Noch ein E-Paper-Konzept, diesmal mit Lärm
Wie kürzlich schon hier beklagt, sucht die E-Paper-Technologie immer noch nach einer wirklich geeigneten Form. Die deutsche Fachzeitschrift “Musikwoche” versucht sich nun mit einer tatsächlich recht innovativen Variante, genannt Livepaper.
Livepaper verwendet als technologische Basis nicht Dhtml, sondern Flash, was natürlich eine ganze Reihe neuer Möglichkeiten mit sich bringt. Wie man es bei einer Musikzeitschrift vermuten könnte, wird das Multimedia-Spektrum vor allem für die auditive Anreicherung der Inhalte genutzt: Beim Bericht über Coldplay kann man sich die neusten Titel anspielen lassen, und Anzeigen für neue Platten kommen komplett mit Hörprobe daher.
Von fast jeder Seite schallt es einem (oft ungefragt) entgegen. Zum Glück gibt es auch einen Button zum Abschalten des Sounds, sonst wäre das schon etwas konzentrationsstörend.
Aber bei oberflächlichen Effekten bleibt das ganze nicht stehen: Man kann beispielsweise auf Personenfotos in Artikeln klicken und bekommt einen kurzen Hintergrundtext zur jeweiligen Branchengrösse. Bei Musikern geht das dann bis hin zur kompletten Diskografie samt Sound- und Videoclips. Ziemlich beeindruckend.
Im ersten Test holperte das Interface noch hin und wieder, aber das liegt wohl in der Natur der Sache bei einer doch ausgesprochen komplexen Flash-Anwendung. Die Fülle der gebotenen Inhalte in einer einzigen Ausgabe dieser Fachzeitschrift ist schon sehr erstaunlich. Und man fragt sich, ob der Verlag das auf die Dauer wirklich durchhalten kann, denn der zusätzliche Aufwand dürfte kaum gering sein.
Nach den eher ernüchternden E-Paper-Neuerungen der letzten Zeit zeigt diese Innovation aus — gasp — Deutschland, dass man mit etwas Fantasie und Ehrgeiz aus papierbasierten Inhalten wirklich ein echtes Mehrwertprodukt für den Online-User bauen kann. Die “Musikwoche” in Livepaper-Version verbindet den strukturierten Inhalt einer Fachzeitschrift mit dem multimedialen Reichtum von Flash-Magazinen wie z.B. fmagazine.
Wobei man sich dann andererseits auch wieder fragen kann, ob bei all dem Aufwand überhaupt noch sinnvoll ist, die klassische Zeitschriftenmetapher mit heftigem Geblättere und Gezoome online durchzuziehen. Was spricht eigentlich gegen gut gemachte “richtige” Websites, liebe Verleger?
(Via Spiegel Online)
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