Jagd auf Jungleser:
AP bastelt ein Zielgruppen-Medium für Zeitungsverlage
Dass sich klassische Medienunternehmen mit dem jüngeren Zielpublikum, insbesondere im Zusammenhang mit dessen hartnäckigem Hang zu neuen Medien, etwas schwer tun, wurde hier ja schon mehrfach erwähnt. Besonders die kleineren Zeitungsverlage wissen nicht so recht, was sie dem Leserschwund am unteren Ende der Altersskala entgegensetzen sollen.
Der Nachrichten-Rohstofflieferant Associated Press (AP), der sich im Firmenportrait bescheiden als “backbone of the world’s information system” bezeichnet, wirft sich nun in die Bresche: Unter dem Titel ASAP wurde ein neuer News-Site gestartet, der explizit die unter 35jährigen Leser ansprechen soll.
Im Originalton:
“asap is AP’s new multimedia service featuring original content designed to appeal to under-35-year-old readers, a coveted but elusive audience, and to connect with them – on their terms.”
Um dieser “flüchtigen” Zielgruppe zu gefallen, verpackt AP seine bewährten Inhalte so, wie man sich das als jugendkompatibel vorstellt: Kurze, reich bebilderte Texte, in persönlicherem Ton als üblich abgefasst. Dazu ein bisschen Video und Geblogge. Und natürlich ist die Top-Story im Moment nicht irgendwas langweilig Politisches, sondern ein Feature über irgendwelche Hispano-Rapper.
Bevor man auf diesen schönen Content zugreifen darf, muss man aber erstmal auswählen, welche regionale Tageszeitung man denn am sympatischsten findet. AP macht das alles nämlich nicht zum eigenen Gewinn, sondern um die Zeitungsverlage zu stärken. Und die dürfen dann eben, sobald sich der Leser zeitungsmässig geoutet hat, ihr jeweiliges Logo stolz oben auf der ach so modernen ASAP-Page zeigen und damit ihren Brand bei der flüchtigen Zielgruppe stärken. Warum man allerdings das Zeitungs-Logo nicht verlinkt, damit die jungen Leser auch von der Existenz der Haupt-Zeitungswebsite profitieren könnten, bleibt unergründlich. Und die Zeitungen schlagen ignorierend zurück: Bei meiner Stichprobe war ASAP nur bei einem Zehntel der angeblich teilnehmenden Zeitungen überhaupt auf der Homepage verlinkt. Nicht gerade das, was man sich unter einer konzertierten Aktion vorstellt.
Hab ich schon erwähnt, dass ASAP keinen RSS-Feed bietet? Und keine Mobil-Version? Schade, schon wieder einen Teil der sprunghaften Zielgruppe verloren.
Es ist ja löblich, dass AP sich für die Zeitungsverlage einsetzt. Sicher ist ASAP journalistisch recht gut gemacht, aber leider vom technischen und marketingmässigen Handwerk her hart an der Dilletantismusgrenze. Wie man damit jemanden von CNN.com, Yahoo oder Google News weglocken will, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel.
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