Arme Journalisten, arme Grosskonzerne:
Verfolgt vom Blogger-Lynchmob!
Ein kritischer Artikel im Tagesanzeiger-Magazin zur heutigen Internet-Wirklichkeit sorgte neulich ja schon für einiges Aufsehen in der Schweiz, besonders in der Blogger-Szene. Eine zentrale These des Artikels war nämlich, dass Blogs längst nicht so einflussreich und gehaltvoll sind, wie es vor allem die Blogger gerne denken.
In den USA geht es zum gleichen Thema gerade etwas heftiger zur Sache: Die Wirtschaftszeitschrift Forbes bringt auf dem Titel eine Story mit dem Titel “Attack of the Blogs” (online verfügbar, aber Registrierung erforderlich).
Zitat:
“Web logs are the prized platform of an online lynch mob spouting liberty but spewing lies, libel and invective. Their potent allies in this pursuit include Google and Yahoo.”
Es folgen diverse Beispiele von armen, wehrlosen Institutionen, die durch hinterhältige Blogger öffentlich beschimpft wurden. Unter anderem IBM für seine Notes-Software (nicht in jeder Hinsicht unverdient, wie ich als langjähriger Notes-User feststellen muss), Kryptonite Locks für seine Fahrrad-Schlösser (die mit einem Kugelschreiber zu öffnen waren — nicht das, was man sich von einem teuren Sicherheitsschloss wünscht) und natürlich arme kleine Fernsehstationen wie CNN und CBS (weil sie mal beim einen oder anderen Bericht das mit der seriösen Recherche nicht ganz so genau genommen hatten).
Wenn man dem Artikel glauben darf, dann sind Google und Yahoo natürlich die geldgierigen Drahtzieher hinter dieser Welle der Bösartigkeit, da sie sich mit ihren Werbeeinblendungen auch noch an diesem Schmutz bereichern. Geschützt werden sie durch eine flügellahme Gesetzgebung, die es den Suchmaschinen nicht mal verbietet, solche rufschädigenden Inhalte auch noch problemlos für jeden auffindbar zu machen.
Gut, dass endlich mal jemand diese schlimme Verschwörung aufgedeckt hat! Man muss wehrlose Milliardenkonzerne dringend schützen vor der Bedrohung durch übermächtige Einzelpersonen, die ungehemmt einfach so ihre Meinung äussern! [:-)]
Fast schon mittleiderregend, wie stark sich die klassischen Medien offenbar immer noch in ihrem (bisherigen) Meinungsbildungsmonopol angegriffen fühlen.
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