Schlammschlacht um News-Portal des Schweizer Fernsehens
Bereits vor einigen Monaten gab es in der Schweizer Medienszene grosse Aufregung um die Pläne des Schweizer Fernsehens, ein eigenes Newsportal unter dem Label der Tagesschau zu lancieren. Seit gestern ist dieses nun live (http://tagesschau.sf.tv/), und das Protestgeheul aus der Ecke der Zeitungsverleger ist bereits wieder ohrenbetäubend. Es wird “massive Gegenwehr” angekündigt, auch wenn man noch offen lässt, wie die aussehen wird.
Eine gute Form von Gegenwehr wäre ja vielleicht, einfach selbst ein gutes Online-Angebot zu produzieren. Denn die neue Tagesschau-Site ist tatsächlich das deutlich beste Newsangebot im Schweizer Markt.
Das Layout ist klar und übersichtlich, die Texte sind mediengerecht geschrieben, und überall warten noch ein paar Multimedia-Goodies. Klar, ein paar Ecken und Kanten hat das ganze noch: Dass Videoclips zur Meldung zum Beispiel unter der Überschrift “Mehrwert” verlinkt sind, ist wohl eher eine ziemlich introvertierte Redaktionssicht. Aber (für Schweizer Verhältnisse, traurigerweise) bemerkenswert: Es gibt einen RSS-Feed! Und es gibt ein Chefredakteurs-Blog, das im Moment aber noch ziemlich inhaltsarm ist. Da hat die Tagesschau fast schon einen Radikalitäts-Preis verdient…
Kein Wunder also, dass das den Zeitungsverlagen nicht gefällt. Mithalten können da eigentlich nur noch knapp die Angebote von NZZ und Tagesanzeiger. Über den Rest wollen wir mal lieber schweigen. Gut, es gibt ein paar sehr anständig gemachte regional orientierte Angebote, aber bei den allgemeinen News beschränken die sich meistens auch auf den Print-Content vom Vortag, ergänzt durch einen unbearbeiteten Agentur-Ticker.
Sicher, man kann sich berechtigterweise fragen, ob es wirklich die Aufgabe eines staatlichen Fernsehsenders ist, mit Gebührengeldern auch noch einen umfassenden Internet-Auftritt zu realisieren. Wenn man sich aber die wirklich mehrheitlich eher traurigen Angebote der privatwirtschaftlichen Medienunternehmen anschaut, muss man wohl sagen: Leider ja.
Die Mentalität der Verleger ist da schon etwas merkwürdig: Offenbar können und/oder wollen sie nicht mehr in ihre eigenen Internet-Angebote investieren. Und dann darf das auch kein anderer tun?
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