Werbung und Wahrheit, jetzt auch in den Statistiken
Hmm. Wie was das noch mit den Statistiken, die man nicht selbst gefälscht hat?
Media Focus, die vermutlich am meisten zitierte Schweizer Marktforschungsfirma, wenn es um die Erfassung von Werbeausgaben geht, korrigiert ihre Methode. Bisher waren in den Zahlen für den Werbemarkt (was mir z.B. echt nicht bewusst war) auch fiktive Einnahmen für Eigenwerbung integriert, also z.B. die zahlreichen Füllerinserate in Zeitungen.
Das, hat Media Focus nun herausgefunden, verzerrt das statistische Bild ungemein. Nicht nur wurde damit der Gesamtmarkt um 500 Mio. Fr. zu hoch eingeschätzt, vor allem auch die Anteile der einzelnen Medien wurden damit sehr ungenau wiedergegeben. In den Tageszeitungen beispielsweise fallen derzeit nicht weniger als 20% der Werbefläche in die Kategorie Eigenwerbung, beim Radio 17%, bei Publikumszeitschriften 12%.
Eher vorbildlich dagegen das Fernsehen und das Internet mit nur je 2%.
Logischerweise verschieben sich durch diese Korrektur die wahrgenommenen Marktanteile der Medien am gesamten Werbekuchen ziemlich dramatisch. Im vielzitierten “Print-Land Schweiz” stehen dadurch die elektronischen Medien urplötzlich wirtschaftlich viel stärker da. Einen direkten Einfluss auf die Entwicklung der tatsächlichen (bezahlten) Werbeausgaben dürfte das allerdings kaum haben, denn da orientieren sich die Auftraggeber an Dingen wie Leser- und Zuschauerzahlen.
Man kann Media Focus aber nur ermuntern, weiter an präziseren Statistiken zu arbeiten. Im Bereich Internetwerbung (für 2004 von Media Focus mit 30 Mio. Fr. Umsatz ausgewiesen) beispielsweise ist nach Auskunft von Branchenexperten nur ganz klassische Banner-Werbung enthalten. Sehr relevante Werbeträger wie Google fehlen dadurch völlig, was natürlich einmal mehr das Bild verzerrt.
UPDATE: Der Vollständigkeit und Fairness halber sei noch folgendes erwähnt: Obwohl TV und Internet wenig Eigenwerbung machen, ist dort das Phänomen “Freespace” sehr verbreitet. Gute Werbekunden kriegen schon mal den einen oder anderen freien Sendeplatz gratis. Die Sender weisen den theoretischen Wert dieser Gratiswerbung aber trotzdem gern als Bruttoumsatz aus (und das kann schnell mal in die zweistelligen Prozentbereiche gehen). Ob und wie das in die Statistik einfliesst, weiss man natürlich nicht so genau. Und die Medienhäuser haben auch wenig Interesse daran, das zu ändern…
(via Klein Report)











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