Weitere Stimmen zum Classifieds-Markt
Zum Thema ökonomische Veränderungen im Classifieds-Markt habe ich hier ja schon einiges geschrieben (hier, hier und hier).
Zwei weitere Artikel zu diesem Themenkreis sind empfehlenswert:
Dorian Selz schreibt drüben bei Columbus mehr über die theoretischen Hintergründe von Transaktionskosten. Ich glaube weiterhin, dass das Verständnis dieses Konzepts essentiell ist, wenn man über die ökonomische Zukunft von Online-Classifieds nachdenkt. Auch die ganz klassische Theorie von Ronald Coase lässt sich in gewisser Weise auf den Desintegrationsprozess anwenden, den wir in diesen Märkten gerade erleben.
Ins gleich Horn stösst Venture Capitalist Bill Burnham. In einem längeren Artikel äussert er sich sehr pessimistisch über die Zukunft von “Walled Gardens”, zu denen auch die meisten klassischen Classifieds-Sites gehören. Offene Technologien wie RSS in Kombination mit leistungsfähigen Suchdiensten werden dazu beitragen, so Burnham, dass das Businessmodell dieser kostenpflichtigen Sites in sich zusammenfallen wird. Er verweist auch auf den ziemlich grossen Erfolg von Google Base (trotz seiner Schwächen), das nach kurzer Zeit schon mehr als eine Million Einträge aufweist.
Und auch er sieht die Zeit der kostenpflichtigen Online-Classifieds zu Ende gehen:
With Google Base fully in place (and ultimately similar services from Yahoo, Microsoft, and Amazon), why in world would anyone pay to have their listings displayed or pay to have to access to a database of listings? After all, if you publish the listing on your own site Google will automatically index it and then list it within Google Base within the next few days and if you want to make sure they get it immediately, you can just submit if directly to Google Base or register your RSS feed with them (a feature I’ll bet they are likely to add). Instead of charging you (or its end users) for the privilege, Google will make money off of the advertising it sells around the listings. Perhaps you may even be able to pay a fee to have your particular listing «advertised» in a preferential position.
Mit anderen Worten: Verdienen tut nur noch Google und vielleicht noch der eine oder andere von Googles Konkurrenten — zumindest, was die Anzeigenumsätze angeht.
Ich denke auch, dass das die mittelfristige Entwicklung sein wird. Eins darf man aber nicht ganz unterschätzen: Der durchschnittliche professionelle Classifieds-Inserent, sagen wir eine Immobilienverwaltung oder ein Autohändler, hat keine IT-Abteilung, die mal schnell einen RSS-Feed an die interne Software hängen kann. Diese Firmen wollen Dienste wie Google Base auch benutzen, brauchen aber Unterstützung bei der Selektion der Plattformen und bei der technischen Durchführung.
Und genau bei solchen Dienstleistungen (wiederum unter dem Stichwort Senkung der Transaktionskosten) wird in Zukunft einiges an Geschäft zu machen sein. (Full Disclosure: Ich war in den letzten Monaten involviert im Aufbau einer Firma, Publiconnect, die sich genau mit diesem Thema beschäftigt).
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