HDTV und die Folgen:
Ein paar Überlegungen
Wie man unter anderem meinem Besuchsbericht von der IFA in Berlin entnehmen konnte, versucht die Unterhaltungselektronik-Branche derzeit, uns allen die Vorzüge des hochauflösenden Fernsehens (HDTV) schmackhaft zu machen. Und die Chancen sind nicht mal schlecht, dass ihr das gelingen wird. Echte technische Hürden gibt es kaum noch, und wenn man nach USA und Japan schaut, scheinen auch die Konsumenten bereit zu sein, auf dieses neue Format zu wechseln.
Bleibt die Frage, was das für Auswirkungen haben wird. Der Verdacht ist naheliegend, dass es — wie bei jedem grossen Technologiesprung — nicht dabei bleibt, dass einfach die gleichen Dinge wie früher gemacht werden, nur halt mit etwas besserer Auflösung. Ich glaube, dass die Auswirkungen tiefergreifend sein werden.
Nehmen wir mal an, dass HDTV sich innerhalb der nächsten fünf Jahre wirklich durchsetzen und einen ansehnlichen Anteil der Haushalte erobern wird. Was könnten also die Auswirkungen sein? Ein paar Gedanken dazu:
(Noch) Schwierigere Zeiten für Kinobetreiber?
Die
typepad.com/brandautopsy/2005/08/whos_blame_is_i.html”>Filmbranche jammert schon jetzt
Noch deutlicher wird das mit HDTV: Die Qualität eines guten HD-Bilds lässt sich für den Laien kaum noch vom Kinobild unterscheiden — bis auf die Tatsache natürlich, dass beim digitalen HD weniger Kratzer und Staubpartikel den Bildeindruck stören.
Da muss die Kinobranche sich schon etwas einfallen lassen, um die Zuschauer immer noch anlocken zu können. Neuster Trend darum: Digital Cinema. In der Schweiz gibt es meines Wissens bisher erst zwei Kinos mit Digitalprojektion, nämlich in Zürich und Bülach. Aber auch der dort verwendete teure Projektor bietet physisch nur gerade die Auflösung eines hochwertigen HDTV-Screens. Sicher, HD-Projektoren mit der vollen Auflösung sind im Moment für Heimanwender noch kaum bezahlbar. Aber wie wir wissen, sind solche Dinge eine Frage der Zeit.
Gehen wir in Zukunft weniger ins Kino und konsumieren Filme dafür eher zu Hause in HD-Qualität? Könnte gut sein. Und den Nachbarn im Kinopublikum, der immer quatscht und an den falschen Stellen im Film lacht, wird sicher auch niemand vermissen…
Technologiesprung im Wohnzimmer
HDTV bedeutet auch, dass in den Haushalten Screens stehen werden, deren Auflösung heutigen Computerdisplays entspricht. Ein HD-Fernseher kann maximal eine Auflösung von 1920×1080 Pixeln (1080i-Standard) darstellen. Allerdings erreichen derzeit noch nicht alle Geräte physisch diese höchste Norm. Als preiswerter Kompromiss ist auch eine Variante mit 1280×720 Pixeln (720p) möglich, also immer noch mit der Auflösung eines typischen Büro-PC-Monitors.
Die Verbreitung von HDTV-Programmen erfolgt nur noch digital, und der dafür nötige Datenstrom ist respektabel. Meistens sind HD-Programme in MPEG2 codiert, empfohlen wird dabei eine Datenrate von 27 Mbit/s (Zum Vergleich: Eine heutige DVD bietet einen maximalen Durchsatz von 10Mbit/s, typisch ist eher eine Rate von ca. 5-7 Mbit/s). Mit anderen Kompressionsverfahren, z.B. MPEG4 oder Windows Media 9, sind zwar auch niedrigere Raten möglich, aber auch damit landet man kaum unter 10 Mbit/s. Da werden also Verbreitungskanäle nötig, die deutlich über dem heute üblichen Niveau liegen.
Auch die Verarbeitung dieser Signale benötigt viel Power. Die Decodierung und Aufbereitung eines stark komprimierten HD-Datenstroms benötigt eine Rechenleistung, die in etwa einem typischen zeitgenössischen PC entspricht. Microsoft empfiehlt z.B. zum Abspielen eines Windows-Media-HD-Files mindestens einen 3GHz-Prozessor, 512 MB RAM und eine Grafikkarte mit 128MB RAM. Logischerweise müssen auch beispielsweise die zukünftigen HD-DVD- bzw. Bluray-Disc-Player solche Leistung aufbringen.
Schon bald wird also in den Wohnzimmern ein Quantensprung bezüglich Bildauflösung, Datenkanal und Verarbeitungspower passieren. Und es ist anzunehmen, dass man damit mehr machen kann und machen wird als nur Sportübertragungen und Spielfilme anschauen.
Doch noch interaktives Fernsehen?
Das interaktives Fernsehen (ITV) sich bisher nicht durchgesetzt hat, mag viele Gründe haben. Einer davon ist aber sicher, dass die heutigen Fernseher nur eine mehr als bescheidene Darstellungsqualität für Textinformationen und alle anderen Elemente haben, die man für ITV halt benötigen würde. Und auch die Elektronik, die rund um den Fernseher zu finden ist, weist meist nur bescheidenste Leistungsfähigkeit auf.
Wie gerade beschrieben, wird sich das im HDTV-Zeitalter radikal ändern. Es wird sehr viel leichter werden, ergänzende Informationen zum Programm zu verbreiteten, zu verarbeiten und darzustellen. Und mit der nötigen Intelligenz einer HD-Anlage ist es auch kein grosses Problem mehr, echte Interaktivität, wie man sie sich vom PC gewohnt ist, auf den Fernseher zu bringen.
Bleibt natürlich die Frage, ob die Zuschauer das überhaupt wollen. Normalerweise gibt es aber eine gewisse Qualitätsgrenze, die erstmal überschritten werden muss, bevor sich auch die Konsumenten-Akzeptanz einstellt. Und mit HDTV wird es erheblich wahrscheinlicher, dass genau das für interaktives Fernsehen passiert.
Satellit als Gewinner: Was passiert mit IPTV und Kabelnetzen?
Viele Telcos, u.a. auch die Swisscom, basteln mehr oder weniger glücklos an der Verbreitung von Fernsehprogrammen über ADSL per TCP/IP herum, bekannt als IPTV. Die technischen Probleme schon bei der herkömmlichen Auflösung scheinen beträchtlich zu sein.
Wohl ganz vergessen kann man diese Pläne auf etliche Jahre hinaus, wenn sich HDTV durchsetzt. Gerade die technisch etwas progressiveren Kunden, die solche Angebote ansprechen sollen, werden die ersten sein, die sich auch HDTV leisten. Und kaum jemand will sich auf dem teuren Screen die qualitativ äusserst bescheidenen IPTV-Streams anschauen wollen.
Sogar für die Kabelnetzbetreiber wird es eher eng durch HDTV. Da ein HDTV-Kanal die bis zu sechsfache Bandbreite eines normalen Digital-TV-Kanals benötigt, reduziert sich das übertragbare Programmangebot entsprechend. Und da werden die Kabelnetzbetreiber sich gut überlegen, ob sie eher auf Programmvielfalt oder technische Qualität setzen.
Der Verbreitungskanal der Zukunft dürfte darum Satellitenfernsehen mit der Norm DVB-S werden, denn die dort verfügbare Bandbreite ist erheblich grösser als bei den kabelbasierten Verfahren.
Das nur einige Aspekte von vielen. Man sieht, es bleibt spannend.
Übrigens: Einen guten Eindruck der Qualität von HDTV kann man z.B. mit den bei Microsoft downloadbaren Demofilmen gewinnen. Aber nicht vergessen: Vermutlich stellt Ihr Computerbildschirm noch nicht mal die volle nutzbare Auflösung dar…
Mehr Informationen über HDTV:












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