Marketing à la Google:
Algorithmen statt Werber-Geschwurbel

Andreas Göldi, 1. November 2005 12:28 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Apropos Google-Verschwörungstheorien: Die New York Times brachte gestern einen sehr ausführlichen Artikel über die Pläne von Google im Werbemarkt. Lustigerweise bezeichnen dabei die Google-Gründer ihre Werbe-Maschinerie selber als “Artificial Intelligence”…

Dass die sonst so verschwiegene Firma Google einer Zeitung einen so tiefen Einblick in ihre Pläne gibt, hat sicher viel mit Selbstpromotion zu tun (100 Mia $ Börsenwert kann schliesslich nicht alles gewesen sein…). Da wird beispielsweise davon gesprochen, dass bei jedem Seitenaufruf auf Google “mehr als eine Million Variabeln” auf mehr als 100 Computern gleichzeitig berechnet werden, um jedem User die absolut perfekt massgeschneiderte Werbeeinblendung zu zeigen.

Wow. Da fragt man sich nur, wo sinnlose Einblendungen wie die folgende herkommen:

Wie auch immer: Auf jeden Fall hat Google ganz offensichtlich und deklariertermassen den Anspruch, sich nicht weiter auf Online-Werbung zu beschränken, sondern auch andere Werbeformen zu erschliessen. Versuche im Print-Bereich gibt es schon, Fernsehwerbung ist als nächstes dran.

Und dabei gibt es immer ein gemeinsames Grundmotiv: Der bisherige Ansatz der Werbung, der bekanntlich mehr Kunst als Wissenschaft ist, soll durch hochentwickelte Algorithmen ersetzt werden, also kalte Logik statt Werber-Intuition. Das Ziel: keine irrelevante Werbung mehr, sondern nur noch Botschaften, die genau dem Bedürfnis des jeweiligen Konsumenten angepasst sind. Vielleicht ist das langweilig, aber eben effizient.

Dass so eine Haltung bei der klassischen Werbebranche nicht auf Begeisterung stösst, ist mehr als klar. Wer soll denn demnächst die Cannes-Löwen abgrasen? Die Google-AI im Zweikampf mit der Yahoo-Engine etwa? Und noch viel schlimmer: Was passiert mit den wilden Werber-Parties, wenn da bald nur noch Programmierer rumlaufen?

» Weitere Analysen lesen.

» Nächster Artikel: Microsoft macht jetzt auch Web 2.0
» Älterer Artikel: I’m sorry Sergey, I’m afraid I can’t do that

» Drucken
» Merken/E-Mail


Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

 
blogoscoop slug