Besuch in Boston:
MIT und Gadget-Globalisierungsfrust
Ich bin für ein paar Tage in den USA unterwegs, derzeit gerade in Boston.
Unerlässlich ist da natürlich eine Pilgerfahrt ans MIT, besonders auch ans Media Lab, dessen visionäre Konzepte ich immer inspirierend fand und dessen Schriften — besonders die von Oberguru Nicholas Negroponte — einen nicht unwesentlichen Anteil daran haben dürften, dass ich in der Multimedia-Branche gelandet bin.
In den letzten Jahren ist es etwas stiller geworden ums Media Lab, und auch der (oberflächliche) Besuch hinterliess ehrlich gesagt den Eindruck, dass da eine Instution eher gerade nach ihrem Profil für die Zukunft sucht.
Viel zu besuchen gibt es eh nicht, denn das Media Lab ist eine Forschungsanstalt, kein Museum. Führungen gibt es sehr selten, und dann am liebsten für die zahlenden Sponsoren des Labs. Immerhin, ein Blick ans schwarze Brett (auch hier immer noch in nicht-digitaler Form vorhanden) zeigt doch, wo man gelandet ist: Wo anderswo normale Ferienjobs ausgeschrieben sind, werden hier Testuser für einen Web-Browser der nächsten Generation — Semantic Web und so weiter — und ähnliche Innovationen gesucht. Auch die reichlich unkonventionellen Namen der einzelnen Forschungsabteilungen (”Center for Bits and Atoms”, “Things that think”, “eRationality”…) zeugen vom immer noch existenten visionären Geist.
Ein anderer obligatorischer Besuch gilt auf meinen USA-Reisen immer dem Gadget-Grossmarkt CompUSA. Und dort bekommt man eine Art von Schattenseite der Globalisierung vor Augen geführt: Früher mal war das Shopping bei CompUSA ein Erlebnis, weil man dort Produkte bekommen konnte, die es bei uns noch längst nicht gab. 1998 hab ich mir dort z.B. meinen ersten MP3-Player gekauft, lange bevor man in Europa überhaupt zur Kenntnis nahm, dass solche Geräte existieren.
Heute ist das Erlebnis ziemlich langweilig: Jeder Media-Markt bei uns hat inzwischen das breitere Sortiment als CompUSA. Die Produkte sind praktisch die gleichen, nach spektakulären Neuheiten sucht man vergebens, mal abgesehen von Geräten (z.B. Satellitenradios), die bei uns eh nicht funktionieren.
Jetzt ist nur noch die Frage, ob man sich über die bei uns zu Hause verbesserte Einkaufssituation freuen oder über das entgangene Einkaufserlebnis im Urlaub ärgern soll?
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