Konvergenz mal anders rum:
MP3-Suche auf Papier

Andreas Göldi, 15. September 2005 13:43 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Neulich aufgefallen beim Stöbern in der Buchhandlung (für die, die sich nicht mehr erinnern: Das ist sowas wie Amazon.com, nur mit physisch anwesenden Büchern und weniger Cross-Selling):

“The Downloaders Bible” von Dave McAleer, Verlag Edition Olms

Faszinierend. Eine Idee, auf die man erstmal kommen muss.

Das Buch macht im Prinzip nichts anderers, als 22′575 Songs (nach eigenen Angaben, ich hab nicht nachgezählt) aufzulisten. Sortiert nach Titel, Künstler und teilweise Genre. Also so ähnlich wie die Browse-Funktion auf iTunes, nur auf Papier. Irgendwie telefonbuchmässiger, sozusagen.

Wohlgemerkt: Das Buch sagt nichts über Qualität oder Hintergrund der Songs aus. Es listet nur auf. Kein Führer, sondern ein Verzeichnis. Auf Papier. Und es geht um MP3s, die man als Leser sich dann später am Computer runterladen soll (bei einem legalen Download-Shop seines Vertrauens, natürlich. Nicht hier.).

Hmm. Da kommt man doch ins Nachdenken.

Ist das Satire? Eine Kritik an ungenügenden Suchmechanismen? Oder gleich an unserer ganzen technologiegläubigen Gesellschaft?

Vielleicht ist das Buch ja aber doch ganz harmlos nur als nützliches Hilfsmittel gedacht, für Leute, die nicht gern kompliziert online suchen, sondern lieber in der Badewanne (oder wo auch immer) liegen und etwas in Titellisten stöbern, um später dann die angekreuzten Titel gezielt runterladen zu können. Das wird zumindest vom Verlag behauptet.

Es gibt kompetente Usability-Experten, die schon lange behaupten, dass Anleitungen auf Papier der beste Weg sind, um User an Online-Anwendungen heranzuführen. Inzwischen glaube ich das ja auch. Aber die Suchfunktion auch noch auf Papier auszulagern? Ein wenig erinnert mich das an die Bücher aus den Anfangszeiten des Webs à la “Die 1000 besten Webseiten”. Irgendwann haben auch deren Käufer gemerkt, dass es aktuellere und effizientere Wege gibt, eine Webseite zu finden.

Aber sowas mit MP3-Listen zu machen, ist schon angenehm dreist und irgendwie erfrischend…

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