Neuste Zahlen zur Lage der (US-)Medienwelt
Es ist wieder Zahlenzeit, oder “Earnings Season”, wie die Amis sagen: Die US-Konzerne geben ihre Quartalszahlen bekannt. Diese Momentaufnahme der Internet- und Medienbranche zeigt ein gemischtes Bild.
Google konnte einen gegenüber dem Vorjahresquartal um Faktor sieben auf 381 Mio US$ gesteigerten Gewinn verbuchen, deutlich über den eh schon hohen Erwartungen. Zufrieden können auch die Kollegen bei Yahoo sein: 47% mehr Umsatz, Gewinne deutlich über den Erwartungen. Und CEO Semel sagt selbstbewusst: “The Internet and Yahoo are firmly established as ‘must buys’ for brand advertising.” – was in den USA wohl inzwischen stimmt, hierzulande wohl noch nicht so ganz. Weniger gut scheint es bei AOL zu laufen, das wohl definitiv von Mutterkonzern Time Warner bald mal an die Konkurrenz verkauft werden soll: 700 Stellen sollen gestrichen werden.
Währenddessen konnte auch Ebay eine Gewinnsteigerung melden, aber “nur” um 40%. Resultat: Fallende Aktienkurse. Irgendwie merkwürdig, bei diesen überhöhten Erwartungen fühlt man sich wieder ins gute alte Jahr 1999 zurückversetzt. Nur geht es diesmal nicht um Klicks und “Sticky Eyeballs”, sondern um echte Gewinne.
Weniger toll sieht die Situation bei den etablierten Medienkonzernen aus: Die New York Times musste einen Gewinnrückgang um 52% hinnehmen und baut weiter hunderte von Stellen ab. Immerhin stieg der Umsatz wieder leicht, zum grössten Teil aber dank der Akquisition von About.com. Die interaktiven Produkte der NYT scheinen aber gut zu laufen, man meldet rekordhohe Nutzerzahlen und eine Umsatzsteigerung um 30%.
Ein ähnliches Bild bei Dow Jones (Wall Street Journal u.a.): Sinkende Gewinne, stagnierende Print-Umsätze, aber stark steigende Online-Resultate. Dow Jones machte dieses Quartal mit seinem Electronic-Publishing-Bereich 127 Mio $ Umsatz, immerhin schon schon fast ein Drittel des Gesamtumsatzes. Und über eine Operating Margin von 25% im Online-Geschäft wird man sich auch kaum beklagen wollen, zumal der Print-Bereich derzeit Geld verliert.
Bemerkenswert: Wenn man die Zahlen etwas (aber nicht allzu) bösartig interpretieren will, könnte man feststellen, dass bei Dow Jones inzwischen die Online-Abteilung den Print-Bereich subventioniert. Das lasse ich jetzt mal unkommentiert so stehen…
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