Die VOIP-Bubble bläst sich weiter auf
Man weiss, dass eine Bubble wirklich langsam ihren Höhepunkt erreicht hat, wenn sogar eine relativ nüchterne und vernünftige Publikation wie der Economist beim Hypen mitmacht.
In der Titelstory dieser Woche wird nur noch in der Vergangenheitsform von den klassischen Telcos geredet: “How the Internet killed the phone business” (Leitartikel online nicht frei zugänglich, Hauptartikel hingegen schon). Typische Zitate:
“It is now no longer a question of whether VOIP will wipe out traditional telephony, but a question of how quickly it will do so.”
“The acquisition by eBay of Skype is a helpful reminder to the world’s trillion-dollar telecoms industry that all phone calls will eventually be free.”
Gut, allein die Meldungen der letzten paar Tage unterstützen diese Theorie ziemlich eindrücklich: Google startet Google Talk, Microsoft kauft Teleo, eBay kauft Skype, und sogar hierzulande reorganisiert sich Swisscom Fixnet wegen der durch Cablecom verursachten Kundenverluste. Reichlich Bewegung also im VOIP-Umfeld.
Aber werden die Telcos wirklich in absehbarer Zeit daran zugrundegehen? Nun, ihr Businessmodell macht im Moment tatsächlich keinen wahnsinnig zukunftsträchtigen Eindruck:
- Die Preiserosion geht nicht nur im Festnetzbereich weiter, sondern beschleunigt sich auch dramatisch im einst geradezu obszön margenträchtigen Mobilbereich, nicht zuletzt durch neue Billiganbieter (wie z.B. den, den und den).
- Mit Consumer-Datenleitungen, sprich ADSL, verdient noch immer kaum eine Telco Geld — vielleicht noch mit Ausnahme der Ex-Monopolisten, deren Dominanz aber wohl auch bald wegreguliert wird. Noch schlimmer sieht es mit neuen Mobil-Diensten à la UMTS-Videotelefonie aus, die von den Konsumenten praktisch komplett ignoriert werden.
- Das mit den Value Added Services will auch nicht so richtig klappen. Praktisch keine Telco hat es geschafft, im Content-Bereich eine halbwegs relevante Position aufzubauen. Telcos sind halt gut darin, stark multiplizierbare, vergleichsweise einfach strukturierte Kommunikationsdienste anzubieten. Das war’s dann aber auch.
Falls diese Entwicklung weiterhin dem Muster folgt, das man in der einschlägigen Innovations-Literatur nachlesen kann, werden die etablierten Telcos es wohl langfristig nicht schaffen, ihre Position zu halten. Vielmehr haben sie einen zwar langsamen, aber unschönen Abstieg vor sich, denn zu sehr unterscheidet sich die Struktur der VOIP-Welt von dem, was die Telco-Riesen am besten können.
Andererseits ist aber auch weit offen, wer am Schluss die Gewinner dieser Entwicklung sein werden. Wiederum: Wenn man davon ausgeht, dass sich geschichtliche Muster wiederholen, werden es kaum diejenigen Firmen sein, die heute so stark und dynamisch scheinen. Sondern solche, die wir heute vermutlich noch gar nicht kennen.
Es bleibt also spannend. Eigentlich ein guter Grund für ein bisschen Hype.











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