JibJab bei Jay Leno:
Flash-Animation schafft es ins Mainstream-TV
Dass Mainstream-Mediencontent zur Zweitverwertung im Internet landet, ist ja inzwischen normal. Dass aber umgekehrt Internet-Inhalte plötzlich 1:1 in den klassischen Medien verwendet werden, ist (noch?) sehr selten. Inzwischen gibt es die eine oder andere Zeitschrift, die auch mal einen Blog-Eintrag abdruckt, aber das war’s dann meistens.
Darum staunte ich nicht schlecht, als in der letzten Ausgabe der Tonight-Show mit Jay Leno auf NBC (die man jetzt in Zürich endlich wieder im Kabelnetz sehen kann) das neuste Werk der Spiridellis-Brüder von JibJab.com in voller Länge gezeigt wurde.
Für diejenigen, die das noch nicht kennen: JibJab macht (Flash-)Animationen mit mehrheitlich satirischem Inhalt. Bekannt wurden sie zuletzt vor allem durch ihre Beiträge zur US-Präsidentschaftswahl, unter anderem mit den Klassikern “This Land” und “Second Term”. JibJab erreichte in den letzten Monaten sehr grosse Zuschauerzahlen, und zwar fast nur durch virales Marketing, denn die kurzen Filmchen sind beliebt als Erholungspause von der harten Büroarbeit, und darum werden die Links sehr heftig per Mail verbreitet. Finanzieren tut sich JibJab durch Werbung und Exklusivdeals, zuletzt mit Yahoo, jetzt mit MSN.
Das neuste Werk “Big Box Mart” beschäftigt sich mal ausnahmsweise nicht mit George W., sondern mit den Themen Discount-Wahn, Outsourcing nach China und den sozialen Folgen davon. Klingt nach schwerer Kost, ist aber im typischen JibJab-Stil als musicalartige Show gehalten. Zum Totlachen, wobei einem bei genauerem Nachdenken das Lachen auch mal im Hals stecken bleibt… Die vielen Gesichter der tanzenden Figuren stammen übrigens von über 1000 JibJab-Usern, die ihr Konterfei zur Verwendung in dieser Animation zur Verfügung gestellt haben.
Spannend jedenfalls ist, dass JibJab nur mit den Mechanismen des Internet inzwischen so zum Kult wurde, dass das neuste Werk Weltpremiere in einer Mainstream-Fernsehsendung feierte und dort auch noch von Jay Leno in höchsten Tönen angepriesen wurde. Ist doch eigentlich schön, dass sich klassische und neue Medien inzwischen gegenseitig befruchten.
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