Old Media und die Probleme mit den Feinheiten von Online-Communities
Von Andreas Göldi am 9. Januar 2006 um 18:27 Uhr Kommentare (0)
Kategorien: Analysen
…oder: Wie man ein $580 Mio. Dollar-Investment in kürzester Zeit in Gefahr bringt.
The Indepentent berichtet über einen Boykott von MySpace-Usern aufgrund von Zensurversuchen. Die Community-Plattform MySpace.com wurde im letzten Juli von Rupert Murdochs News Corporation für den satten Betrag von $580 Mio. gekauft. Ziel der teuren Akquisition war es, sich in den extrem attraktiv scheinenden Bereich der Jugend-Community-Sites einzukaufen. Und Myspace.com ist dort klarer Marktführer.
Doch die Old-Media-Manager von News Corp. scheinen leider nicht ganz zu kapieren, wie dieses neue Medium funktioniert. Nach Aussage von MySpace-Usern wurden Messages, die auf die konkurrenzierenden Video-Site YouTube verwiesen, einfach gelöscht.
Auch entsprechende Links gingen nur ins Leere. Vermutlich wollte man einfach nur verhindern, dass die User auf die Idee kommen, konkurrenzierende Sites zu benutzen.
Erst als sich mehrere hundert User zu einem Boykott zusammenschlossen und MySpace in Scharen verliessen, schien sich der neue Besitzer eines Besseren zu besinnen. Plötzlich gingen die Links wieder. News Corp. will den Vorfall nicht näher kommentieren.
Mal ehrlich, wie dumm kann man eigentlich sein? Wer auch nur drei Minuten über die Eigenschaften solcher Community-Sites nachdenkt, kommt sehr schnell zum Schluss, dass das Vertrauen der User das wichtigste Kapital ist. Dachte News Corp. wirklich im Ernst, dass solche “Lock-In”-Versuche unentdeckt bleiben? Und dass die dummen/faulen/trägen Teenager sicher nichts dagegen tun würden, falls sie die Zensur doch entdeckten?
MySpace hat im Moment sowieso so seine Probleme und wird von Eltern und Schulen recht massiv angegriffen (nicht ganz unverständlicherweise, nachdem z.B. die halbe kalifornische Porno-Branche sich persönliche Homepages auf Myspace eingerichtet hat). Während das ja vielleicht sogar den Reiz für die Teenies noch erhöht, ist ein Eingriff in User-Nachrichten definitiv sehr, sehr uncool. Und uncool tut schnell mal auch geschäftlich weh: Friendster beispielsweise ist sehr schnell in Ungnade gefallen, und Myspace könnte das gleiche Schicksal blühen.
Communities sind sehr labile Gebilde: Wenn sie auch nur wenig in Schieflage geraten, können sie schnell mal kippen. Und wenn MySpace wegen dieser Zensurversuche kippen würde, sässe Rupert Murdoch auf der vielleicht teuersten Site-Ruine seit pets.com.
(via Slashdot)
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