Apple überholt Dell an der Börse:
Zeichen der Zeit?

Andreas Göldi, 14. Januar 2006 18:15 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Da wir’s gerade von Apple hatten: Am Freitag (13.1.06) ereignete sich an der NASDAQ etwas Bemerkenswertes: Der Börsenwert von Apple überholte denjenigen von Dell (via Nicholas Carr).

Dell: $71,970,702,760

Apple: $72,132,428,843

Klar, der Vorsprung ist nicht gross, und schon ein einziger Handelstag kann die Situation wieder umkehren. Aber man kann Apple, einer Firma, die vor einigen Jahren (und dazwischen immer wieder) praktisch totgesagt wurde, natürlich nur gratulieren.

Ich denke, dass dieser bemerkenswerte Überholvorgang eine grössere Signifikanz hat. Vergleichen wir mal schnell die wichtigsten Eigenschaften dieser beiden Firmen:

Dell: B2B

Apple: B2C

Dell: Nicht Innovator, sondern (Slow) Follower

Apple: Innovation um jeden Preis

Dell: Brave, langweilige Büro-Hardware.

Apple: Unterhaltungselektronik und Kreativ-Tools

Dell: Beige. Oder bestenfalls anthrazit.

Apple: Silbrig glänzend, glitzernd weiss, cool schwarz. Oder auch bunt.

Dell: Niedrigster Preis

Apple: Obszön hohe Preise

Dell: Direktverkauf

Apple: Teure, schicke Läden an bester Lage (aber auch gutes Online-Marketing)

Dell: User Interface wird von Microsoft kontrolliert

Apple: kontrolliert jedes Details des User Interface selber

Dell: Effizienz

Apple: Coolness

Und so weiter…

Warum soll das nun so relevant sein? Nun, es gibt derzeit einige Meta-Trends in der Wirtschaft, die eine Firma wie Apple begünstigen:

1. Die einzige Chance der westlichen Wirtschaft ist Kreativität und Innovation. Effizient sein können Indien und China besser.

2. Der Markt für Büro-PCs und Enterprise-Lösungen stagniert oder serbelt. Das nächste Spielfeld der Informationstechnologie ist das Wohnzimmer.

3. In einer Zeit der Commodity-Produkte können sich Hersteller nur noch mit exzellentem Design wirklich abheben (das ist übrigens auch ein grosses Thema am kommenden WEF in Davos).

Apple verkörpert diese Trends wie keine andere Firma. Ein anderes schönes Beispiel ist Samsung: Der koreanische Riese ist im Elektronikmarkt erst wirklich gross geworden, nachdem er das Billig-Image durch kompromisslose Innovation ersetzt hat. Und dass Google im Börsenwert längst SAP und Oracle weit überholt hat, passt auch ins Bild.

» Weitere Analysen lesen.

» Nächster Artikel: Europäer werfen sich hinter den abgefahrenen Suchmaschinen-Zug
» Älterer Artikel: Schweizer Verleger: Klagen statt Innovation

» Drucken
» Merken/E-Mail

1 Kommentar zu diesem Artikel

  1. Scheidig

    schrieb am 1. März 2008 um 05:30 Uhr (#)

    …jeder liebt den Mac…so ähnlich wie den Mercedes…es sind einfach die besseren Computer !
    Man erwirbt Stil ..und nicht Schrott.
    Ich hasse amerikanische Produkte s.o,..und würde sie samt und sonders boykottieren…nur nicht Apple !!
    Allein diese Figur “Steve Jobs”…ein charismatischer Füher wie Mao oder Stalin…unglaublich inovativ & aggressiv in einer Zeit des zuammenbrechendem Weltwirtschaftssystems..


Einen Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

 
blogoscoop slug