HDTV:
Konsumenten unbeeindruckt. Kein Wunder.
Laut einer neuen Umfrage von Forsa lässt das hochauflösende Fernsehen HDTV bisher das Publikum noch kalt. Erst 40% können mit dem Begriff überhaupt etwas anfangen, und nur 8% wollen sich ein HDTV-Gerät anschaffen. Das ist eine kalte Dusche für die Unterhaltungselektronik-Branche, die doch so viele Hoffnungen in den neuen Fernsehstandard setzt. Inzwischen werden schon mal Durchhalteparolen ausgegeben, dass spätestens mit der Fussball-WM dann sicher alles besser wird.
Mag sein. Vorerst hat sich die Branche diese kühle Konsumenten-Reaktion aber hautpsächlich selber zuzuschreiben. Denn HDTV wird von den Herstellern im Moment im Markt auf zwei Weisen kommuniziert: Entweder extrem technisch (Darf’s denn 720p sein oder lieber 1080i? Oder reicht Ihnen auch EDTV?) oder gar nicht.
Man braucht sich nur mal beliebige Websites von Herstellern anzuschauen, um zu sehen, wie schlimm die kommunikative Situation ist. Das fängt schon mal bei der Abwesenheit einigermassen einheitlicher Begriffe an. Bei Panasonic gibt es “Plasma-Fernseher mit HDTV-Auflösung”, während bei Sony “High Definition” angepriesen wird (oder, auf der gleichen Seite, “HD-kompatible” Geräte), und Loewe hat derweil “HD-LCD-Displays” zu bieten. Sharp scheint seine Website sowieso eher für ausgebildete Radio-TV-Elektroniker zu machen und schwärmt von seinen WXGA-Panels mit 720p und Quick Shoot DHP. Ach, und die Geräte berücksichtigen auch HDCP und haben ein HDMI-Terminal. Noch Fragen?
Aber ehrlich gesagt ist es auch etwas müssig, die Vorzüge von HDTV in Worten (einfachen oder komplizierten) erklären zu wollen. Man muss es gesehen haben. Und genau da liegt vermutlich das grösste Problem: In noch fast keinem Elektronikladen im deutschsprachigen Raum gibt es heute laufende HDTV-Geräte zu sehen, geschweige denn ausserhalb. Mir ist echt ein Rätsel, wie man bis zur Fussball-WM so genügend Geräte verkaufen will.
In den USA ist das fundamental anders, wie ich mich schon mehrfach überzeugen konnte: Dort ist es schon bald kaum mehr möglich, sich ein Nicht-HDTV-Gerät zu kaufen. In jedem Elektronikgeschäft hängen die schönen grossen HDTV-Screens zu Dutzenden rum. Und es gibt vor allem auch reichlich Programme, die man in HDTV-Qualität empfangen kann.
Klar, auch die Amis brauchten viel Anlaufzeit, um so weit zu kommen. Aber sie haben einige Dinge etwas pragmatischer gemacht als die pingeligen Europäer. Dort redet man einfach von HDTV, fertig. Das ist auch die allgemein akzeptierte Bezeichnung für ein solches Gerät: Ich kauf mir einen HDTV. Kein HD-ready, 1080i oder sonstiger technischer Kram. Im Kleingedruckten kann man dann lesen, was das Gerät denn ganz genau für eine Auflösung kann, aber das ist im Normalfall dem Konsumenten herzlich egal. Der Qualitätssprung ist eh so gross, dass das eine nur unbedeutende Rolle spielt.
Warum nur muss man in Europa immer alles so kompliziert machen?
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