Microsoft macht jetzt auch Web 2.0
Das war ja irgendwie zu erwarten: Microsoft beugt sich dem zunehmenden Druck, der aus der Web-Ecke kommt, und passt seine Strategie an. An einer Pressekonferenz heute kündigten Bill Gates und CTO Ray Ozzie eine Reihe neuer Initiativen an, mit denen Microsoft an der neuen Software-als-Service-Welle teilhaben will.
Da ist zum einen Windows Live. Dabei scheint es sich offensichtlich um die kommerzialisierte Version der Experimente zu handeln, die Microsoft seit einiger Zeit unter dem Label start.com laufen liess. Im wesentlichen ist das ein personalisierbares Portal mit AJAX-Benutzeroberfläche, dem man diverse
com/”>”Gadgets”
Schon etwas mehr Veränderungspotential hat Office Live. Offenbar will man auch gewisse Funktionalitäten der guten alten Office-Suite online anbieten, und zwar in verschiedenen Versionen: Teilweise gratis und werbefinanziert, teilweise kostenpflichtig in einem Abo-Modell. Viel konkretere Details waren für den Moment aber noch nicht zu erfahren.
Eins zeigt diese Ankündigung sehr deutlich: Web 2.0 ist offensichtlich inzwischen bedeutsam genug, um den mächtigsten Softwarekonzern zu einer Strategiekorrektur zu zwingen. Allerdings wirken diese Versuche, der heutigen Ankündigung nach zu urteilen, noch sehr halbherzig. Wenn man beispielsweise mit Firefox (oder anderen Browsern) Windows Live benutzen will, geht das bisher nicht oder nur eingeschränkt. Da hat Microsoft noch einen weiten Weg vor sich, um den Gedanken der echten Offenheit wirklich zu leben.
Was Microsoft vielleicht auch noch lernen sollte: Bei Web 2.0 geht es nicht um Marketinggeblubber à la “Internet-based services for growing and managing your business online”, sondern um einfache, handfeste Funktionalität, die man sofort verstehen und benutzen kann. Mit anderen Worten: Warum kann ich Office Live nicht jetzt sofort abonnieren?
Nun, vergleichsweise ist die Ankündigung also alles andere als spektakulär, aber man darf Microsoft auf keinen Fall unterschätzen. Ende 1995 war die Firma angesichts der Internet-Welle in einer vergleichbaren Situation und hat es geschafft, zumindest den Browser-Krieg gegen Netscape klar für sich zu entscheiden. Nur: Diesmal sind die Gegner (vor allem Google und Yahoo) deutlich stärker. Und man hat nicht den Eindruck, dass Microsoft wirklich bereit ist, sich vom bisher erfolgreichen Desktop-Modell wirklich zu lösen.
» Nächster Artikel: Blogs und die Aufmerksamkeitskrise: Zurück zum Mainstream-Medium?
» Älterer Artikel: Marketing à la Google: Algorithmen statt Werber-Geschwurbel
» Drucken
» Merken/E-Mail

neuerdings.com
medienlese.com
imgriff.com
fokussiert.com
netzwertig.com
gamgea.com



Artikel per RSS
Diesen Artikel kommentieren