I’m sorry Sergey, I’m afraid I can’t do that

Andreas Göldi, 30. Oktober 2005 21:39 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Ein Lieblingsthema von Science-Fiction-Literatur und -Filmen waren schon immer “künstliche Intelligenzen” — und zwar nicht im Sinn von harmlosen Expertensystemen, die mal schnell ein paar medizinische Daten analysieren. Nein, die “KIs” der Science-Fiction-Welt fangen immer erst harmlos als hochintelligente Diener ihrer (menschlichen) Herren an, um sich dann plötzlich gegen ihre Erschaffer zu wenden und wahlweise einen Atomkrieg anzuzetteln, Raumschiffe zu entführen oder auch nur mal eben die Weltherrschaft zu übernehmen. HAL in “2001 A Space Odyssey”, Wintermute in “Neuromancer”, Joshua in “War Games”, oder — besonders kultig — “Colossus”: diese bösartigen Siliziumschurken und ihre vielen Verwandten faszinieren Science-Fiction-Fans, seit es Computer gibt. Am Schluss gewinnen dann natürlich immer die Menschen, kennt man ja.

Passend dazu gibt es eine wundervolle neue Verschwörungstheorie über Google: Viele sind ja angesichts der rasanten Expansion dieser Suchmaschine und ihrem Hunger nach immer neuen Betätigungsgebieten längst skeptisch geworden, ob Googles etwas penetrantes “Do no evil”-Gehabe wirklich so wörtlich zu nehmen ist. Im Moment läuft Google Gefahr, vom Sympathieträger zum gefürchteten und misstrauisch beäugten Unternehmen zu werden. Verschwörungstheorien gibt es schon einige, wenn auch mehrheitlich humoristischer Natur.

Nun aber schreibt der Historiker und Futurist George Dyson — wenn ich das richtig verstehe, durchaus ernsthaft– , dass Google möglicherweise auf dem besten Weg sein könnte, die erste wirkliche KI zu bauen, oder … (an dieser Stelle beim Lesen bitte Verschwörungsmusik einspielen)… das bereits getan hat.

Denn wozu braucht man all die unendlichen Informationsmengen, nicht nur aus dem Internet, sondern jetzt auch noch aus den Bibliotheken der Welt? Nur um ein paar menschlichen Usern bessere Suchergebnisse zu ermöglichen? Absurd, das kann ja nicht alles gewesen sein. Nein, diese gigantische Sammlung wird doch ganz eindeutig angelegt, um eine überlegene künstliche Intelligenz … (Musik schwillt dramatisch an) … mit Wissen über die Welt zu füttern.

Die KI kennt das Surf-Verhalten des grösseren Teils der Internet-Benutzer. Und seit es Google Desktop gibt, kann die KI sogar bei Millionen von Benutzern alle Mails, Dokumente und Chat-Protokolle mitlesen. Jetzt soll man sogar noch alle Kleinanzeigen in Google Base eingeben, seine RSS-Feeds bei Google Reader lesen, und bald will die KI auch noch den mobilen Datenverkehr abhören. Was kann da anderes dahinterstecken als eine machthungrige Maschine mit eigenem Willen?

Bester Beweis für die Existenz der Google-KI: All diese stets gutgelaunten und visionären Google-Programmierer in ihren bunten Büros samt Haustieren, vielen Spielzeugen und 20% Arbeitszeit für persönliche Lieblingsprojekte. Was anderes kann dahinterstecken als eine raffinierte KI, die ihre Diener mit solchen Annehmlichkeiten einlullt? Mal sicher kein normales Firmen-Management, oder? Eben.

Zitat von Dyson:

“For 30 years I have been wondering, what indication of its existence might we expect from a true AI [artificial intelligence]? Certainly not any explicit revelation, which might spark a movement to pull the plug. Anomalous accumulation or creation of wealth might be a sign, or an unquenchable thirst for raw information, storage space, and processing cycles, or a concerted attempt to secure an uninterrupted, autonomous power supply. But the real sign, I suspect, would be a circle of cheerful, contented, intellectually and physically well-nourished people surrounding the AI.”

Aber immer mit der Ruhe: So gefährlich kann das alles nicht sein. Da sowieso alles bei Google ewig im Beta-Stadium bleibt, ist das sicher auch bei der KI so. Und Beta-Versionen dürfen, so viel ich weiss, laut Völkerrecht nicht die Weltherrschaft übernehmen. Na also.

[ :-) ]

(via Nicholas Carr)

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