Washington Post:
News remixed mit RSS

Andreas Göldi, 28. November 2005 09:07 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Die meisten traditionellen Medienhäuser tun sich ja immer noch reichlich schwer mit diesem neumodischen RSS-Kram. Einige (z.B. die oder die) haben noch nicht mal einen RSS-Feed, und bei wieder anderen (z.B. bei denen) beschränkt sich der Feed unpraktischerweise auf die reinen Headlines. Nicht sehr kundenfreundlich und gewiss nicht innovationsträchtig.

Da ist es doch sehr erfrischend, wenn ein traditionsreicher Zeitungstitel wie die Washington Post den Stier bei den Hörnern packt und die Netz-Community proaktiv auffordert, mit seinen RSS-Feeds neue Dinge zu bauen: Post Remix nennt sich das.

Die Washington Post ermuntert interessierte Entwickler dazu, ihren Content in beliebigen, allerdings ausschliesslich nicht-kommerziellen Mashups zu verwursten.

Die ersten Resultate sind noch nicht weltbewegend, aber zeigen, wohin diese Sache gehen könnte. Alternative Zugangswege zu News (Tagclouds, geographische Einordnung usw.) sind im Zeitalter der Informationsüberflutung nie schlecht, und die Washington Post öffnet hier spannende Möglichkeiten.

Aber warum um Himmels willen machen die das? Schliesslich können sie zu ihren Feeds nicht mal Werbung verkaufen.

Ich denke, es gibt zwei Gründe: Erstens wird der Content der Washington Post damit stärker verbreitet, und am Schluss landet der interessierte Leser sowieso auf der Post-Website (samt Werbeeinblendung und Registrierung). Der imagefördernde Coolness-Effekt in einer sehr relevanten Zielgruppe schadet dabei sicher auch nicht.

Zweitens: Die Washington Post kann sich so die kostenlose Forschungsarbeit von talentierten Developern sichern. Schliesslich suchen alle Medienkonzerne nach neuen Wegen zum heute so sprunghaften Kunden, und was wäre da effizienter, als andere Leute schon mal gratis damit experimentieren zu lassen? Wenn etwas dabei herauskommt, was tatsächlich funktioniert, hat man es schnell eingekauft oder kopiert, und falls nix draus wird, hat es auch nicht viel gekostet.

Man könnte sich nur wünschen, dass mehr Medienkonzerne sich so verhalten würden — in ihrem eigenen Interesse letztlich.

(via BusinessWeek)

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