Nächste Runde im Suchmaschinen-Wettlauf:
Amazon öffnet Alexa-Index

Andreas Göldi, 13. Dezember 2005 09:58 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Das ist das Schöne am Internet: Immer, wenn man mal denkt, dass sich die Marktlage etwas stabilisiert, kommt jemand daher und realisiert eine Idee, die potentiell wieder alles auf den Kopf stellt.

Diesmal ist der betroffene Bereich die Suchmaschinenbranche und der Störenfried niemand anders als Amazon.com. Wer Amazon immer noch primär für einen Online-Buchladen hält, liegt zunehmend falsch. In den letzten Monaten hat Amazon sehr massiv seine Plattform für Drittfirmen geöffnet. Über eine ganze Reihe offener Programmierschnittstellen (Webservice-APIs) kann sich inzwischen im Prinzip jeder einen eigenen E-Commerce-Shop mit Amazon-Funktionalität bauen.

Andere Shops können also beispielsweise auf den (riesigen) Amazon-Produktkatalog und das Warenkorb-System zugreifen, aber ansonsten alles selbst ausgestalten. Das Resultat sieht dann beispielsweise so aus.

Jetzt geht Amazon diesen Weg noch einen Schritt weiter: Die zum Amazon-Imperium gehörende Suchmaschine Alexa öffnet mit eigenen APIs vollständig ihren riesigen Index von Webseiten und Meta-Informationen über selbige. Das bedeutet, dass jedes Startup und jeder Hobbyprogrammierer eigene Anwendungen bauen kann, die auf Alexa-Funktionalität basieren. Für diese Dienstleistung verlangt Alexa Geld, aber die Gebühren sind sehr gemässigt, im Rahmen von ein paar Dollar für die meisten Anwendungen.

Nun ist es noch nicht gerade so, dass deswegen Google und Yahoo um ihre Existenz fürchen müssen. Alexa ist nämlich unter den Suchmaschinen bisher eher unter “ferner liefen” einzuordnen. Es ist kein Zufall, dass Alexa für die eigene Websuche Google verwendet (vermutlich, weil Google die besseren Gewichtungsalgorithmen hat), dessen Resultate aber mit eigenen Zusatzinformationen anreichert. Alexa ist also von seinem Stärkenprofil her weniger eine direkte Konkurrenz als eine Ergänzung zu Google und Co.: Das Schwergewicht liegt hier eher auf Archiv und Metainformation. Bekannt sind zum Beispiel die Alexa-Traffic-Statistiken.

Trotzdem, mit dieser Information können viele andere Sites sehr nützliche Dinge anstellen. Sinnvoll ist so etwas vor allem für sehr spezialisierte “vertikale” Suchmaschinen zu ganz bestimmten Themen. Dort kommt es nicht auf optimale Performance für Milliarden von Usern an, sondern vor allem auf Vollständigkeit. Und diesbezüglich spielt Alexa durchaus in der ersten Liga mit.

Den grössten Impact wird diese Öffnung vermutlich deswegen haben, weil damit auch die anderen Suchmaschinen unter Zugzwang kommen. Zwar haben Google und Yahoo bereits heute offene APIs, aber deren Begrenzungen erlauben keine echte kommerzielle Nutzung für Drittfirmen. Alexa bricht nun diese Barriere und macht Suche quasi zur stückweise abrufbaren Commodity-Dienstleistung.

Amazon verfolgt so konsequent seine Strategie, sich als Infrastrukturprovider für E-Commerce zu positionieren. Offensichtlich hat man bei Amazon erkannt, dass die über Jahre für eigene Bedürfnisse entwickelte Funktionalität sich vor allem dann optimal rentabilisieren lässt, wenn man sie auch anderen Leuten vermietet. Das Herumschicken von bedrucktem Papier wird damit für Amazon vielleicht langfristig eher zu einem Nebengeschäft werden.

(via John Battelle)

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