Live von der CES:
Sony und Philips wollen uns was zu lesen geben

Andreas Göldi, 7. Januar 2006 13:10 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Es soll ja immer noch Leute geben, die zwecks Entertainment auch durchaus mal ein gutes Buch lesen. Das gedruckte Wort ist an der CES aber praktisch abwesend: Ich habe nur einen einzigen Bücherstand gesehen, und an dem wurden nur wenig literarische Titel wie “Wireless Router Modding for Dummies” verkauft.

Sony und Philips aber wollen das Buch ins digitale Zeitalter heben. Sony präsentierte seinen neuen E-Book-Reader — phantasievollerweise “Sony Reader” genannt –, der auf E-Ink-Technologie basiert. Es scheint Sony wirklich sehr ernst zu sein damit: Anlässlich der Sony-Keynote wurde kein Geringerer als Bestseller-Autor Dan Brown (”The Da Vinci Code”) eingeladen, um das Produkt zu promoten.

Das Gerät mit seinem 6-Zoll-Display kann Text und Grafiken in vier Graustufen darstellen. Dank der Eigenschaften von E-Ink ist das Bild perfekt ruhig, einiges angenehmer lesbar als beispielsweise ein gängiger LCD-Screen. Ausserdem benötigt E-Ink nur sehr wenig Strom, was die Batterielebensdauer erheblich steigert. Trotzdem, die Auflösung (800×600) ist noch nicht vergleichbar mit einem gedruckten Buch. Die Typographie wirkt noch etwas unruhig, wenn auch tatsächlich erheblich besser als alles, was es an e-Book-Readern bisher gab.

Der Sony Reader soll in den USA 299-399 $ kosten und mit einem Online-Shop mit etwa 10′000 Büchern starten. Man scheint damit eine iPod-ähnliche Strategie zu verfolgen: Einfaches, spezialisiertes Gerät und Content aus einer Hand. In Europa müssen sich die Interessenten wieder einmal etwas länger gedulden, da es offenbar noch ein paar Probleme mit den Copyrights gibt.

Bei Philips war man noch nicht so weit mit fertigen Produkten, zeigte aber dafür den Prototypen eines rollbaren E-Paper-Displays. Das Gerät kann im zugerollten Zustand transportiert werden, was den Reader erheblich kompakter macht als das Sony-Modell. Ob und wann aus dieser Prinzipstudie ein kaufbares Produkt wird, ist aber noch nicht klar.

Auch wenn die Entwicklung bei den Displays also gut vorankommt, kann das Konzept der heutigen e-Book-Reader noch nicht wirklich überzeugen. Sonys Plan, “den iPod unter den E-Book-Readern” zu bauen, bleibt leider im Ansatz stecken. Der Sony Reader ist ein nettes Produkt, aber weit entfernt vom Innovations- und Designappeal eines iPod. Ausserdem hat das Display bei allen Fortschritten noch ganz offensichtliche Limitationen. Kann gut sein, dass solche Geräte in Nischenmärkten (z.B. für wissenschaftliche Referenzwerke) ihren Platz finden, aber den Paperback-Krimi werden sie noch lange nicht ablösen.

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