Structured Blogging:
Eine neue Dimension für Content-Erschliessung und Classifieds?
Gestern hat die Structured-Blogging-Initiative (structuredblogging.org) nach einiger Vorbereitungszeit offiziell ihre Existenz und ihre Ziele angekündigt. Diese Gruppe, die von diversen namhaften Firmen aus der Blogging- und Social-Software-Ecke unterstützt wird, will das ach so chaotische Bloggen etwas strukturierter machen.
Blog-Einträge, die einen teilweise strukturierten Charakter haben, sollen mit geeigneten XML-Formaten besser maschinenlesbar gemacht werden. Typische Beispiele dafür sind Events, Rezensionen, Lebensläufe, Kleinanzeigen usw., also Dinge, bei denen zusätzliche Meta-Daten einen echten Nutzen für die Weiterverarbeitung bringen. Der Nutzen ist klar: Suchmaschinen sollen dadurch wesentlich präzisere Resultate für bestimmte Arten von Daten liefern können, und das alles aufbauend auf den bewährten RSS-Mechanismen.
Zur Illustration: Ein Blog-Eintrag mit der Ankündigung eines Events würde beispielsweise noch folgenden XML-Block enthalten (stark gekürzt):
<xml-structured-blog-entry xmlns="http://www.structuredblogging.org/xmlns">
<event type="event/generic">
<name>Syndicate Conference</name>
<location address="Hilton San Francisco" city="San Francisco" state="CA" country="USA"/>
<description>....</description>
<linkurl="http://www.structuredblogging.org/blog/?p=4">Say hello to Structured Blogging</link>
<begins>2005-12-13T15:00:00</begins><ends>2005-12-13T15:30:00</ends>
</event>
</xml-structured-blog-entry>
Damit sich die armen Blogger nicht mit solchen XML-Formaten herumschlagen müssen, gibt es bereits erste Plug-Ins für ein paar gängige Blogging-Pakete, so dass die Daten sehr komfortabel erfasst werden können.
Structured Blogging hat in der Szene bereits heftige Diskussionen darüber ausgelöst, ob so etwas sinnvoll ist, ob es richtig konstruiert ist und ob nicht die Falschen (sprich: die eh schon gut verdienenden Suchmaschinen) auf Kosten der Blogger davon profitieren. Eins scheint mir aber klar: Wenn sich diese Initiative durchsetzt (oder eine modifizierte Variante davon), wird das die Auswirkungen der RSS-Welle nochmals massiv vergrössern. Sogar einige der Ziele, die strukturell “sauberere” Initiativen wie Semantic Web verfolgen, liessen sich damit erreichen.
Ein offensichtlich stark betroffener Bereich wären die Classifieds-Märkte, die ich kürzlich schon hier etwas diskutiert habe. Google und andere haben ja jetzt schon angefangen, strukturierte Feeds in ihre Classifieds-Datenbanken zu integrieren. Das ist allemal besser (da effizienter und treffsicherer) als das Crawlen von Volltext. Und wenn mit Structured Blogging sich nun ein einfach handzuhabender Standard für solche Feeds etablieren würde, hätte das massive Auswirkungen.
Bernhard Seefeld hat in seiner Antwort auf meinen Post treffenderweise entgegnet, dass das Bezahlen für Postionierung (d.h. mein Wohnungsinserat erscheint in den Suchresultaten vor allen anderen, weil ich dafür bezahlt habe) nur dann funktioniert, wenn die Suchresultate zu ungenau sind. Wenn ich aber meine Suchabfrage ausreichend präzise formulieren kann und die Classifieds-Plattform dazu präzise Resultate liefert, wird Positionierung praktisch irrelevant.
Nun stellt ein Search-Guru wie Bernhard natürlich auch andere Qualitätsansprüche an Suchmaschinen als (bisher) der Rest der Menschheit. Einige der sehr intelligenten Lösungen, die das Team von search.ch unter seiner Leitung realisiert hat, sind auch wegweisend für Classifieds-Suche. Beispielsweise liefert die Telefonnummern-Suche von tel.search, falls es zu einer Anfrage keine direkt passenden Einträge gibt, einfach die nächstbesten Treffer, die man gemeint haben könnte. Genau das fehlt heute vielen Classifieds-Plattformen: Vielleicht gibt es ja in meiner Wunschregion keine 4-Zimmer-Wohnung zu einem vernünftigen Preis, aber wie wäre es denn mit 4 1/2 Zimmern für ein paar Franken mehr? Oder 3 1/2 für etwas weniger Geld?
Genau solche Dinge werden wirklich gut und wirkungsvoll möglich, wenn Classifieds in möglichst strukturierter Form vorliegen. Entwicklungen wie Structured Blogging tragen dazu bei, solche Anzeigen-Inhalte massiv effizienter zu verbreiten und nutzbar zu machen. Und wenn das auch noch jeder User kostenlos über sein Blog machen kann (das ja von den Suchmaschinen eh schon heute indexiert wird), macht das die Sache umso einfacher.
Inserieren wir also in Zukunft, wenn wir unseren alten Polstersessel verkaufen wollen, nicht mehr auf irgendeiner Plattform, sondern einfach in unserem eigenen Blog? Man wird sehen. Bis dahin ist noch ein weiter Weg, und es gibt noch viele Probleme zu lösen, aber die Logik ist tatsächlich bestechend.











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