iPod nano im Hörtest
Schwachheit, dein Name ist Gadget-Freak. Einmal mehr konnte ich nicht widerstehen und habe mir praktisch sofort einen iPod nano gekauft (in Schwarz natürlich). Eines der wenigen Highlights im derzeit eher tristen Gadget-Markt. Ich will gar nicht erst versuchen, rationale Gründe anzuführen. Ich wollte das Ding einfach.
Vor Jahren noch habe ich mich zu den sogenannten “Audiophilen” gezählt, also den Leuten, die ständig an ihrer Stereoanlage herumoptimieren und auch locker mal so viel Geld für ein Lautsprecherkabel ausgeben wie normale Leute für ihre ganze Anlage. Ein etwas merkwürdiges Hobby, weil man sich dabei zu Testzwecken stundenlang irgendwelche CDs anhört, deren Musik einem eigentlich nicht gefällt (meistens was mit zwei Gitarren und Blockflöte, wegen der Klarheit der Anblasgeräusche), die aber halt wahnsinnig toll klingen.
Diese Begeisterung hat sich inzwischen etwas gelegt, aber immer noch ist mir guter Klang wichtig. Darum kann ich auch nicht verstehen, dass in MP3-Player-Tests immer fast nur von Form und Features die Rede ist, aber so gut wie nie davon, wie die Dinger eigentlich klingen. Dabei, wenn ich das richtig verstehe, handelt es sich immer noch um Geräte zur Musikwiedergabe, von denen man erwarten kann, dass sie primär diesen Zweck gut erfüllen.
Also auf zum fröhlichen Hörtest! Man will ja schliesslich (nachträglich) wissen, was man da gekauft hat.
Verglichen habe ich den kleinen Nano mit meinem schon etwas angejahrten Drittgenerations-iPod, mit einem Laptop mit externer Soundblaster Audigy-Soundkarte (da interne Laptop-Soundkarten praktisch immer unbrauchbar sind) sowie für einige Titel direkt mit dem CD-Original.
Wenn ich jetzt ein richtiger Hifi-Tester wäre, müsste ich jetzt was schreiben im Stil von “Nachdem sich die Geräte acht Monate an gefiltertem Strom aufwärmen konnten und drei Monate mit weissem Rauschen eingespielt wurden, schritten wir endlich im unterirdischen Hörraum zum Dreifach-Blindtest.” Aber da dies kein richtig ernsthafter Test ist, ging ich das pragmatischer sowie höchst subjektiv an und hörte mir ganz einfach Musik unterschiedlicher Stilrichtungen mit unterschiedlichen Kopfhörern an, natürlich aber immer die einzelnen Testtitel auf jedem Gerät.
Ach, apropos Kopfhörer: Das erste, was man mit den mitgelieferten Apple-Ohrstöpseln tun sollte, ist natürlich, sie als Sondermüll zu entsorgen. Wie alle diese Ministöpsel sind sie eine Beleidigung für jedes halbwegs anspruchsvolle Ohr. Das bisschen Geld für richtige Qualität sollte man schon ausgeben. Für meinen iPod nutze ich unterwegs die wirklich sehr guten Etymotic 6i, zu Hause eher einen richtigen Kopfhörer wie den für portable Geräte gut geeigneten Sennheiser HD25.
Der kleine Nano ist sogar stark genug, um grössere High-End-Kopfhörer zu treiben, wie z.B. meinen Grado RS1, was folgendes Bild beweist:

Das kleine Ding rechts oben ist der Nano. Gut, vielleicht eine eher merkwürdige Paarung. Zugegeben.
Aber wie schnitt der Kleine denn nun gegen die grösseren Geräte ab? Kurz gesagt: Überraschend gut. Es fällt sehr schnell auf, dass der Nano gegenüber dem alten iPod und auch der PC-Soundkarte einen wesentlich selbstbewussteren und wärmeren Tieftonbereich an den Tag legt. Das kostet hin und wieder etwas Detailinformation, aber bei jeder Art von Musik klingt der Nano deutlich weniger giftig im Hochtonbereich als der alte iPod (dessen zuweilen etwas schrilles Klangbild mich immer gestört hatte). Gerade bei Popmusik spielt der Nano sehr zupackend, ohne dass bei Klassik und Jazz die Subtilitäten auf der Strecke bleiben.
Und wie sieht’s gegenüber der CD aus? Natürlich ein unfairer Vergleich, denn MP3 als “lossy” Kompressionsformat enthält per Definition viel weniger Musikinformation. Wer nicht glaubt, dass man das hört, sollte sich z.B. mal einen Titel mit sehr viel Räumlichkeitsanteil antun, z.B. “Take Five” von Dave Brubeck in der remasterten Version. Aber bitte mit richtigen Kopfhörern. Wie auch immer, von der tonalen Balance her war der Nano absolut in Ordnung, bezüglich Details und Dynamik schlug er sich immerhin ehrenhaft. Übrigens: Die Datenrate eines MP3-Files macht wirklich spürbar viel aus. Wenn man also selbst rippt: lieber eine höhere Rate einstellen, das lohnt sich klanglich.
Was mich am Nano wirklich verblüffte, ist eine Eigenschaft, die Hifi-Tester gern als “Musikalität” umschreiben, wenn sie nicht mehr wissen, wie sie das sonst beschreiben sollen. Man hört dem Nano ganz einfach lieber zu als den anderen MP3-Geräten im Test. Man lässt die Test-Titel gern mal länger laufen, weil einfach irgendwie alles stimmt. Es groovt. Oder so. Irgendwie.
Kommt hinzu, dass der Nano jetzt wirklich in jede (Hosen-)Tasche passt und dank längerer Batterie-Lebensdauer auch nicht ständig neu geladen werden will wie der alte iPod. Wenn man damit leben kann, dass das Ding viel weniger Speicher bietet (und die meisten iPod-User, statistisch gesehen, können das), eine wirklich gute Lösung.
Insgesamt: Das Ding ist nicht nur klein, schön und praktisch, sondern klingt auch noch ausgesprochen gut (na ja, für MP3-Verhältnisse zumindest). Highly recommended.








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