Google:
Ausweitung der Kampfzone auf den Desktop
Und immer wieder Google: Heute ist Google Desktop 2.0 erschienen, wie praktisch alles bei Google natürlich als “Beta” (haben die eigentlich auch noch Nicht-Beta-Produkte?).
Mit dieser neuen Sammlung an mehr oder weniger sinnvollen Desktop-Tools greift Google Microsoft nun wirklich ziemlich frontal und sehr visibel auf dessen ureigenstem Territorium an, nämlich auf dem Windows-Desktop.
Da wäre erstens und nützlichstens das neue Google Desktop Search. Die Version 1.0 war ja schon recht nett, aber aufgrund der beschränkten Zahl an verarbeiteten Filetypen und der eher rudimentären Integration eigentlich — gasp — etwas schlechter als das Konkurrenzprodukt aus Redmond.
Das hat sich nun ziemlich klar geändert. Nicht nur indexiert Google Desktop jetzt praktisch alles, was sich so auf einem normalen PC befindet und stellt die Ergebnisse nach wie vor intelligent gleich kombiniert mit der Web-Suche dar. Hinzu kommen auch noch weitere Nettigkeiten, wie zum Beispiel die Indexierung des eigenen Gmail-Accounts. Und dreisterweise taucht jetzt eine Google-Suchbox direkt in Outlook auf, also quasi mitten im Feindesland.
Fast schon atemberaubend intelligent ist die neue “Quick Find” Suchbox. Man fängt einfach an, einen Begriff zu tippen, und in kürzester Zeit schlägt einem das Ding verschiedenste Sachen vor, die man eventuell meinen könnte: Ein Stichwort aus einem PDF auf der Platte oder aus einer e-Mail? Der Name eines Programms aus dem Startmenü? Eine kürzlich besuchte Website? Das nimmt einem fast schon das lästige Denken darüber ab, was man eigentlich wirklich will.
Zweitens, auch neu, aber meiner Meinung nach noch etwas reifungsbedürftig ist die Sidebar, bei der sich Google konzeptionell wohl kräftig bei den ach so hippen Dashboard-Widgets aus Apples OS X bedient hat. Diese kleinen Informationsboxen zeigen beispielsweise News, das Wetter, Börsenkurse oder auch mal einen RSS-Feed an. Bei Google erscheinen die Boxen etwas aufgeräumter (unkreativer?) als bei Apple in einem einheitlichen Block am Bildschirmrand. Natürlich hat das ganze eine Plug-In-Architektur und offene APIs, und darum werden wir sicher schon bald tausende von mehr oder weniger sinnvollen Erweiterungen zur Sidebar sehen.
Ehrlich gesagt: Diese Dinger lösen ein Problem, das ich nun wirklich nicht habe, nämlich zu wenig ungefilterte Information zu kriegen. Ich bin nicht sicher, ob ich wirklich besser arbeiten kann, wenn auf dem Bildschirm ständig ohne jede Vorselektion irgendwelcher Info-Müll durchläuft. Gerade zeigt mir zum Beispiel mein Google Sidebar, dass in den USA die Hausverkäufe um 2.6% gesunken sind. Gut zu wissen, aber diesen kleinen Moment Aufmerksamkeit hätte ich wohl woanders besser investieren können.
Es ist irgendwie komisch, dass solche Desktop-Störenfriede alle paar Jahre auftauchen und dann nach einer kurzen Blüte wieder in wohlverdiente Vergessenheit geraten. 1996 war es Pointcast mit dem Push-Prinzip, später der Internet Explorer 4.0 mit seinem Active Desktop und jetzt halt Apple und Google.
Aber wichtig ist etwas anderes: Google geht immer klarer auf Konfrontationskurs mit Microsoft. Und bei einer guten Desktop-Suche und einer mässig sinnvollen Sidebar bleibt es vermutlich nicht, wenn man den neusten Gerüchten glauben darf…
» Nächster Artikel: Live von der IFA in Berlin: Die neusten Trends (oder was die Hersteller dafür halten)
» Älterer Artikel: Will Google nun auch noch das mobile Internet dominieren?
» Drucken
» Merken/E-Mail

neuerdings.com
medienlese.com
imgriff.com
fokussiert.com
netzwertig.com


Beiträge per RSS
blogwerk.com
Einen Kommentar schreiben