Dreiste Suchmaschinen:
Verleger schlagen gnadenlos zurück und gründen Arbeitsgruppe

Andreas Göldi, 31. Januar 2006 um 21.50 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Nächste Folge im Fortsetzungsdrama “Zeitungsverleger gegen Suchmaschinen”: Die World Association of Newspapers (WAN), ein grosser Dachverband der Zeitungsverlage, holt jetzt die schweren Geschütze raus. Da man sich weiterhin darüber ärgert, dass Suchmaschinen wie Google und Yahoo so hohe Gewinne machen, soll jetzt eine Arbeitsgruppe prüfen, was man dagegen tun kann.

Gavin O’Reilly, WAN-Präsident und Leiter dieser Arbeitsgruppe, meint dazu:

“The search engines are increasingly aiming their strategic efforts at traditional content originators and aggregators like newspaper publishers. The irony is that these search engines exist, largely, because of the traditional news and content aggregators and profit at their expense.”

Aha. Klar, gesundes Selbstvertrauen ist natürlich wichtig. Vielleicht würde es aber zu einer realistischen Einschätzung der Lage beitragen, wenn Herr O’Reilly eine dieser Suchmaschinen mal selber ausprobieren würde. Dann würde er vielleicht entdecken, dass es sehr, sehr viel Content im Internet gibt, der nicht von Zeitungsverlagen kommt (die, nebenbei erwähnt, jederzeit problemlos Suchmaschinen aussperren können, wenn ihnen das alles nicht passt).

Machen wir mal die Probe aufs Exempel und suchen auf Google aus gegebenem Anlass nach dem Stichwort “China censorship”. Unter den ersten 50 Treffern stammen genau 13 von klassischen Medien, davon 5 von Print-Medien. Der Rest sind Blogs, akademische Institutionen, Wikipedia und so weiter. Auf Deutsch sieht es nicht fundamental anders aus: Immerhin 21 der ersten 50 Treffer stammen von professionellen Medien, 12 davon von Zeitungen. Eine totale Abhängigkeit der Suchmaschinen von Medienhäusern lässt sich daraus schwerlich ableiten.

Vor allem haben die Medienhäuser offensichtlich das Businessmodell von Google und anderen Suchmaschinen nach wie vor nicht begriffen: Zu solchen typischen politischen Zeitungsthemen wird nämlich kein einziger Werbelink eingeblendet, Google verdient also auch nichts daran. Wenn man hingegen nach einem kommerziell relevanten Begriff wie “Digitalkamera” sucht, stammen gerade noch 2 der Top-50 Treffer von klassischen Medien. Oder anders gesagt: Googles Umsatzquellen haben mit Zeitungsinhalt herzlich wenig zu tun.

Als erste Aktivität will die WAN-Arbeitsgruppe übrigens das Gespräch mit der EU-Kommission suchen. Ich bin sicher, dass Google bereits zittert. Die EU hat ja auch schon kompromisslos das monopolistische Vorgehen von Microsoft gestoppt. Oder so ähnlich.

Einmal mehr sei es gesagt: Mit politischem Lobbying, das auch noch auf leeren Behauptungen aufbaut, werden die Zeitungsverleger gar nichts erreichen. Der Wettlauf um die neue digitale Medienwelt entscheidet sich am Kundenmarkt und nirgendwo sonst. Und dort ist im Moment leider sehr wenig zu sehen von den Aktivitäten klassischer Medienhäuser.

Was Telefonzellen mit Network Computing zu tun haben

Andreas Göldi, 31. Januar 2006 um 15.47 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Gross in Mode im IT-Business ist derzeit wieder mal das Network Computing. Fast alle Prognostiker behaupten, dass sich das Zeitalter des Personal Computers mit seiner lokalen Datenhaltung dem Ende zuneigt und wir bald schon alle Daten und Anwendungen aus dem Netzwerk beziehen werden. Erst recht wird es bald als absurd angesehen werden, meint sogar Bill Gates, einen mobilen PC mit sich herumzutragen — wo doch schon bald überall universelle Datentankstellen in der Form öffentlicher Terminals zur Verfügung stehen werden. Netzwerkorientierte Firmen wie Sun vertreten diese Meinung mit fast schon fundamentalistischem Eifer.

Wird der PC also bald überflüssig? Ich bin nicht dieser Meinung, und zwar aufgrund eines Analogieschlusses aus einer Entwicklung, die sich vor unser aller Augen in den letzten Jahren abgespielt hat.

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Wie sehen die tragbaren Computer der nächsten Generation aus?

Andreas Göldi, 31. Januar 2006 um 12.48 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Seit bald 20 Jahren, ungefähr seit dem Auftauchen des IBM PC Convertible nämlich, sehen tragbare Computer so aus wie heute jeder Standard-Laptop: Ein aufklappbares Gerät mit flachem LCD-Screen. Wesentliche Innovationen im Formfaktor tragbarer PCs gab es seither kaum mehr, von einigen mehr oder minder dramatisch gescheiterten Versuchen abgesehen.

Wer bezweifelt, dass der Laptop unser Leben und Arbeiten verändert hat, braucht sich nur einmal im Zug, Flughafen oder im nächsten Starbucks umzusehen: Mobiles Computing ist heute selbstverständlich und allgegenwärtig. Aber die Mobilität hat Grenzen, denn einen typischen 3-kg-Laptop nimmt man noch längst nicht überall hin mit. Und auch bei Sitzungen und Vorträgen gilt es immer noch als recht unhöflich, einen aufgeklappten Laptop zu benutzen — von gewissen » weiterlesen

Old vs. New Media:
Wiederholt sich die Geschichte?

Andreas Göldi, 30. Januar 2006 um 17.20 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Neulich habe ich hier ja schon mal etwas über das etwas angeschlagene Selbstverständnis der Medienschaffenden im digitalen Zeitalter geschrieben (Anlass war die inzwischen hinlänglich bekannte Story rund um Jean-Remy von Matts unglückliche Äusserung über Blogs. Dieses Thema ist jetzt schon seit bald zwei Wochen in der Technorati-Top-5-Liste. Beeindruckende Kommunikationsleistung, das muss man sagen.).

Jack Shafer schreibt in einer lesenswerten Kolumne in Slate regelmässig über den Themenkreis Old vs. New Media (bisher ohne Referenz auf deutsche Werber allerdings). Als klassischer Journalist mit langjährigem Print-Hintergrund ist Shafer auch kaum der Online-Parteilichkeit verdächtig. Umso erstaunlicher, wie er in seiner aktuellen Kolumne zur Sache geht:

Like the long-gone typesetters, today’s newspaper guild members believe that their job is somehow their “property,” and that no amateur can step in to perform their difficult and arduous tasks.

Er vergleicht die aktuellen Entwicklungen rund um Blogging mit der technischen Revolution, die die Zeitungen mit der Einführung des Fotosatzes erlebten. Für die Zeitungsverlage waren die resultierenden Einsparungen damals sehr positiv, für die auf der alten Technologie geschulten Drucktechniker hingegen nicht.

Und bei der neusten technischen Revolution, meint Shafer, geht es den Verlagen und Medienschaffenden an den Kragen:

[You] can make the case that the next entrenched “guild” that technology is likely to bulldoze is the “newspaper guild.” I’m not speaking of the union of the same name, but of those who work in the news business—reporters, editors, publishers, radio and TV broadcasters, etc. [...]

If you loosely define journalism as words and graphics about current events deliverable on tight deadline to a mass audience, the price of entry into the craft has dropped to a few hundred dollars.

Und seine Schlussfolgerung stösst ins gleiche Horn wie mein vorhergehender Beitrag hier:

The newspaper guild (again, reporters, editors, publishers) can’t compete by adding a few blogs here, blogging up coverage over there, and setting up “comment” sections. If newspapers, magazines, and broadcasters don’t produce spectacular news coverage no blogger can match, they have no right to survive.

Hart formuliert, aber absolut richtig. Die ökonomischen Verhältnisse in den Medien verschieben sich dramatisch, und darum wird die Wettbewerbssituation sich weiter stark verschärfen.

Sollten Journalisten bloggen?

Andreas Göldi, 30. Januar 2006 um 16.49 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

In den deutschsprachigen Medien ist die Blog-Manie ausgebrochen: Immer mehr Zeitungen und elektronische Medien publizieren in ihren Online-Ausgaben themenspezifische Blogs ihrer Redakteure. Gelegentlich ist auch mal ein bloggender Chefredakteur dabei.

Man wird den Eindruck nicht so ganz los, dass diese Blogs vor allem aus einem Grund existieren: Seit Monaten wird in der Medienbranche (zuweilen heftig bis etwas hysterisch) diskutiert, dass klassische Medien durch Blogging unter Druck geraten. Plötzlich kann jeder Amateur weltweit publizieren, und das kanalisiert fast zwangsläufig Leser-Aufmerksamkeit (und damit u.

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Nicht anrufen, nicht zur Homepage surfen, sondern googeln

Andreas Göldi, 26. Januar 2006 um 7.21 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Gerade haben sich ja Leute aus dem Yahoo-Management dahingehend geäussert, dass sie im Search-Bereich die Aufholjagd gegenüber Google eigentlich aufgegeben haben. Damit haben sie vermutlich auch recht, denn Googles Markenstärke auf diesem Gebiet ist kaum zu schlagen.

Neustes Beispiel dafür ist ein Werbespot für Pontiac, der gerade in den USA angelaufen ist. Jeder vernünftige Werbespot endet ja mit einem “Call to Action”. Man wird aufgefordert, eine Telefonnummer anzurufen, zum Händler zu gehen oder die Homepage der jeweiligen Firma aufzurufen.

Nicht so bei Pontiac. Dort fordert der neuste Spot auf:

“Don’t take our word for it, google Pontiac and discover for yourself”

Mit anderen Worten: Google ist aus Sicht der Werber (die sich solche Dinge normalerweise sehr gut überlegen) zu einer so selbstverständlichen Infrastruktur geworden, dass man andere Kontaktmedien gar nicht mehr erwähnen muss.

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Die Werbestatistik und ihre Probleme mit der nationalen Perspektive

Andreas Göldi, 25. Januar 2006 um 8.53 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Alle Jahre wieder veröffentlicht die WEMF die Statistik der Werbeausgaben im Schweizer Markt. Die diesjährige Auswertung bringt wenig Überraschendes: Die elektronischen Medien haben leicht zugelegt, die Zeitungen haben einiges verloren. Der Gesamtmarkt ist immerhin mit 1.2% gewachsen, die Werbekrise scheint also weitgehen überstanden zu sein.

Die Zahl für die Online-Werbung fällt auf den ersten Blick nicht gross auf. 38.8 Mio. CHF wurden 2005 in der Schweiz offenbar in Online-Werbung investiert. Das stellt eine Steigerungsrate von über 30% gegenüber dem Vorjahr dar. Trotzdem hat das Internet nach diesen Zahlen weiterhin einen Marktanteil am Werbekuchen von nur 1.06%. Nichts Neues also?

Erst ein Blick auf die » weiterlesen

Moderner Journalismus für Fortgeschrittene:
Wie zitiert man eigentlich Blogger richtig?

Andreas Göldi, 24. Januar 2006 um 22.14 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Kürzlich habe ich mich anhand des aktuellen Blog-Skandälchens rund um Werber Jean-Remy von Matt hier etwas über die gemischen Gefühle ausgelassen, die Journalisten und Werber offenbar immer noch den neuen Medien und ihrer unbegrenzten Publikationsfreiheit gegenüber empfinden.

Ironie des Schicksals, dass man anhand dieses Falls gleich noch eine weitere Nuance dieses schwierigen Verhältnisses illustrieren kann: Journalisten tun sich schrecklich schwer damit, Meinungen aus der Blogosphere vernünftig zu zitieren.

Mein absoluter Lieblings-Newsdienst persoenlich.com hat die Von-Matt-Story aufgegriffen und » weiterlesen

Einflussreichste Brands:
Digital regiert

Andreas Göldi, 23. Januar 2006 um 8.05 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Die Branding-Agentur Interbrand führt jedes Jahr eine Umfrage unter den Lesern ihres Online-Magazins brandchannel.com durch und fragt sie nach den einflussreichsten Marken. Die Ergebnisse sind zwar nicht repräsentativ, aber da Interbrand die vermutlich bedeutendste Branding-Agentur der Welt ist, darf man ihnen doch hohe Signifikanz zugestehen.

Dieses Jahr hat Interbrand folgende Rangfolge der global einflussreichsten Brands ermittelt:

1. Google

2. Apple

3. Skype

4. Starbucks

5. Ikea

6. Nokia

7. Yahoo

8.

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e-Books:
Werden sie jetzt endlich zum Erfolg?

Andreas Göldi, 22. Januar 2006 um 19.36 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Wie neulich schon hier berichtet, wagen sich jetzt wieder einige Hersteller, allen voran Sony, mit neuen e-Book-Systemen auf den Markt. Sony will mit seinem neuen Sony Reader nichts Geringeres als den “iPod unter den e-Book-Readern” schaffen.

Diese Message scheint bisher anzukommen. So schreibt beispielsweise das Wall Street Journal:

So will it fly? I don’t know. Still, I’m certain that something like the Sony Reader will catch on, if not this year then in a short time. The phenomenal success of the iPod strongly suggests that many, perhaps most, consumers are ready to start buying digital books on the Web and storing and reading them electronically.

Der Erfolg von e-Books blieb trotz zahlreicher Versuche bisher weit hinter den Erwartungen zurück. Zwar gibt es nach wie vor verschiedene Systeme, die einige Nischenmärkte bedienen, aber der Durchbruch ist dem papierlosen Lesen bisher verwehrt geblieben. Ganz gefloppt sind die Versuche, spezielle Geräte für e-Books zu verkaufen, wie das beispielsweise zuletzt die Firma Gemstar versucht hat.

Die übriggebliebenen e-Book-Systeme sind rein softwarebasiert und bauen auf bestehender Standard-Hardware auf, insbesondere Tablet-PCs und PDAs. Die prominentesten Anbieter sind sicher Microsoft und Adobe, gut etabliert hat sich aber auch Mobipocket. Bedauerlicherweise sind alle diese Systeme natürlich untereinander komplett inkompatibel.

Ich gehöre zu den offenbar wenigen Leuten, die tatsächlich hin und wieder ein e-Book auf dem PDA oder Tablet-PC lesen. Es gibt zwei Faktoren, die mich dazu motivieren:

1) Man hat immer einen Grundstock an interessanter Literatur bei sich, mit der man Wartezeiten aller Art überbrücken kann. Darum lese ich tendenziell auch keine grossen Romane in elektronischer Form, sondern eher Bücher, bei denen man leicht ein- und wieder aussteigen kann — im Moment beispielsweise die Sammlung der Fortune-Kolumnen von Stanley Bing. Das ist idealer e-Book-Stoff, da man eine einzelne Kolumne in wenigen Minuten lesen kann, also etwa in einer In-der-Strassenbahn-nach-Hause-fahren-Länge.

2) Für Referenzwerke ist das e-Book-Format ideal. Wörterbücher und Restaurantführer sind nicht zufällig die meistverkauften e-Books.

Im Moment zumindest halte ich übrigens Mobipocket für das empfehlenswerteste System. Es ist auf der breitesten Palette von Hardware verfügbar und bietet eine ziemlich gute Auswahl an Titeln in Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. Bei den grossen Herstellern hingegen scheinen e-Books eher ein Nebenthema zu sein. Microsoft hat seinen Reader bisher noch nicht einmal auf den Windows-Mobile-Geräten der neusten Generation sauber zum Laufen gekriegt.

Wird das neue Sony-Gerät mit seinem neuartigen Bildschirm aus elektronischer Tinte nun den Durchbruch bringen? Ehrlich gesagt zweifle ich daran noch. Der Vergleich mit dem iPod hinkt stark, denn die Nutzungsgewohnheiten sind völlig anders. Ein Musikstück kauft man gern mal aus einem Impuls heraus und konsumiert es quasi nebenbei. Ein elektronisches Buch hingegen ist nicht nur deutlich teurer, sondern stellt auch ein ganz andersartiges zeitliches Commitment dar. Mit einem Buch verbringe ich konzentrierte Stunden, mit einem Musikstück nur beiläufige vier Minuten. Das ist ein wesentlicher Unterschied, weil die Hürde viel höher ist.

Hinzu kommt die Hardware. Der Sony Reader, den ich an der CES in Las Vegas gesehen habe, löst leider keinen iPod-ähnlichen “Muss ich haben”-Reflex aus. Der Screen ist sicher besser als alles, was man bisher gesehen hat, aber leider immer noch nicht richtig befriedigend. Da bleibe ich für den Moment gern bei meinem PDA. Und natürlich bei papierbasierten Büchern.

Denn auch die neuste Generation der e-Books gibt keine zufriedenstellende Antwort auf die “4-B”-Frage. Ein echter Ersatz für das papierene Buch muss nämlich problemlos und komfortabel funktionieren am “Beach”, im “Bathroom”, im Bett und im Bus.

 
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