internet-Kulturimperialismus beenden soll. Beide Länder werden hierfür das Beste aufbieten, was ihre High-Tech-Industrie zu bieten hat: Thomson und France Telecom werden die stolze französische Nation vertreten, die Deutsche Telekom und Bertelsmann die deutsche Seite.
Also lauter Firmen mit einem herausragenden Leistungsausweis im globalen Internet-Wettbewerb. Oder so.
Natürlich bewegen sich die europäischen Nationen mit Vollgas, wie das im Internet ja nötig ist: Im April 2005 wurde das Projekt durch die europäischen Ministerpräsidenten verabschiedet. Und schon jetzt, Anfang 2006, wird es, äh, nochmals angekündigt. Aber diesmal richtig!
Bereits findet sich eine Trägergruppe grosser, wichtiger Institutionen zusammen. Als Ober-Koordinator liess sich inzwischen Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer gewinnen. Was soll da noch schief gehen? Die Franzosen werden, ebenso wie die Deutschen, den stolzen Betrag von EUR 150 Mio. investieren. Wenn da Google mit seinen läppischen paar Milliarden Investitionsvolumen mal nicht Panik kriegt!
Quaero soll nämlich auch ganz tolle Innovationen bieten: Man wird nach Texten und Bildern suchen können, und das nicht nur per Web-Browser, sondern auch per Mobilgerät. Und erst noch in vielen verschiedenen Sprachen. Also fast so wie bei Google…
Nein, mal im Ernst: Ich finde es ja sehr gut, dass Europa die ganze Internet-Innovation nicht einfach den Amerikanern überlassen will. Aber wie bitte will man im vollen Ernst im bereits hochentwickelten Suchmaschinen-Markt noch eine führende Rolle einnehmen?
Der typische europäische Industriekonsortiums-Ansatz mit massivem Politiker-Einfluss wird da garantiert auch nicht helfen. Bis diese schwerfälligen Institutionen sich fertig koordiniert haben, sind die Amis längst zwei Technologiegenerationen weiter. Wie schräg das Projekt bereits jetzt liegt, zeigt sich vermutlich an der Tatsache, dass Thomson inzwischen die offizielle Projekthomepage gesperrt hat.
Vielleicht wäre es ja sinnvoller, die Mittel dort zu investieren, wo Europa eine führende Position hat bzw. bis vor kurzem noch hatte: Im Mobilbereich. Vor fünf Jahren lag Europa weit vor dem Rest der Welt, was mobile Kommunikation anging (nicht zuletzt, das sei auch erwähnt, dank der staatlich geförderten GSM-Norm). Inzwischen haben uns Korea und Japan überholt, und die Amerikaner haben beinahe aufgeschlossen. Wirklich eine verpasste Chance, die man mit rein politisch motiviertem Suchmaschinen-Aktionismus nicht mehr ohne weiteres wettmacht.













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